19.07.2017 - 16:20 Uhr
Oberpfalz

Hanna Regina Uber und Robert Diem stellen in Amberg aus: Kunst ist wie Atmen

Das Bildhauer-Ehepaar Hanna Regina Uber und Robert Diem präsentiert vom heutigen Donnerstag an seine Werke unter dem Titel "Position und Wandlung" in der Stadtgalerie Alte Feuerwache in Amberg.

Hanna Regina Uber und Robert Diem zeigen in der Stadtgalerie neue Arbeiten unter dem Titel "Position und Wandlung". Bild: Geiger
von Peter GeigerProfil

Bei der Ausstellungseröffnung (19.30 Uhr) wird eine von den beiden Künstlern gestaltete Video Performance zu sehen sein. Außerdem werden der Posaunist Max Wehner und die Tänzerin Cécile Wolfram die Gäste auf die Bildhauerarbeiten einstimmen. Zu sehen sind die Werke bis 3. September.

Sie präsentieren in Amberg rund 30 neue, meist figürliche Arbeiten. Was ist es, was Sie am menschlichen Körper so fasziniert?

Hanna Regina Uber: Als Bildhauer geben wir, mein Mann Robert Diem und ich, einem Körper Form, um der Wirklichkeit, die ja viel mehr umfasst als das Rationale und Benennbare, Ausdruck zu verleihen. Die menschliche Existenz hat auch in unserer von Wissenschaft geprägten Gegenwart nach wie vor Züge eines Mysteriums: Wir wissen nicht, was nach dem Tod kommt. Wir können auch keine letztgültigen Aussagen darüber treffen, ob das Universum endlich ist oder nicht. Das sind zwei große Unbekannte, die uns seit Anbeginn der Menschheit verunsichern. Diese Bedingtheit des Menschen und die damit verbundenen Konsequenzen für unser tägliches Leben sind aber verbal schwer zu fassen. Ein Dichter erschafft mit Worten Bilder - er kann einen Wald beschreiben und dabei dessen Kahlheit betonen, um damit die depressive Gemütslage einer Person zu verdeutlichen. Als Bildhauer verwenden wir keine Worte, wir weisen einem Körper durch die Gestaltung Bedeutung zu - eine komplexere Ausdrucksweise.

Die Ausstellung ist überschrieben mit dem Titel "Position und Wandlung": Die Beständigkeit Ihres Oeuvres beruht also auf der Veränderung?

Eine Skulptur markiert immer den Abschluss eines Prozesses, das Ende einer Entwicklung oder den Schritt hin zu einer Position. Wir befinden uns jedoch in einem ständigen Lernprozess. Für uns ist es wichtig, neue Techniken zu erlernen und neue Materialien zu erkunden. Dieses Spektrum ermöglicht eine große Freiheit in der Umsetzung der Ideen und Visionen. Somit entwickelt sich auch unsere Formsprache stetig weiter.

Gibt es im künstlerischen Zusammenwirken des Ehepaars Uber/Diem eine klare Rollenverteilung?

In den letzten dreißig Jahren ist eigentlich kein Tag vergangen, an dem ich mich nicht mit meiner Kunst befasst hätte. Und dabei entstehen Skulpturen, Grafiken, Videos und Entwürfe für den öffentlichen Raum. Robert begleitet diesen Prozess. Er reflektiert, er gibt Anregungen und er spart auch nicht mit Kritik. Zudem sorgt er mit seinen handwerklichen Fähigkeiten und seinem Wissen über die unterschiedlichsten Materialien dafür, dass die Arbeiten für den öffentlichen Raum hochwertig umgesetzt werden. Sei es als Bronzeguss oder mit Materialien wie Karbon, Edelstahl oder Stein.

Wer von der Kunst leben möchte, verschreibt sich ihr mit Haut und Haar. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeitszeiten aus?

Für mich als Bildhauerin ist die Beschäftigung mit Kunst wie Atmen: Ich mach' es einfach! Da unsere Arbeiten recht aufwendig sind, viel Kraft und Zeit kosten, sind wir keine Müßiggänger. Jedoch sehe ich darin keinen Gegensatz zu einem bohemistischen Lebensentwurf. Durch das Leben als Künstler hinterfragt man den bürgerlichen Verhaltenskodex und übt so auch ganz selbstverständlich Gesellschaftskritik.

Sie bewohnen einen alten Pfarrhof in Aschach und nutzen diesen auch als Arbeitsort. Welche Art von Kraft und Energie beziehen Sie aus dieser ländlichen Umgebung?

Wir kommen beide ursprünglich aus Großstädten. Robert stammt aus Berlin, ich bin in Stuttgart aufgewachsen. Wir haben uns ganz bewusst für das Leben auf dem Land entschieden. In einer Großstadt ist man als Künstler viel stärker der Versuchung ausgesetzt, durch aufsehenerregende und mediengerechte Aktionen wahrgenommen zu werden. Auffallen um jeden Preis, das lässt die Arbeiten aber gern substanzlos werden. Wir dagegen bevorzugen eine kontemplative Atmosphäre zum Arbeiten.

Sie sind sehr präsent in der Region, mit dem Kunstwanderweg im Naturpark Hirschwald oder der Bürgerskulptur in Amberg. Welche Erlebnisse wollen Sie bei Ihrem Publikum auslösen?

Für uns darf ein Kunstwerk im öffentlichen Raum den Betrachter nicht dominieren. Es darf ihn auch nicht in eine Gefühlslage hineinzwingen. Es soll Platz sein, für eigene Deutungen und Assoziationen. Deshalb spielt für die Entwicklung des Kunstwerks der Ort, thematisch wie atmosphärisch, eine große Rolle. Jede Stadt und jedes Dorf hat seine eigene Identität und Historie. Daher ist die Oberpfalz mit ihren landschaftlichen und kulturgeschichtlichen Schätzen für uns sehr inspirierend.

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