Prag/Waidhaus
Freie Fahrt für freie Tschechen
Nachbarland plant auf ausgewählten Autobahnen Tempo 160 statt bisher 130 - Auch Pilsener Strecke betroffen
Prag/Waidhaus. Tschechien steht mit ziemlicher Sicherheit eine grundlegende Änderung der Verkehrsvorschriften ins Haus: Die bisher zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen soll von 130 auf 160 Kilometer pro Stunde heraufgesetzt werden. Zumindest auf ausgewählten, neuen Streckenabschnitten.
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| Road to Prague: Wer sich auf den Weg in die tschechische Hauptstadt macht, darf auf der Autobahn jetzt schneller fahren. (Bild: dpa) |
Die Debatte um das Tempolimit ist ein alter Hut im Nachbarland. Wann immer es um die Verkehrsvorschriften ging, gab es aus dem Parlament Forderungen nach einer Lockerung von Tempo 130. Eine Mehrheit fand sich am Ende nie. Die Gegner argumentierten mit dem teilweise schlechten Zustand namentlich der wichtigsten tschechischen Autobahn, der D1 zwischen Prag und Brno (Brünn). Außerdem wachse nach internationalen Erfahrungen mit der Heraufsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auch das Risiko schwerer Unfälle.
Fahrer wollen Gas geben
Glaubt man den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage, dann wäre das bisherige Tempolimit für die Mehrheit der tschechischen Autofahrer genau richtig. Jüngere Verkehrsteilnehmer und Besitzer von PS-stärkeren Fahrzeugen wünschen sich dagegen Tempo 160. Und in der Praxis fahren sie auch längst so. Kontrollen der Polizei gibt es eher sporadisch, dann freilich zumeist in groß angekündigten Aktionen. Verkehrsminister Ales Rebcek dachte eigentlich sogar an eine völlige Freigabe der Höchstgeschwindigkeit oder an eine Richtgeschwindigkeit nach dem Beispiel Deutschlands. Jetzt will er sich aber zumindest für Tempo 160 stark machen. Offen ist bislang, wie das Anliegen umgesetzt werden soll. Denkbar wäre, das Tempolimit nur auf den erwähnten neuen Autobahnabschnitten zu erlauben.
Möglich ist es aber auch, generell Tempo 160 einzuführen und auf nicht so intakten Teilstrecken die Höchstgeschwindigkeit über Verkehrszeichen zu begrenzen. Dann würde freilich die Autobahn Prag-Brno zum Schilderwald; hinter jeder Auffahrt müssten 130er-Schilder aufgestellt werden. Freie Fahrt für freie Tschechen dürfte es nämlich speziell auf der D1 wegen ihres Zustands auf absehbare Zeit nicht geben. Eine Entscheidungshilfe in Sachen Tempolimit erhofft man sich in Prag von der Auswertung der erst im vergangenen Jahr in Kraft getretenen neuen Straßenverkehrsordnung. Seinerzeit war unter anderem ein Bußgeldkatalog nach Flensburger Muster eingeführt worden, der drastische Strafen auch für die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeiten auf Straßen und Autobahnen vorsieht.
Kontrollen Fehlanzeige
Die Tschechen hielten sich in den ersten Monaten sehr streng an das Tempolimit, aus Sorge vor Strafpunkten. Die Raser schlüpften freilich häufig genug durch - wegen der mangelnden Kontrollen. Die Polizei wird somit kaum wirklich gesicherte Ergebnisse vorlegen können. Den Befürwortern von Tempo 160 wird es recht sein.
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