12.02.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Sinn und Unsinn von Beratern in der Lokalpolitik: Hier werden Sie beraten

Was den Schröders und Gersters dieser Republik ihr Roland Berger ist, ist Markus Kurz für die lokalen Mandatsträger. "Das ist etwas dick aufgetragen", wiegelt der Chef der mk-Unternehmensberatung ab. "Ich helfe dem ein oder anderen Politiker, sein Anliegen in die Sprache des Volkes zu übersetzen."

von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Die Beratung von Abgeordneten und Parteien beschränkt sich meistens auf Wahlkampfzeiten", sagt Kurz. Politiker, mit denen er es bisher zu tun gehabt habe, seien gute Fachleute für ihr Spezialgebiet gewesen. Es fehle ihnen aber oft die journalistische Gabe, komplizierte Zusammenhänge einfach darzustellen: "Ich verstehe mich da als Übersetzer." Einfluss auf politische Entscheidungen könne der gelernte PR-Mann, der sein Handwerk als Pressesprecher unter Landrat Dr. Hans Wagner gelernt hat, damit nicht ausüben. "Natürlich diskutiert man in Einzelfällen die Wirkung, die eine bestimmte Entscheidung auf die Bevölkerung haben kann - ich habe es aber noch nicht erlebt, dass einer, der von der Richtigkeit seiner Entscheidung überzeugt war, aus Angst vor Popularitätsverlust davon abgewichen ist." Mit Blick auf Tageshonorare von 3500 Euro, die Berger bei der Beratung der Bundeswehr eingestrichen haben soll, scherzt Kurz: "Meine Honorare liegen noch darunter. Aber im Ernst, man muss das immer in Relation dazu sehen, was der Berater für den Kunden erwirtschaftet." Ein Beispiel für völliges Versagen sei der Fall Scharping: "Hunziker hat den Minister in den Rücktritt beraten."

Eine etwas andere Beratersituation stellt die Entwicklung eines Leitbildes für die Altstadt Ambergs dar. Auch hier wurden Stimmen laut, die das präsentierte Vorabkonzept (AZ berichtete) als "Geldverschwendung" titulierten. Baureferentin Martina Dietrich wehrt sich energisch dagegen: "Wir brauchen hier einen Impuls von außen, um klar zu machen, dass die Altstadt nicht nur aus Parkplätzen und Einzelhandel besteht." Dietrich sieht das Leitbild als logische Konsequenz des Agenda-Prozesses: "Auch die Altstadt-Bewohner brauchen eine Lobby, die ihre Lebensqualität thematisiert." Im Übrigen sei ein solches Konzept auch von der Regierung der Oberpfalz gefordert worden, um die gesamte Altstadt als Sanierungsgebiet ausweisen zu können: "Damit ermöglichen wir privaten Investoren steuerliche Vorteile."

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