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Von Wilhelm Amann  |  11.11.2006  | Netzcode: 10943305  |  193 Mal gelesen.
Schwandorf/Alpine

Bier und Bratwürstl für Texaner

Ein Oberpfälzer in Amerika: Harald Mois betreibt Brauerei, Hotel und Restaurant

Schwandorf/Alpine. Das mögen die Amerikaner: Bier, Bratwürstl und Brezen a la Bavaria! Ein echter Bayer kann ihnen das bieten. Harald Mois (45), aus dem Schwandorfer Stadtteil Ettmannsdorf stammend, bedient solche Wünsche. Er betreibt im texanischen Alpine eine so genannte Mikro-Brauerei mit Restaurant und Hotel. Zu seinem Programm gehört auch ein "Oktoberfest", das sogar seine Freunde aus der alten Heimat gerne besuchen.

Harald Mois lebt seit sieben Jahren in Alpine, einem 3500 Einwohner und 3000 Studenten der "Texas University" zählenden Ort in Texas. Der 45-Jährige, der in Schwandorf den Beruf des Brauers erlernt hatte, wagte dort im Februar 2005 den Schritt in die Selbständigkeit. Hotelier, Restaurant-Besitzer und Brauerei-Inhaber ist er seither in Personalunion. Ihm gehören im Ortszentrum die "Edelweiss-Brewery" und das historische "Holland-Hotel" mit Speiselokal; rund 20 Beschäftigte arbeiten für ihn. Vier Biersorten stellt "Harry", wie ihn seine Freunde auch schon in Schwandorf nannten, in der laut Werbeslogan "kleinsten und am höchsten gelegenen Brauerei in Texas" (1400 Meter Höhe, ganz in der Nähe der Grenze zu Mexiko) her. Helles, Dunkles, Märzen und saisonal Spezial, worunter so etwas wie Kölsch oder Fruchtbier zu verstehen wäre. Das Hotel bietet momentan 30 Übernachtungsgästen Platz und soll noch erweitert werden, ins Restaurant mit Nebenraum passen bis zu 120 Besucher. Frühstück gibt es zwischen 7 und 11 Uhr, den ganzen Rest des Tages bis Mitternacht sind Brotzeiten wie warme Gerichte - darunter Rouladen mit Knödel oder Pfälzer mit Kraut - zu haben. "Es läuft gut", lässt uns Harald Mois wissen und macht einen recht zufriedenen Eindruck.

Dass es für ihn wirklich gut läuft in Texas, wissen auch etliche seiner treuen Kumpel aus Schwandorf. Zum Beispiel Alois Lang, der Mois seit 20 Jahren vom Motorradfahren her kennt (. . . sie gründeten miteinander die "Boxer-Freunde" beim Haller-Wirt in Oder bei Steinberg. . . ), und dessen Frau Claudia, die erst vor wenigen Tagen von ihrer dritten Besuchsreise zurückkehrten. Der Anlass für ihren Flug über den großen Teich war das zweite "Oktoberfest", das Harald Mois in Alpine veranstaltete.

Die Beiden wissen von erlebnisreichen Tagen zu erzählen. Zum Beispiel von einem neuartigen Brauer-Festival, das einen Tag vor dem Oktoberfest im Freien über die Bühne ging und fünf Inhaber ähnlich großer Brauereien aus dem "Umkreis" - ihre Anreise dauerte zwischen vier und acht Stunden - zusammenführte. Diverse Biere gab es da zu probieren, ein Country-Duo spielte auf. Genauso wie ein weiteres Schwandorfer Paar halfen die Langs beim Würstlgrillen.

Fast wie in Bayern



Es schloss sich bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad das dreitägige Oktoberfest an, das es heuer nach 2005 bereits zum zweiten Mal in Alpine gab. So ähnlich wie eine Kirwa hierzulande muss man es sich vorstellen, berichtet uns Alois Lang: Frisches, nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebrautes Bier gab's, dazu Schnitzel, gegrillte Forellen, gemischten Braten, Käse mit Brezen, Leberkäs, Knacker und Schwammerl-Brühe. Zur Unterhaltung spielte eine von fünf Musiklehrern aus dem Ort gebildete "Volksmusik-Gruppe" Polkas und Bayrische. Zum Unterhaltungsprogramm gehörte ein Wettbewerb im Maßkrugstemmen. Die vielen Einheimischen, die kamen, fanden ihren Spaß daran, auch der ganzen "Schwandorfer Kolonie" gefiel es.

Damit dieses kulinarische Angebot zustande kommt, nimmt Harald Mois weite Wege in Kauf. Er suchte sich zum Beispiel im Nachbarstaat Wisconsin einen deutschstämmigen Metzger, der ihm die benötigten Fleisch- und Wurstwaren liefern kann. Um sie zu besorgen, muss er selber jedes Mal dreieinhalb Stunden nach El Paso fahren und seine Bestellungen abholen. Nicht nur bei Speis und Trank: Auch andere bayerische Gepflogenheiten hält Harald Mois hoch. In seinem Lokal rief er beispielsweise einen "Beer-Mug-Club", einen rund 150 Zugehörige zählenden Bierkrug-Stammtisch, ins Leben. Übrigens: Betrunkene soll es in seinem Lokal so gut wie nie geben. Da schiebt der US-Bundesstaat Texas einen Riegel vor. Er erlaubt es zwar, nach 12 Uhr öffentlich Bier zu trinken. Aber wer wirklich mal über die Stränge schlägt, muss sofort mit einer Anzeige rechnen - weil er dadurch öffentliches Ärgernis erregt.


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