Von (upl) |
20.10.2006
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Hof
Ex-Bankchef weist alle Vorwürfe zurück
Karl Gerhard Schmidt wegen Betrugs und Untreue vor Gericht - Vorwurf: 232 Kleinanleger geprellt
Hof. (upl) Karl Gerhard Schmidt, der Chef der ehemaligen SchmidtBank, hat zum Auftakt des Betrugs- und Untreue-Prozesses gegen ihn alle Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich kam nicht im Entferntesten auf die Idee, dass der Fortbestand der SchmidtBank gefährdet ist", sagte der 71-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht Hof.
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| Ex-Staatsminister Peter Gauweiler (links) vertritt Karl Gerhard Schmidt (rechts) vor dem Landgericht Hof. (Bild: Piehler) |
Die SchmidtBank galt als eine der größten Privatbanken Deutschlands und unterhielt 140 Filialen in der Oberpfalz, in Franken, Thüringen und Sachsen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren geschäftsführenden Gesellschafter der SchmidtBank vor, dass er zwischen Ende September und November 2001 Aktien seiner Bank im Wert von 2,5 Millionen Euro als sichere Altersvorsorge an Kleinanleger verkauft habe, obwohl er bereits von der "desaströsen Schieflage" des Unternehmens gewusst habe.
Außerdem soll er einen unsicheren Kredit von über 30 Millionen Euro an eine Beteiligungsgesellschaft der SchmidtBank ausgezahlt haben. Schmidt ist des Betrugs in 232 Fällen und der Untreue in einem Fall angeklagt. Die 179 Jahre alte Privatbank existiert nicht mehr.
Im November 2001 steckte ein Konsortium deutscher Großbanken mehr als eine Milliarde Euro in eine Auffanggesellschaft. Im Februar 2004 hat die Commerzbank das Filialgeschäft übernommen. Ex-Staatsminister Peter Gauweiler verteidigt Schmidt. Schmidt sei bis Anfang November 2001 von der positiven Zukunft der SchmidtBank als regionaler Privatbank überzeugt gewesen, erklärte er. Der Prozess wird heute fortgesetzt.
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Der Niedergang der SchmidtBank
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| Consors-Gründer Karl Matthäus Schmidt. (Bild: dpa-Archiv) |
Die SchmidtBank mit Hauptsitz in Hof hatte sich die Förderung des Mittelstandes und des Handwerks auf die Fahnen geschrieben. Deshalb bestand auch der Großteil ihrer Kundschaft aus dieser Klientel. Das Bankhaus wurde 1828 von Christian Carl Matthäus Schmidt in Wunsiedel gegründet. Er betrieb damals einen Handel mit Kräutern. Das Geldgeschäft kam im Laufe der Jahre hinzu. Im Jahr 2000 wies das Privatbankhaus eine Jahresbilanzsumme von rund 13 Milliarden Mark aus.
In der Oberpfalz, in Franken, Sachsen und Thüringen betrieb die SchmidtBank insgesamt rund 140 Filialen. Beschäftigt waren im SchmidtBank- Konzern zuletzt mehr als 3500 Menschen. Der Geschäftsführende Gesellschafter Karl Gerhard Schmidt galt als großer Kunstmäzen. Sohn Karl Matthäus Schmidt gründete 1994 den Discount-Broker Consors, ein Unternehmen, das in Hoch- Zeiten der Börsen als Vorzeigeunternehmen galt und an dem die SchmidtBank 64,5 Prozent hielt.
Durch zu leichtfertig vergebene Kredite vor allem an Mittelständler und sinkende Aktienkurse an den Börsen geriet die Bank in Engpässe. Im Jahr 2001 setzte der Niedergang ein: Der "Spiegel" berichtete am 12. November, dass die Anteile an Consors überbewertet seien und es einen Wertberichtigungsbedarf von rund 400 Millionen Euro gebe. Sechs Tage später war die SchmidtBank am Ende. Eine Auffanggesellschaft von vier Großbanken musste letztlich mehr als eine Milliarde Euro aufbringen, um die Bank vorläufig weiterzuführen. Im Februar 2004 übernahm die Commerzbank das Filialgeschäft. (upl)
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