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Von Uli Piehler  |  20.10.2006  | Netzcode: 10935400  |  121 Mal gelesen.
Hof

Vom Wohltäter zum Angeklagten

Karl Gerhard Schmidt vor zerstörtem Lebenswerk

Hof. Der 18. November hat Karl Gerhard Schmidts Leben zerstört. Sohn Christian hatte geheiratet, sollte ihm in ein paar Monaten als Chef der traditionsreichen SchmidtBank nachfolgen. An jenem Donnerstag 1999 kam der 35-Jährige, in den der Ex-Bankier all seine Hoffnungen gesetzt hatte, während der Hochzeitsreise in Südafrika bei einem Autounfall ums Leben.

Karl Gerhard Schmidt
Wegen Betrugs und Untreue angeklagt: Karl Gerhard Schmidt (71), Gründer der SchmidtBank. (Bild: dpa)
Als der 71-Jährige wegen Betrugs und Untreue angeklagte Ex-Bankier am Donnerstag im Hofer Landgericht davon erzählt, kämpft er mit den Tränen. Es war wieder ein 18. November, genau zwei Jahre später, als ihn Vertreter der damals vier größten deutschen Banken (HypoVereinsbank, Commerzbank, Deutsche Bank und Dresdner Bank) aus seinem eigenen Büro warfen. An jenem Sonntag im Jahr 2001 musste Karl Gerhard Schmidt den Anteil von 65 Prozent an dem Unternehmen, dessen Wert wenige Tage zuvor noch im dreistelligen Millionenbereich lag, für den symbolischen Betrag von fünf Euro an das Konsortium abgeben.

"Das war ein Überfall"



Von einem "Überfall" spricht der ehemalige Bankchef, als er vor Gericht auf die letzte Stunde der 173 Jahre bestehenden Privatbank, seines Lebenswerkes, zurückblickt. Kulturschaffende und Politiker schätzten ihn als Mäzen und "Förderer der Region", Mittelständler aus Oberfranken und der Oberpfalz als letzten Notnagel, wenn ihnen keiner mehr einen Kredit geben wollte. Seine Promotion im Fach Betriebswirtschaft von 1958 trägt den bezeichnenden Titel "Die Eigenkapitalknappheit der nordostbayerischen mittelständischen Wirtschaft". Drei Wochen vor Abgabe der Doktorarbeit starb der Vater und er übernahm als 23-Jähriger die Geschäfte. Das Promotions-Thema hat ihn nie losgelassen und verfolgt ihn bis in den Gerichtssaal.

"Als ich rausgeworfen wurde, konnte ich nicht einmal meine Unterlagen mitnehmen", sagt er. Jetzt sitzt der "bekennende Hofer", wie er sich bei der Feststellung seiner Personalien nennt, auf der Anklagebank. 232-facher Betrug wird ihm vorgeworfen, weil er die Bankkunden, die zwischen 27. September und 18. November 2001 noch SchmidtBank-Aktien kauften, über die "desaströse Lage" des Instituts im Unklaren gelassen habe. Spätestens am 27. September hätte ihm nach einem Krisengespräch mit Vertretern des Bundesamtes für Kreditwesen klar sein müssen, dass die Bank am Ende sei, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Stattdessen habe er den Aktienverkauf forciert und billigend in Kauf genommen, dass die Anleger "einen völligen Wertverlust hinnehmen mussten". Auf mehr als 2,5 Millionen Euro summieren sich die Anlegergelder, die letztendlich verloren gingen. Bei der Verlesung der Anklageschrift zählte der Staatsanwalt eineinhalb Stunden lang jeden einzelnen Investor samt Einlage, Tageswert und Provision auf.

Alles im Griff



"Die Anklage ist ein Angriff gegen meine persönliche und meine berufliche Ehre", entgegnete Schmidt. Bis zuletzt sei er davon ausgegangen, die Bank zusammen mit seinem zweiten Sohn Karl Matthäus (37), der 1994 den Discount-Broker Consors gegründet hat, in eine erfolgreiche Zukunft führen zu können. Er selbst habe seinen Anteil an SchmidtBank-Aktien in den letzten Tagen verdoppelt, weswegen Verteidiger Peter Gauweiler (CSU-Bundestagsabgeordneter, bayerischer Ex-Umweltminister) der Argumentation der Anklage "Widersinnigkeit" bescheinigt.

Karl Gerhard Schmidt wird auch noch ein Fall von Untreue angelastet - gegen sein eigenes Unternehmen. Jetzt könnte sich rächen, dass er im Jahr 2000 offenbar dem Drängen der staatseigenen "LfA-Gesellschaft für Vermögensverwaltung" nachgab, und den Neun-Prozent-Anteil zurückkaufte, den die Landeswohnungsbaugesellschaft 1994 (bekannt von der LWS-Affäre) an der SchmidtBank erworben hatte. Um den Deal stemmen zu können, bewilligte der Bankchef einer von Sohn Karl Matthäus zum Zweck des Transfers gegründeten Firma einen Kredit von rund 31 Millionen Euro, ohne Sicherheiten zu verlangen. Mit dem Zusammenbruch der Bank verlor der zurückgekaufte Anteil seinen Wert - das Geld war kurz vor Torschluss noch in den Sand gesetzt.

56 Prozesstage



Schmidt hätte dieses Geschäft niemals eingefädelt, hätte er das Ende der Bank geahnt, argumentiert die Verteidigung. Heute will Schmidt weiter aussagen. Weil der 71-Jährige nach einem vor sieben Jahren erlittenen Herzinfarkt nur drei Stunden täglich verhandlungsfähig ist, hat das Gericht 56 Prozesstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor März 2007 erwartet

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