17.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Prof. Kulla, Gutachter für Schädel-Hirn-Patienten in Not e.V.: "Hatte keinerlei Kontakt zu ...: Vorerst keine Verleumdungsklage

"Die vorliegenden Gutachten, die Armin Nentwig zu entlasten scheinen, wurden in der Versammlung als Gefälligkeitsgutachten demaskiert." So die klageführende Rechtsanwältin Dr. jur. Ilse Dautert in einer Presseerklärung an die AZ. Einer der angegriffenen Gutachter, Prof. Dr. Bernhard Kulla, nimmt den Vorwurf dennoch - vorerst - gelassen.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Ich bin seit 1982 Professor für Wirtschaftsinformatik in Regensburg, bin seit 1988 öffentlich bestellter Gutachter - in diesen langen Jahren habe ich mir einen gewissen Ruf erworben. Gegen keines meiner über 200 Gutachten ist von irgendeiner Seite jemals der Vorwurf erhoben worden, es sei nicht objektiv. Noch nie hat ein Gericht ein Obergutachten verlangt."

"Arbeite ruhig weiter"

Kulla möchte gegen die Unterstellungen Dauterts vorerst nicht gerichtlich vorgehen: "Das kann meinem Ruf überhaupt nichts anhaben, ich arbeite in Regensburg ganz ruhig weiter." Der von der IHK Regensburg öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Anwendungen der Informationsverarbeitung im kaufmännisch-administrativen Bereich betont, dass er weder den Verband Schädel-Hirn-Patienten in Not e.V. noch dessen Bundesvorsitzenden, Armin Nentwig, vorher gekannt habe. "Die Auftragserteilung zur Bewertung der Homepage des Vereins erfolgte durch den stellvertretenden Vorsitzenden Walter Ulmer. Auch hier erfolgte keinerlei Kontakt zu Herrn Nentwig."

Kulla habe bei seinen Recherchen auch einen Tag in Amberg verbracht, sechs Stunden davon in der Agentur. "Dabei ist mir Herr Nentwig zum ersten Mal begegnet. Es war ein völlig belangloses Gespräch, von versuchter Einflussnahme kann nicht die Rede sein. Bis zu den jüngsten Pressemeldungen hatte ich keinerlei Ahnung von der Brisanz der Geschichte."

Zur Sache selbst wiederholte Kulla die in der AZ veröffentlichten, zentralen Aussagen: "Ich habe den tatsächlichen Wert des Auftritts auf 11 800 Euro taxiert. Der Mehrpreis von rund 7 000 Euro ist nach meiner Überzeugung akzeptabel, da der Verband nicht sehr gut kooperierte und in dieser Zeit drei Geschäftsführer neu eingewiesen werden mussten - nachweislich hat Herr Galitzdörfer andererseits rund 100 Arbeitsstunden nicht in Rechnung gestellt."

Kulla ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass er die Arbeit der Internet-Agentur für höchstens "durchschnittlich" hält: "Die Betroffenen wissen, was damit gemeint ist." Und er betont: "Ich habe mich ausschließlich mit dieser Rechnung beschäftigt. Vorgänge, wie der fälschlicherweise berechnete und später zurücküberwiesene Betrag für eine Internetseite des Abgeordneten Nentwig, wurden mir erst später bekannt."

"Verbandsschädigend"

Gleichzeitig korrigiert Kulla die Darstellung von Rechtsanwältin Dautert: "Ich war von 13 bis 20 Uhr bei der Versammlung in Heidelberg. Ich würde sagen, dass ein Viertel der Mitglieder um Frau Dautert den Vorwürfen demonstrativ applaudiert hat. Ein mindestens ebenso großer Anteil kritisierte das Verhalten von Frau Dautert als ,verbandsschädigend'." Keines der drei Gutachten sei "demaskiert" worden: "Die drei Vorträge wurden mehrheitlich zu keinem Zeitpunkt als unglaubwürdig hingestellt."

Der Begriff "Gefälligkeitsgutachten" sei allerdings im Vorfeld schon einmal und ein zweites Mal bei der Versammlung aus Dauterts Umfeld gegenüber dem Miet-Gutachten geäußert worden: "Wenn die Kollegen später eine Verleumdungsklage anstrengen, werde ich mich dem nicht verschließen. Derzeit sehe ich dazu keine Veranlassung." Schon alleine die geringe Auftragssumme führe den Verdacht der Einflussnahme ad absurdum: "Wenn ich die Zahl 19 000 Euro für die drei Gutachten lese, darf ich sagen, dass ich mit Abstand am wenigsten davon berechnet habe."

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