25.02.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Hat der Fasching die Amberger Konjunktur belebt? Gemischte Gefühle bei Wirten und Einzelhandel: "Die Bockbierzeit ist unser Fasching"

"Wir bringen die Wirtschaft erst in Schwung", büttnert der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Franz Wolf. In der Alaf-Metropole Köln lassen die Narren etwa dreimal so häufig die Kassen klingeln wie im Jahresdurchschnitt. Belebt der Fasching aber auch die Amberger Konjunktur?

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Mit einem frostigen "Njet" weist "diese lustige These" der Vorsitzende der Amberger Park- und Werbegemeinschaft, Andreas Raab, zurück. "Man sagt zwar, man wird aktiver, wenn man lustig ist, aber das gilt scheinbar nicht unbedingt für den Amberger." Der mache zwar schon ein wenig mit beim Faschingstreiben, aber zum Konjukturbeleber würde der Karneval dadurch noch lange nicht. "Beim Bayern ist's wurst, ob es Frühjahr oder Sommer ist, der ist immer lustig, wenn er sein Bier hat."

Bruckmüller-Wirt Sepp Forster ist sich nicht sicher, ob der Fasching in Amberg deswegen eher mau verläuft, weil den Oberpfälzern die rheinische Frohnatur fehlt, oder weil das Angebot nicht gerade berauschend ist: "Der 03er Ball war so erfolgreich, dass mich das dazu ermutigt, nächstes Jahr auch Weiberfasching und Rosenmontag für Veranstaltungen ins Auge zu fassen." Wenn man allerdings die gesamte Faschingszeit von November bis jetzt als Maßstab anlegen wollte, dann ist Forster heilfroh, dass sie vorbei ist: "Des is für uns Wirte die staade Zeit. Der eigentliche Oberpfälzer Fasching ist der Bockbieranstich am kommenden Samstag."

Feierlaune kaputt gemacht

Wolfgang Beringer, Wirt im Killy Willy, kann sich dagegen nicht beklagen: "An Weiberfasching und Rosenmontag waren wahnsinnig viel Leute unterwegs. Nur der Samstag war nicht der Bringer." Da hätten die Narren wohl ihren Rausch ausschlafen müssen. Selbst am Faschingsdienstag hatte er ab 10 Uhr offen und bereits nachmittags eine volle Bude: "Noch mehr war nur los, als der Nordbayerische Faschingszug vor ein paar Jahren durch Amberg zog." Geärgert hat den bayerischen Irland-Fan nur der Vandalismus in der Nacht von Montag auf Dienstag: "Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die eine tote Stadt haben wollen. Ein paar Wenige machen die ganze Feierlaune kaputt."

Schloderer-Boss Wolfgang Trautner blickt auf ein "sehr gutes Faschingswochenende" zurück: "Das hat bei uns schon Tradition. Wir haben mit minimalem Aufwand maximalen Erfolg." Höhepunkte waren auch bei ihm der Weiberfasching am Donnerstag und der Rosenmontag. Am kommenden Samstag geht's gleich weiter mit Bockbieranstich und bayerischem Pop: "Wir verlängern den Fasching um eine Woche."

Für das ACC stellt die närrische Zeit einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar: Angefangen beim Bürger- und Polizeiball über den Handwerkerball und der Nacht der Gastronomie bis zum Kinderfasching der Narrhalla Haselmühl - alle Veranstaltungen waren mit etwa 450 Besuchern ausverkauft.

Pavillon am Marktplatz

"Kein großes Zusatzgeschäft" konnte dagegen Colomba-Betreiber Ludwig Dirscherl generieren: "Es waren schon mehr Leute unterwegs und der Pavillon am Marktplatz hat sich auch rentiert, aber die meisten waren halt auf dem Tunten- oder den 03er-Ball." "Fasching tut sich bei uns gar nichts", resümiert Kummert-Wirt Bernd Kraus. "Wir sind tanzmäßig gar nicht dafür ausgelegt." Ein paar Privatveranstaltungen, ansonsten ging die fünfte Jahreszeit spurlos an Kraus vorbei. "Die Bockbierzeit ist unser Fasching."

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