06.02.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Heute um 13 Uhr erster Warnstreik in der Luitpoldhütte: Scheinheilige Taktik der Arbeitgeber?

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Jürgen Ganss, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Amberg, versteht die Welt der Arbeitgeber nicht mehr: "Wir bieten individuelle Lösungen für Unternehmen an, damit diese flexibel reagieren können - und die Arbeitgeber wollen das nicht." Stattdessen würden sie vorgeben, die 40-Stunden-Woche nicht flächendeckend, sondern in Absprache mit den Betriebsräten einführen zu wollen.

"Das ist eine scheinheilige Argumentation, da es die Betriebsräte erpressbar macht", wehrt sich Ganss gegen die Entmachtung der Gewerkschaft über ein Hintertürchen. "Wenn heute im Betrieb Meier, der Gummimatten herstellt, die Betriebsräte der 40-Stunden-Woche unter Druck zustimmen, dann folgt morgen Müller. So hätten das die Arbeitgeber gerne."

Fachsekretär Horst Ott ist überzeugt, dass die Gegenseite die monetären Forderungen der IG Metall längst geschluckt hat: "Wenn ich mich in den Betrieben so umhöre, haben sich die Unternehmer im Schnitt auf drei Prozent mehr Gehalt eingestellt. Wegen diesem einen Prozent bräuchten wir nicht zu raufen." Die IG Metall will vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate und lehnt unbezahlte Mehrarbeit ab. "Der Konflikt ist politisch motiviert. Die hoffen, dass wir hier im Westen ähnlich auf die Schnauze fallen wie letztes Jahr im Osten", interpretiert Ott die Lage.

Doch die beiden Funktionäre sind sich sicher: "Eine fundamentale Fehleinschätzung. Die hätten doch nie damit gerechnet, dass sich allein in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern fast 80 000 Beschäftigte an befristeten Arbeitskampfaktionen beteiligen würden, wie jetzt geschehen."

Bisher habe man sich in der Oberpfalz zurückgehalten, doch nun sei es an der Zeit, auch in der eigenen Region Flagge zu zeigen: Heute beginnen deshalb erste Warnstreikaktionen in der Amberger Luitpoldhütte und bei Hueck Folien in Pirk. "Die Leute sind nicht blöd, sie durchschauen die verlogene Argumentation der Arbeitgeber und wollen zeigen, dass sie es langsam satt haben", sagt Ganss. Und Ott ergänzt: "Selbst aus Siemens-Kreisen hört man, dass, wenn 14 Prozent mehr gearbeitet würde, auch 14 Prozent mehr Arbeit benötigt würde - und wer hat denn die bei uns zurzeit?"

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