08.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Vom Hut auf die Kunst gekommen: Eleonore Fuchs' siebtes Zeitalter gehört der Renaissance: Es muss nicht immer Tizian sein

"Ich habe doch ein Tizian-Rot bestellt", empörte sich Eleonore Fuchsens Mutter beim Anblick des blassroten Stoffs, den der Kaufmann ihr fälschlicherweise geliefert hatte. Es war die erste Begegnung der jungen Modistin mit einem Renaissance-Künstler. An ihrem 70. Geburtstag zieht die Hobby-Expertin viele Parallelen zwischen der Kunst der Farblasur und der Hutmacherei.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Als ich die Farnese-Ausstellung in München sah, war es um mich geschehen", schwärmt sie von Tizian, Raffaello, Botticelli, Tintoretto & Co. "Ich bin anschließend den Gemälden nach Rom und Neapel hinterher gefahren." Inzwischen kennt die Kunst-Füchsin so viele Details der italienischen Wiedergeburt, dass sie den Kunsthistorikern Konkurrenz macht: Als Referentin für interessierte Laien.

Die neue Leidenschaft der Grande Dame der Amberger Chapeaus für die Universalgenies aus dem Stiefelland ergänzt sich ideal mit ihrer eigentlichen Berufung: "Alle guten Designer holen sich ihre Anregungen aus dem Museum, ich mir aus meinen Kunstbüchern." Kein Wunder, dass die Kunst-Hüte aus dem Hause Bayer seit Jahrzehnten durch Form und Farbe Jurys in Düsseldorf, der Hochburg deutscher Hutmode, überzeugen: "Meine erste Goldmedaille gewann ich 1961 mit einem Blueback-Hut, dessen Fell schwarzblau schimmerte - er bestand aus acht Teilen und war mit einem hellen Streifen abgesetzt."

Unter den Top Ten

Während sie in Erinnerungen schwelgt, springt die quickfidele Handwerkerin auf, sucht in Regalen und Alben nach Belegen für ihr kreatives Schaffen. "Der Hut, der gerade einen Preis gewonnen hat, ist immer der schönste", tut sie sich schwer, einen Höhepunkt in ihrem Schaffen zu definieren. "Die Einladung zu einem Pferderennen nach Hamburg als Preisträgerin des Moët & Chandon-Wettbewerbs war ein herausragendes Ereignis in meiner Karriere", schwärmt sie.

Als sie dort 2001 als eine der zehn besten Hutmacherinnen Deutschlands anreiste, traf sie auf lauter alte Bekannte: "Das Lustige war, dass ich von vielen der anderen Preisträgerinnen die Gesellen- oder Meisterprüfung abgenommen habe", kichert Fuchs. Das Atelier in der Nabburger Straße, inzwischen mit Tochter Antonia in fünfter Generation in Familienbesitz, dürfte seit 1999 auch in New Yorks Künstlerkreisen ein Geheimntipp sein.

Eine elegante Dame aus SoHo ließ damals mit entzückten "Ahs" und "Ohs" sämtliche preisgekrönten Modelle vom Butler in die Stretch-Limousine verladen. "Einen solchen Goldregen könnte ich öfters vertragen", schmunzelt die Geschäftsfrau.

Wer weiß, vielleicht macht Mrs. Unknown die Überraschung einmal komplett, hat sie doch versprochen: "My Dear, es war nicht das letzte Mal, dass ich in deinem Laden war."

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