11.06.2017 - 15:46 Uhr
Oberpfalz

Annika Stinner spielt bei der Amberger Hochzeit die Margarete - doch wer steht an ihrer Seite?: Prinz gesucht

Es ist eines der berühmtesten Ereignisse in der Amberger Historie: die Hochzeit des pfälzischen Kurprinzen Philipp mit Margarete im Jahr 1474. Alle zwei Jahre wird dieses Spektakel beim Brunnenfest nachgestellt. Heuer darf Annika Stinner aus Amberg die Braut mimen. Doch ihr Prinz fehlt noch.

Die 22-jährige Annika Stinner aus Amberg schlüpft beim Brunnenfest im August in die Rolle der Margarete von Bayern-Landshut. Noch fehlt ihr ein Mann an der Seite, der den pfälzischen Kurprinz Philipp bei der Amberger Hochzeit spielen möchte. Bild: Hartl
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Kurzfristig hatte am Samstagabend ein Paar, das sich bereiterklärt hatte, Kurprinz Philipp und Margarete zu spielen, kalte Füße bekommen. Glück für die 22-jährige Ambergerin Annika Stinner. Denn so rutscht sie nach. Ein Traum, der sich für sie damit erfüllt. "Schon als Kind habe ich gern Burgen und Burgruinen besucht und ich lese gern historische Romane. Ich wollte schon immer so eine Zeitreise in die Vergangenheit erleben." Stinner hat auch schon selbst einen historischen Kurzroman geschrieben, der zur Zeit des Spätmittelalters spielt. Das passt zur Amberger Hochzeit, die ebenfalls im Spätmittelalter 1474 stattfand.

Konkret geht um die Vermählung des pfälzischen Kurprinzen Philipp mit Margarete. Cantus Ferrum, der Verein für erlebte Geschichte, organisiert alle zwei Jahre das Brunnenfest, bei dem das Brautpaar bei einem Festzug durch die Straßen der Stadt zieht.

Vorbild für Landshut

"Diese Hochzeit ist eines der berühmtesten Ereignisse der Stadt", erklärt der stellvertretende Vorsitzende Martin Malitzke. "Sie galt als Vorbild für die noch bekanntere Landshuter Hochzeit." Das Bündnis zwischen Philipp und Margarete hatte eine enorme politische und strategische Bedeutung für Amberg damals. Wochenlang sei die Vermählung vorbereitet und gefeiert worden. "Indem wir die Amberger Hochzeit alle zwei Jahre nachstellen, wollen wir das Interesse der Amberger für dieses Ereignis wecken und ein Stück Geschichte schmackhaft machen", erklärt Mitorganisatorin Laura Pickelmann die Beweggründe des Fests. Sie muss es ja schließlich wissen, denn zweimal 2009 und 2011 war sie selbst schon die Margarete.

Interesse an der Geschichte ist eine Grundvoraussetzung, weshalb sich Cantus Ferrum für Annika Stinner entschieden hat. "Bevorzugt wird auch, wer noch nicht in der Szene bekannt ist. Es soll jemand die Chance erhalten, dieses Fest hautnah zu erleben", sagt Malitzke.

Braut wird hofiert

Vor Annika Stinner liegen aufregende Wochen: Sie probiert demnächst das Brautkleid und wird die Pferde, die beim Umzug dabei sind, kennenlernen. "Wir müssen sie darauf vorbereiten, dass es unter dem Kleid sehr heiß werden kann", sagt Pickelmann mit einem Lachen. "Währenddessen muss die Braut aber keinen Finger krumm machen, denn sie wird von den Organisatoren hofiert. Sogar eine Visagistin wird sich um das Makeup und die Haare kümmern."

Zu ihren Aufgaben am Brunnenfest zähle es, gut auszusehen, huldvoll zu winken und ihren Ehemann zu verzaubern, sagt sie weiter. Doch der Bräutigam muss jetzt noch gefunden werden: "Ich habe keine Vorlieben, wie er aussehen muss", gibt sich Annika Stinner ganz bescheiden. "Er sollte nur wirklich interessiert sein - und vielleicht etwas größer als ich", schiebt die 1,69 Meter große Frau mit einem Schmunzeln nach.

Auch den Prinzen erwartet wie seine Gemahlin ein edles Gewand: Ein rotfarbener Brokatstoff wird ihn kleiden - erstellt nach historischem Vorbild. "Die Kleidung macht total was her", ist Pickelmann begeistert. Bis Ende Juni gehen die Verantwortlichen noch einmal auf die Suche nach einem mutigen Mann, der Lust hat mit Annika auf dem Pferd durch die Stadt Amberg zu reiten, die Massen zu begrüßen, bei einem Ritterturnier teilzunehmen und abends ein mehrgängiges Menü ihnen zu Ehren zu genießen. (Angemerkt)

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