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Von (bl)  |  13.01.2007  | Netzcode: 10964218  |  218 Mal gelesen.
Neunburg/Waldmünchen

Als "alter Hase" zurück ans Lehrerpult

Ehemaliger Realschul-Rektor springt mit 83 Jahren als Vertretung beim Deutschunterricht ein

Neunburg/Waldmünchen. (bl) Vor mehr als 19 Jahren kehrte er der Schule nach erfüllter Dienstzeit den Rücken und genoss sein Pensionärsdasein. Eine Notlage an der Waldmünchener Wirtschaftsschule hat Hermann Arnold im November dazu bewogen, noch einmal ans Lehrerpult zurückzukehren. Zwei Monate lang unterrichtete der 83-jährige ehemalige Rektor der Gregor-von-Scherr-Realschule Deutsch und war am Ende schon erstaunt, wie sehr sich Schule, Schüler und die eigene Stress-Toleranz verändert haben.

"Die zwei Monate haben mich doch stark hergenommen", räumt der 83-Jährige ein, in dessen Stimme keine Spur von Altersmüdigkeit mitschwingt. Die Schule habe sich unglaublich verändert. "Nichts dominiert den Unterricht so sehr wie die Kopiermaschine", berichtet der Lehrer. "Tag und Nacht" habe es ihn beschäftigt, für "seine" zwei achten und eine neunte Klasse geeignete Textvorlagen zu finden. "Zu meiner Zeit war nämlich noch aktiver sprachlicher Ausdruck gefragt, jetzt stehen fertige Texte zur Bearbeitung an".

Spontan eingesprungen



Dass sich die Lerninhalte so starkverändert haben, das hatte er sich nicht ausgemalt, als er im vergangenen Herbst spontan für eine erkrankte Lehrerin einsprang. Aus der Zeitung erfuhr der Rodinger von den Engpässen an der Schule, die von der zuständigen Regierung keinen Ersatz-Lehrer bekommen konnte. "Die Neuntklässler hätten dann im Februar ein Zwischenzeugnis ohne Deutschnote bekommen", folgert Arnold und malt die Folgen an die Wand: "Mit diesem Zeugnis hätten sich die Schüler dann bewerben müssen. Da kann man sich vorstellen, wie ein Personalchef entscheidet, wenn die Deutschnote fehlt". Unverantwortlich sei so etwas, dachte sich der Pensionär, dem es bei seinem Aushilfsjob gar nicht ums Geld ging.

Nein, nervös war der 83-Jährige nicht, als er schließlich telefonisch von der Schulleitung grünes Licht bekam und Anfang November ans Lehrerpult zurückkehrte. "Aber geschnauft hab' ich schon", erzählt der Pädagoge, der von 1946 bis 1987 im Schuldienst war, zuletzt 16 Jahre als Rektor der Gregor-von-Scherr-Realschule in Neunburg.

Überrascht hat den Deutschlehrer auf Zeit, wie unruhig so eine Klasse heutzutage ist. "Ich kann mich nicht wie vor 20 Jahren vor die Klasse stellen und Frontalunterricht machen. Da ist pädagogischer Sachverstand gefordert", meint der 83-Jährige angesichts von Schülern, die nach einer Viertelstunde einfach abschalten. Als "alter Hase" im Schulbetrieb habe er dann halt zwischendurch einen Witz erzählt - und die Schüler viel stärker als früher im Auge behalten.

Gehalt steht noch aus



Auf sein Gehalt allerdings wartet der 83-Jährige bislang vergeblich. Zwar hat er einen 17-seitigen Fragebogen ausgefüllt und einen Vertrag unterschrieben, aber wie viel Geld er für den Aushilfsjob bekommt und wann die Summe eintrifft, weiß er nicht. Nur, dass ihm die Pension gekürzt wird, falls er sich zu stark beruflich engagiert. "Wenn die Regierung so mit ihren Pensionären umspringt, dann verstehe ich schon, dass jeder in so einem Fall lieber ,Nein danke' sagt".

Auch wenn der passionierte Pädagoge die interessante Erfahrung der vergangenen zwei Monate nicht missen möchte, ist er doch erleichtert, dass seine "Schulzeit" jetzt um ist, weil endlich eine junge Vertretungslehrerin für die Waldmünchener Wirtschaftsschule gefunden wurde. Vor allem der "psychische Stress" habe ihm dann doch stärker als erwartet zu schaffen gemacht, sagt Arnold, "und mit 83 Jahren ist man halt nicht mehr 40".


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