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Von (ld)  |  24.03.2007  | Netzcode: 10990492  |  226 Mal gelesen.
Brand

Für Mitbürger blieben sie stets exotisch

Beziehung des Künstlerehepaars Blanche und Henri Marteau zu Max Reger Thema einer musikalischen Lesung

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Am Sonntag steht die Freundschaft zwischen Max Reger und Henri Marteau im Mittelpunkt einer musikalischen Lesung im Mehrzwecksaal. Reger wohnte mit seinen Eltern nur ein Jahr in Brand, bis sein Vater nach Weiden versetzt wurde.

Marteau war bereits mit seiner zweiten Frau Blanche verheiratet, als er sein Haus 1910 in Lichtenberg baute. Deshalb ist sein Verhältnis zu dieser Kleinstadt ganz anders geartet. Zu dieser Zeit hatte Marteau bereits Weltruhm erlangt.

Heirat nach Affäre



1902 hatte Blanche Hirsekorn, Marteaus Schülerin und spätere Frau, den Geiger kennen gelernt. Nach einer Affäre mit ihr heiratete er sie 1910. Mit Georg Hüttner, dem in Dortmund wirkenden Musikdirektor aus Schwarzenbach, kamen beide nach Lichtenberg, fanden Gefallen an der Gegend und bauten sich hier eine Villa, die sie 1913 bezogen.

Für die damals 870 Einwohner von Lichtenberg war dies alles staunenswert. Hier das Leben der Kleinstädter und 400 Meter vom Stadtkern entfernt ein herrschaftlicher Sitz und die ganz anderen Lebensgewohnheiten der Besitzer. So blieben die Marteaus ein Leben lang "Exoten" für die Lichtenberger. Dennoch habe Henri Marteau das Seinige getan, um Ressentiments der Lichtenberger abzubauen und seine Familie zu integrieren, schreibt Professor Weiß über die Künstlerfamilie.

Marteau veranstaltete gleich im ersten Jahr seines Lebens in Lichtenberg ein Konzert zugunsten des Wiederaufbaus des zerstörten Burgfrieds der alten Burg derer von Waldenfels. Der Erfolg war so groß, dass im Jahr darauf gleich ein zweitägiges Musikfest in der Lichtenberger Turnhalle folgte. Es wurde zum sich alle Jahre wiederholenden Festival.

Nach Meinung des mittlerweile verstorbenen Professors Dr. Günther Weiß hat auch die weniger gute Beziehung Regers zu Frau Marteau zum Ende der Freundschaft zwischen Reger und Marteau beigetragen. Es könnte an Marteaus Trennung von seiner ersten Gattin liegen, die Reger gut kannte, vermutet er. Von Anfang an scheinen Aversionen gegen Blanche Marteau da gewesen zu sein, meint Weiß. "Sie beruhten allerdings auf Gegenseitigkeit. Verstärkt wurden diese Aversionen durch Elsa Reger. Cherchez la femme!" Als Reger am 11. Mai 1916 verstarb, war Marteau in die Kriegswirren geraten. Er war nach Reetz in Brandenburg gebracht worden. Der Tod Regers hat ihn sehr erschüttert. Ab 1917 lebte er unter Arrest wieder in Lichtenberg und verstarb dort 1934.

Elsa Reger hatte in den ersten Jahren nach dem Tod ihres Mannes kein leichtes Leben und geriet Mitte der 20er auf Grund der Geldentwertung auch in große finanzielle Nöte, ehe ihr Freunde wieder zu einem besseren Leben verhalfen.

"Herrin auf Lichtenberg"



Blanche Marteau war nach dem Tod ihres Mannes, wie Fritz Stein schreibt, "die Herrin auf Lichtenberg". 1938 ehelichte sie den Schmuckfabrikanten Herbert Schmidt aus Pforzheim, der 1944 als Soldat bei der Wehrmacht Opfer eines Luftangriffs wurde.

Professor Weiß lernte Blanche Marteau als Gymnasiast kennen; für einen musikbegeisterten Jungen ein unvergessliches Erlebnis. Er habe sie als außergewöhnliche Persönlichkeit in Erinnerung.

Mit 60 Jahren sei sie noch immer eine attraktive Erscheinung gewesen, habe Haus und Hof mit strenger Hand geführt und keinen Widerspruch geduldet. Wie eine Amazone sei sie am Steuer ihres schnittigen Mercedes-Cabriolets gesessen und "wirkte trotzdem unwirklich, wie ein Nachhall aus einer längst versunkenen Welt". Blanche Marteau verstarb 1977.

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