Friedenfels
"Burlei", der zahme Schoko-Hirsch
Ärger für Friedenfelser Baron: Die kapitale Jagdbeute aus Bulgarien war ein Zuchttier
Friedenfels. Er soll "Burlei" geheißen haben, zahm wie ein Lamm und versessen auf Schokolade gewesen sein: Der Weltrekord-Hirsch, den der aus Friedenfels (Kreis Tirschenreuth) stammende Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg geschossen hat. Das Tier stammte nicht aus freier Wildbahn, sondern aus einem Zuchtgehege.
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| Stolz präsentierte Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg im Dezember vergangenen Jahres das 16,6 Kilogramm schwere Geweih des Rekord-Hirschen. |
Freiherr von Gemmingen träumte offenbar lange Zeit davon, einmal einen richtig großen, wild lebenden "Recken" zu erlegen. Die Gelegenheit bot sich ihm scheinbar im August vergangenen Jahres. Der in Jägerkreisen bekannte serbische Tierfilmer Toma Ivanovic soll ihm erzählt haben, dass er in Bulgarien ein Revier namens Elen kenne, durch das ein Hirsch mit schon fast riesenhaften Ausmaßen streife. Er müsse sich nur mit dem Jagdreise-Veranstalter "Elen-Hunting" über Reise und Provision einigen.
In der Fachpresse gefeiert
Das tat der Chef der Friedenfelser Güterverwaltung umgehend, zahlte 65 000 Euro, schulterte sein Gewehr und brach Ende August gen Balkan auf. Am 1. September 2005 war der große Tag gekommen. Zur Mittagszeit lagen in dem gebirgigen Revier in der Nähe der Stadt Etropole von Gemmingen-Hornberg, ein Jagdführer und drei Kameramänner bereits den dritten Tag auf der Lauer. "Ich traute meinen Augen nicht: War das ein Hirsch. Riesenhaft im Wildkörper und mit einem unvorstellbarem Geweih", erzählte der Jäger aus der Oberpfalz später von dem Moment, als der Hirsch aus der Deckung trat. Er schoss einmal, das Tier taumelte und brach zusammen. Allein das Geweih des 37-Enders wog 16,6 Kilogramm. Der ganze Bulle brachte 300 Kilogramm auf die Waage. "So etwas Gewaltiges hatte ich noch nie gesehen", berichtete der Friedenfelser. Die Fachpresse von "Wild und Hund" bis "Jagen weltweit" feierte ihn als Erleger des stärksten wild lebenden Rothirschen aller Zeiten.
Doch in Wirklichkeit hatten die bulgarischen Verbindungsmänner Schindluder mit ihm getrieben. Das Tier, so stellte sich später durch DNA-Analysen des oberösterreichischen Landeskriminalamtes heraus, stammte aus einem Zuchtgehege in der Nähe von Braunau im Innviertel. In der Geweihbildungsphase im Frühling bekommen gezüchtete Rothirsche in der Regel hohe Gaben an Calcium, um größeres Volumen und eine optimale Aushärtung der Geweihe zu erreichen.
Über Umwege nach Elen
Journalisten des Nachrichtenmagazins Spiegel haben jetzt den Vorbesitzer des Weltrekord-Hirschen, Rudolf Pöttinger, ausgemacht. In einem Fernsehbeitrag von "Spiegel TV" gab Pöttinger am Sonntagabend bereitwillig Auskunft über den Hirschen: "Er hieß ,Burlei', war handzahm und ließ sich von Kindern mit Schokolade füttern." Der Österreicher hatte den Bullen im Sommer 2005 an einen Wildtierhändler aus der Steiermark verkauft - für 20 000 Euro. Unmittelbar danach soll ein anderer Viehhändler aus dem Burgenland den Hirschen für 25 000 erworben haben, von wo er über Umwege in das bulgarische Revier Elen gebracht wurde. Pöttinger, wie auch den Zwischenhändlern, könne kein krimineller Vorsatz nachgewiesen werden, hieß es von Seiten der Ermittler aus dem Nachbarland.
Verdächtiges Digitalfoto
Auf die Jagd nach Betrugs-Indizien ging Eberhard von Gemmingen-Hornberg im Frühjahr 2006, als auf einer ungarischen Internetseite ein Bild von einem Hirschen auftauchte, der das selbe Geweih wie sein vermeintlich wilder Weltrekord-Hirsch trug. Ein Futtertrog, ein Zaun und ein Holzverschlag auf dem Foto machten den Jäger stutzig - und nicht nur ihn. In den Internetforen der Jagdexperten herrschte alsbald Aufruhr. Der Friedenfelser schaltete die Polizei ein.
Eberhard von Gemmingen-Hornberg war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Ich wäre nie dorthin gefahren, wenn ich vermutet hätte, dass dort irgendwelche krummen Dinger laufen", sagte er in einem Interview mit der Jagdzeitschrift "Wild und Hund". Bei der Jagd sei ihm nichts aufgefallen. "Es war eine typische Jagd in einem gut geführten Revier." Ob er nun sein Geld zurück bekommt, steht in den Sternen. Immerhin hat die Tirschenreuther Polizei in einem anderen deutschen Bundesland den Tierfilmer ausfindig gemacht und vor 14 Tagen ein Ermittlungsersuchen an die Kollegen weiter geleitet.








































































