Bad Alexandersbad
Die eigene Geschichte "entlügen"
Seliger-Gemeinde ehrt MdB Renate Schmidt mit Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis
Bad Alexandersbad. (iv) Mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis ehrte die Seliger-Gemeinde am Freitagabend im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Bad Alexandersbad die Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt. Zu der Versammlung der Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten waren Mitglieder aus dem In- und Ausland angereist.
Nach Grußworten von MdB Petra Ernstberger und MdL Christof Rabensteiner verwies Bundesvorsitzender Albrecht Schläger in seiner Laudatio auf die Tatsache, dass in diesem Jahr vierzig Jahre seit dem Tode des letzten Vorsitzenden der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik und Mitbegründer der Seliger-Gemeinde, Dr. h.c. Wenzel Jaksch vergangen seien. Jaksch habe nicht nur während seines gesamten politischen Lebens für ein gerechtes Nebeneinander von Tschechen und Deutschen und gegen die Vertreibung seiner Landsleute gekämpft, sondern auch große Leistungen bei der Eingliederung der Vertriebenen und als Abgeordneter im Bundestag vollbracht.Einstimmige Wahl
Seit dem Jahre 1968 werde alljährlich der Wenzel-Jaksch-Preis an bedeutende sozialdemokratische Persönlichkeiten verliehen, fuhr Schläger fort. Zur diesjährigen Preisträgerin habe die Jury einstimmig die verdiente ehemalige Bundesministerin, vormalige Vorsitzende der Bayern-SPD und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Renate Schmidt bestimmt.
Ausführlich beschäftigte sich Schläger mit dem Lebenslauf und den Verdiensten von Renate Schmidt. In ihrer Familie, in ihrem Beruf, als Abgeordnete und Ministerin habe sie die von ihr vertretenen Grundsätze vorgelebt "und damit unser Land ein gutes Stück weiter gebracht". Der Bundesvorsitzende dankte Renate Schmidt im Namen der Seliger-Gemeinde für deren außerordentliche Leistungen und überreichte ihr zusammen mit dem gleichberechtigten Vorstandsmitglied, Dr. jur. Helmut A. Eikam, die Verleihungsurkunde, einen Blumenstrauß sowie ein Bild zum Thema "100 Jahre SPD in Bayern", auf dem die Preisträgerin mit dem ehemaligen Landesvorsitzenden Georg von Vollmer (fast lebensgroß) zu sehen ist.
"Ich danke ganz herzlich für die Verleihung des Wenzel-Jaksch-Preises der Seliger-Gemeinde", freute sich Renate Schmidt. Sie sei stolz darauf, nicht zuletzt, weil sie sich in einer Reihe sehr illustrer Preisträger befinde.
Wahrheit macht frei
Renate Schmidt nahm im weiteren Verlauf ihrer Dankrede auch zum Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen Stellung. Sie zitierte hier einen ihrer Vorgänger, nämlich Klaus Hänsch, der gesagt habe: "Wir alle in Europa müssen unsere Geschichte entlügen. Dies tut manchmal weh, aber erst die Wahrheit macht uns frei für die Zukunft." Zu diesem "Entlügen", so Renate Schmidt weiter, gehöre die Anerkennung der Tatsache, "dass die unbeschreiblichen Greuel, welche die Nazis über Tschechien gebracht haben, wesentliche Ursache für die Vertreibung waren". Für die tschechischen Mitbürgerinnen und Mitbürger bedeute dieses "Entlügen der eigenen Geschichte", dass ein Unrecht so groß es auch gewesen sein mag, kein anderes Unrecht, die Vertreibung rechtfertige.
Die SPD-Politikerin sprach sich auch für ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin aus, wenn es in einem europäischen Kontext eingebettet sei. Es könne zu einem Ort der Aussöhnung werden. Renate Schmidt dankte abschließend nochmals für den Preis und betonte, dass dieser weiter eine Verpflichtung sei, gegen Rechtsradikalismus und geschichtliche Einäugigkeit, für Verständigung und geschichtliche Wahrheit einzutreten.
Musikalisch gestaltet haben die Preisverleihung die "Marktredwitzer Blechbläser".
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