09.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Göttliche Komödie auf der Vils: Inszenierung am Vorabend des Altstadtfestes - Neue Ideen zum ...: Der Fluss, der Tod und das Fest

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Stellen Sie sich vor, eine Stadt besitzt ein Filetstück am Fluss so schön wie Klein-Venedig - und keiner merkt es! Anstelle mediterraner Freiluft-Cafés und flanierender Nachtschwärmer zeigt die Schiffgasse eine trostlose Fassade: leer stehende Geschäfte, hochgeklappte Bürgersteige nach Ladenschluss. Einige Altstadtliebhaber möchten jetzt den Blick auf dieses Idyll verändern.

Ein Altstadtfest hat mehrere Funktionen: Zuallererst ist es ein Fest von und für alle Bürger. In zweiter Linie, wie der Name schon sagt, findet es nicht auf der grünen Wiese, sondern in der Altstadt statt - und feiert somit auch die herrliche Kulisse, innerhalb derer es stattfindet. Die Idee der Arbeitsgemeinschaft Platzbetreiber (die AZ berichtete): Die Festgäste sollen die ganze Altstadt erleben und nicht nur zwischen Marktplatz und Malteser auf und ab laufen.

Das Figurenkabinett

Der Markt regelt das Geschäft, glaubt die Betriebswirtschaftslehre. Wir glauben: Mit künstlerischem Marketing müsste sich auch einiges bewegen lassen - auch Menschen. Deshalb haben wir in Ambergs Schulen einen Wettbewerb ausgelobt: Im Gregor-Mendel-Gymnasium und der Praktikumsklasse der Ammersrichter Hauptschule entstehen derzeit an die zehn überlebensgroße Figuren mit historischem Bezug zu Amberg. Verteilt über alle Festplätze warten die Denkmäler auf kluge Köpfe, die ihre Geschichte enträtseln: Wer die Namen aller Figuren entschlüsselt, dem winken attraktive Preise (mehr dazu in unserer großen Beilage "Amberg feiert" am 16. Juni). Noch bevor der Oberbürgermeister am Samstag den offiziellen Startschuss für das 30. Amberger Altstadtfest abfeuert, möchten wir die Aufmerksamkeit auf den Fluss lenken.

Am Freitagabend ab 22 Uhr, wenn auch die Mittsommernachtssonne endlich hinterm Horizont verschwunden ist, wird die Vils zur längsten bespielten Naturbühne Europas: Auf 260 Metern zwischen Stadtbrille und Martinssteg spielt sich vor den Augen des Premierenpublikums eine Zeitreise von der grauen germanischen Vorzeit bis zur prophetisch erdichteten Zukunft ab. Etwa 70 Akteure der Freudenberger Bühne, Winni Steinls Eleven, Laiendarsteller der Wasserwacht und verschiedener historischer Vereine erwecken sieben Epochen der Weltgeschichte zum Leben - alles natürlich synchronisiert in unsere Heimatsprache. Der Tod ist hier ein Fährmann aus Sulzbach, der mit einer jungen Frau auf dem Styx durch die Unterwelt rudert und Begegnungen der unheimlichen Art mit den Geistern der Vergangenheit heraufbeschwört. Und über allem thront eine göttliche Versammlung auf der Schiffsbrücke, die fassungslos das unterirdische Treiben verfolgt - lassen Sie sich für eineinhalb Stunden in eine Fantasiewelt mit kunstvollen Licht-, Ton-, und Filmeffekten entführen, die unter anderem von Andreas Raab, Video Donhauser und der FH Amberg realisiert werden. In der erwähnten Beilage sind die Details beschrieben.

Die AZ ist mittendrin

Neu am diesjährigen Altstadtfest ist auch das Engagement der Amberger Zeitung: Zum 30. Geburtstag des Festes und zum 50. Jubiläum der Fusion von Amberger Zeitung und Amberger Volkszeitung möchte die AZ ihren Lesern und allen Bürgern der Stadt ein adäquates Festival bieten: Als Initiator der Platzbetreiber AG, als Motor der Theaterinszenierung und schließlich mit einer "begehbaren Zeitung" am Malteserplatz.

Alles, was normalerweise in unserem Lokalteil stattfindet, können sie am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Juni in unserer Arena live erleben: Politische Debatten im AZ-Podium; Künstler, die vor Ort das Festtreiben auf die Leinwand bannen; Schauspieler, die Kurzstücke aufführen; lebende Puppen, die durch ihre majestätische Langsamkeit verzaubern; ein Graffiti-Workshop mit fachlicher Anleitung; und natürlich kommt auch der Sport nicht zu kurz: Kosis internationales Kickerturnier stellt die EM in Portugal in den Schatten.

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