12.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Premiere am Freitag, 18. Juni: Projekt Vilstheater beschäftigt halb Amberg: Der Tod und das Mädchen

Ortstermin am Dienstagabend: An die 70 Darsteller, Techniker, Statisten und Helfer wuseln in verschiedenen Gruppen entlang der vermutlich längsten Naturbühne Europas: 260 Meter Vils von der Stadtbrille bis zum Martinssteg. Trockenprobe für die Uraufführung von "Der Tod und das Mädchen".

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Es ist ein wenig, als ob man "Herr der Ringe" ohne Budget in vier Wochen verfilmen wollte. Vor zwei Wochen sind die letzten Genehmigungen eingetrudelt, seit letzter Woche steht die Finanzierung. Seit vier Wochen wissen die Schauspieler von ihrem Glück.

"Wahnsinnig kurzfristig"

"Es ist natürlich wahnsinnig kurzfristig", stöhnt Benno Schießlbauer, Chef der Freudenberger Bauernbühne. Er musste sein ganzes Gewicht als Theaterguru der Region in die Waagschale werfen, um seine Legion auf Kurs zu bringen: "Für so ein Stück bräuchte man normalerweise zwei, drei Monate zum Einstudieren. Aber jetzt sind alle so bei der Sache, dass ich mir sicher bin - wir packen das!"

Die Anforderung an die Theaterregie ist nur eine Seite der Medaille. Auch die Herausforderungen für die Technik sind enorm. "Die größte Kunst wird es sein, alle Aktionen aufeinander abzustimmen: Das Boot muss exakt zum richtigen Zeitpunkt bei der nächsten Spielstation ankommen, dann kommt der Lichteinsatz und gleichzeitig setzt die Musik ein. Und das bei einer Bühne, die nicht still steht und 260 Meter lang ist." Jeden Tag schreitet Raab das Ufer ab, immer auf der Suche nach Fallstricken, die er übersehen haben könnte. "Damit alle Zuschauer auf dieser Länge den Text zeitgleich hören können, brauchen wir zahllose Funkstrecken. Die Schauspieler haben Headsets und wir können nur hoffen, dass kein Mikro nass wird oder der Strom ausfällt."

Selbst Video-Profi Hubert Donhauser ist beeindruckt: "Das ist auch für mich Neuland." Zusammen mit Stefan Breuning und seinem FH-Team soll er das Spektakel live auf zwei Großleinwände beim Zeughaus und auf die andere Vilsseite beim Rußwurmhaus übertragen. Fünf Kameraleute mit mobilen Geräten filmen das Spektakel aus verschiedenen Positionen, auf der Leinwand wechseln Details und Totale - dazwischen geschnitten wird zusätzlich Filmmaterial, das historische Assoziationen wachruft. "Die Übertragung bekommen wir hin", ist Breuning zuversichtlich, "aber eine Aufzeichnung wird schwierig".

Währenddessen haben sich bei einigen Darstellern die Mienen verfinstert. Bühnentechniker Richard Söllner: "Da haben manche erst heute erfahren, dass sie ins Wasser müssen." Seine Frau, Maskenbildnerin Babs, ergänzt: "Und die Ratten, die drüben herum huschen, machen die Sache nicht besser." Benno hat die Situation wieder im Griff: "Im ersten Moment war das für den Wotan-Darsteller schon ein Schock, weil der erst kürzlich eine Hüftoperation hatte. Aber die gewöhnen sich schon noch daran."

Der Teufel im Detail

Mehr Sorgen machen ihm die vielen Statisten, deren Einsatz koordiniert werden muss. "Wir können ja nur einmal den Ernstfall proben. Danach müssen fast hundert Leute genau wissen, was sie zu machen haben." Währenddessen zeichnet sich ein neues Problem draußen am Fluss ab: Die vier Wasserwacht-Jungs haben sichtbare Schwierigkeiten, das Boot mit ihren Behelfsstecken gleichmäßig voranzutreiben. "Das muss eine fließende Bewegung sein", gibt Raab Anweisungen von außen. Leichter gesagt als getan, wenn man vor der einen Wasserbühne abbremsen und dann wieder beschleunigen soll.

"Die Leute werden über das Geländer klettern und sich an den Fluss setzen wollen", gibt das Freudenberger Gründungsmitglied Xaver Lobensteiner zu bedenken. "Das wäre eine Katastrophe", schreckt Raab aus seinen technologischen Gedanken hoch. "Da müssen die Kameraleute und der Pan laufen können." Und schon wächst die Karawane gedanklich um weitere Darsteller an: "Da müssen wir alle paar Meter Aufpasser in Mönchskutten hinstellen - ich hab' da schon jemand im Auge."

Weitere Reportagen lesen Sie auf www.oberpfalz.de - Beachten Sie auch die Verlagsbeilage "Amberg feiert" am 16. Juni

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