Amberg
Niedergang und Neuanfang Amberger Juden
Kreisheimatpfleger Dieter Dörner veröffentlicht zweites Buch - Erste Gottesdienste am 15. August 1945
Vor drei Jahren veröffentlichte Kreisheimatpfleger Dieter Dörner das Buch "Juden in Amberg - Juden in Bayern". Danach sprachen die Jüdische Gemeinde Amberg und die Universität Erlangen den Herausgeber, der auch Stadt- und Kulturführer ist, an, doch auch über die Anfänge der Nachkriegsgemeinde zu recherchieren. So entstand Dörners zweites Buch "Juden in Amberg - Niedergang und Neuanfang", das 234 Seiten stark und für 16,90 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Der Autor: "Da Namen wie Weinschenk, Godlewsky oder Zechermann noch vielen Ambergern in Erinnerung sind, wiederholt sich in der Neuauflage die Zeit von 1933 bis 1945, ergänzt mit durch Presse und Film berühmt gewordenen jüdischen Namen und deren Schicksalen."Zum Tode verurteilt
Zum Beispiel Leo Katzenberger. Er war Schuhfilialist in Nürnberg und der einzige Jude, der im Dritten Reich wegen angeblicher Rassenschande von einem Gericht zum Tode verurteilt wurde. Katzenberger wohnte nie in Amberg, doch ihm gehörte das Schuhgeschäft Springmann am Marktplatz, das von einer nichtjüdischen Angestellten geführt wurde. Gut sind vielen Ambergern laut Dörner auch die Juden der Vorkriegsgemeinde in Erinnerung. Wenig wisse man aber über die viel größere Zahl der jüdischen "Displaced Persons" der Nachkriegsgemeinde. Darunter versteht man alle nach dem Krieg verbliebenen Personen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Konzentrationslagerhäftlinge - insgesamt sieben bis acht Millionen Menschen, darunter etwa 80 000 Juden. Letztere waren vor allem Überlebende der Konzentrationslager.
Der Autor: "Die ersten befanden sich sicher schon vor der Besetzung Ambergs am 22. April 1945 zumindest im Landkreis." Es waren Juden der im Raum Schwarzenfeld/Schwandorf aufgelösten Todesmärsche vom Konzentrationslager Flossenbürg nach Dachau. Amberg hatte ein intaktes Lazarett, leerstehende oder geräumte Kasernen und eine zumindest baulich relativ intakte Synagoge. In ihr wurden bereits am 15. August 1945 die Gottesdienste wieder aufgenommen.
Synagoge erste Anlaufstelle
Für die Zeit von 1945 bis 1950 lassen sich etwa 500 in Amberg wohnende jüdische "Displaces Persons" nachweisen. Für alle war die Synagoge die erste Anlaufstelle. Männer und Frauen, die jüdisches Leben wieder erwecken wollten, ergriffen die Initiative, hielten Gottesdienste, gründeten eine Schule, schufen eine Gemeinschaftsküche und unterhielten einen Fußballklub. Rabbiner Dr. Natan Zanger war der Motor der Gemeinde.
Wie ging es weiter? Die Bestandsaufnahme des Buches endet 1950. Die meisten "Displaces Persons" wanderten aus, viele Junge zogen in Großstädte. Dörner: "Es war eine schleichende Dezimierung der Nachkriegsgemeinde. Sie war zum Zeitpunkt der Wende nicht mehr lebensfähig." Mit den so genannten Kontingentjuden aus den GUS-Staaten, heute etwa 200 in Amberg, kam neues Leben mit neuen Hoffnungen und neuen Problemen in die Gemeinde.
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