10.06.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

AOK-Direktor hält mittelfristig Beitrag von unter 14 Prozent für möglich: Amberg-Sulzbach ist ...: "Gesundheitsreform schlägt an"

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Gute Nachrichten aus der Gesundheitspolitik sind rar. Insofern stellt der Überschuss, den die AOK Bayern - mit 44 Prozent aller Versicherten Marktführer im Freistaat - erstmals seit Jahren erwirtschaftet hat, schon eine kleine Trendwende dar: "Wir hatten 2003 noch ein Defizit von 150 Millionen Euro", vergleicht Direktor Wolfgang Händlmeyer. "25 Millionen Euro auf der Habenseite ist schon eine ganz andere Situation."

Den Mikrokosmos in Amberg hält der hiesige AOK-Chef für eine "gute Kopie" der Gesamtsituation: "Unsere Direktion umfasst mit Amberg und Schwandorf sowohl etwas größere Städte, Industrieansiedlungen als auch ländliche Gebiete. Damit bilden wir Bayern ziemlich repräsentativ ab."

Vorzieheffekte

Als Gründe für den zehnprozentigen Kostenrückgang bei den Arztgebühren gab Händlmeyer "Vorzieheffekte aus dem letzten Quartal 2003" an, als noch viele Patienten ihren Zahnersatz in Auftrag gaben oder auch größere Mengen Arzneimittel orderten. Andererseits seien insgesamt deutlich weniger Patienten zum Arzt gegangen als im Vergleichsquartal 2003, was natürlich auch durch die Praxisgebühr mit beeinflusst worden sei.

"Die Sorge der Ärzte, dass die Patienten auf Kosten ihrer Gesundheit sparen würden, halte ich dennoch für unbegründet", bezweifelt Händlmeyer eine "Amerikanisierung" des Gesundheitssystems. "Das wäre auch nicht im ökonomischen Sinne der Krankenkassen oder der öffentlichen Hand, weil die Folgekosten verschleppter Krankheiten noch höher ausfallen würden." Auch wenn es jetzt noch zu früh für eine seriöse Prognose sei - "wir wissen nicht, wie sich die Patienten weiter verhalten" -, erwartet der AOK-Direktor eine nachhaltige Entlastung: "Die Gesundheitsreform schlägt an. Heuer wird sich zwar nichts mehr tun, aber für 2005 erwarte ich eine weitere Beitragssenkung." Mittelfristig plant Händlmeyer mit einer Stabilisierung der Beiträge bei unter 14 Prozent: "Ob wir das Ziel der Gesundheitsministerin von 13,6 Prozent erreichen können, muss man abwarten. Dieses Jahr werden wir ein Niveau von etwa 14,2 Prozent halten."

Wechsler werden weniger

Im Kurs bestätigt sieht sich der AOK-Vertreter auch von der gegenläufigen Kostenentwicklung bei den Betriebskrankenkassen und vor allem vom Rückgang abgeworbener Kunden: "Der Wechsel ist um 52 Prozent zurückgegangen. Ersatzkassen stellen derzeit keine Konkurrenz mehr da und vor allem die so genannten Billigkassen haben deutlich erhöhen müssen."

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