14.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Wahlbeteiligung in Amberg sinkt auf 34 Prozent - Verluste für SPD und CSU: Nur ein Drittel wählt europäisch

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt ein noch schlechteres Ergebnis daher - das gilt bei den Europawahlen ganz besonders für die SPD. Aber auch die CSU musste in Amberg deutliche Verluste hinnehmen. Besonders dramatisch: Die ohnehin schwache Wahlbeteiligung von 1999 wurde nochmals um fünf Prozentpunkte unterschritten. Nur noch 34 Prozent der Amberger Wahlberechtigten wollten mitentscheiden, wer sie künftig in Straßburg und Brüssel vertritt. Das Desinteresse der Bevölkerung an Europa scheint mit wachsender Bedeutung europäischer Politik noch zu steigen.

"Das reicht sicher nicht", gestand der Oberpfälzer SPD-Kandidat Michael Zirpel noch am Wahlabend sein Scheitern ein. "Ich hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass wir das Ergebnis von 1999 erreichen. Mit so etwas hatte keiner gerechnet." Allein in der Stadt Amberg verloren die Sozialdemokraten sieben Prozent und krebsen nun bei 17,45 Prozent herum. Als Ursachen für das erneute Desaster identifizierte Zirpel die Unzufriedenheit über die "notwendigen Strukturreformen in ganz Europa". Überall seien Regierungen abgewatscht worden. "Wer dran ist, ist dran, das gilt heute für die SPD in Deutschland." Nach zweimonatigem unbezahlten Urlaub kehrt er jetzt wieder an seine frühere Arbeitsstelle zurück: "Am Mittwoch sitze ich an meinem Schreibtisch im Bundesverkehrsministerium."

"Mit lokalen Ereignissen hat das nichts zu tun", kommentierte MdB Barbara Lanzinger die Verluste der Amberger CSU. Ihr Anteil ging von fast 64 Prozent auf gut 56 Prozent zurück. "Es ist zum einen sicher eine Folge der schlechten Wahlbeteiligung. Wir haben unsere Leute nicht so mobilisieren können, wie vielleicht die kleinen Parteien." Noch stärker als bisher müsse man in Zukunft den Menschen Europa erklären: "Ich nehme uns Bundestagsabgeordnete da mit in die Pflicht."

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahm Grünen-Stadtrat Hans-Jürgen Bumes die Wahl zur Kenntnis. "Wir haben unser Wahlergebnis fast verdoppelt. Aber langsam geht uns der Regierungspartner verloren." Mit 8,86 Prozent wiederholte die Umweltpartei in etwa das Ergebnis der Landtagswahl. "Ein Beleg dafür, dass wir die richtigen Themen gewählt haben", glaubt Bumes. "Die Gen-Technologie beschäftigt die Menschen."

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.