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Von (apz)  |  22.08.2006  | Netzcode: 10913650  |  323 Mal gelesen.
Wurz

Gute-Laune-Musik bei Traumwetter

"Saxofonquadrat" aus Berlin erfreut über 300 Besucher im alten Wurzer Pfarrgarten - Drei Zugaben

Bei strahlendem Sonnenschein begann das siebte Konzert des 19. Wurzer Sommers am Samstag und lockte über 300 Besucher in den idyllischen Pfarrgarten. Dort stellten sich erstmals die vier ungewöhnlichen Berliner Musiker des "Saxofonquadrats" mit einem klassischen bis jazzigen Musikprogramm vor, bei dem die Funken flogen.

Richtig gute Laune bescherten die hoch professionellen Musiker, und hatten für das Motto "Mit Mozart durch den Sommer" sogar ein Werk des Salzburgers einstudiert. Das Publikum, unter dem manch neues Gesicht zu entdecken war, staunte, lachte und wunderte sich. Viele wippten rhythmisch ihre Zehen im Gras - und als ein paar dunkle Regenwolken am Himmel auftauchten, vertrieben die virtuosen Saxofonisten mit ihrer ungeheuren Spiellaune auch diese.

Intensive Klangwelt



Schon allein die Optik war sehenswert: im Magnumformat das Baritonsaxophon von Ensembleleiter und Moderator Heinrich Beermann, das viele noch nie gesehen hatten. Schon eher bekannt waren die goldenen Klappenschönheiten in den Lagen Tenor, gespielt von Komponist Christian Raake, die Altlage von Clemens Arndt sowie kurz und gerade der Sopran und der noch höhere Sopranino von Clemens R. Hoffmann. Letzterer greift zwischendurch gern einmal mit Witz zum Grashalm.

Die intensive Klangwelt der Saxofone erwies sich durch ihre Resistenz gegen Störgeräusche von außen auch besonders gut tauglich für Freiluftkonzerte - und auch der Luftkampf mit Noten und Wäscheklammern blieb aus: Die Berliner spielten quasi alles auswendig, verteilten sich für einen "Kanon" auch im Garten und nutzten die schallende Überakustik des leeren Marstalles.

Wie vielseitig das um 1840 von Adolphe Sax erfundene, der Klarinette verwandte Instrument, das man meist aus Jazzkellern kennt, genutzt werden kann, machte das Quartett zunächst mit alter Musik deutlich: Ein englisches Lied und vier alte ungarische Tänze erstaunten. Und als die metallenen Schallröhren sogar noch holzfarbene Weichheit für den klassischen Teil mit bearbeiteten Fugen von Bach und Mozart annahmen, konnte man sich nur noch wundern. Sind Bearbeitungen zwar selten ideal, so begeisterten die virtuosen Bläser, denen kreuzende Linien schnellster und kleinster Figuren nur entgegenkommen, ihre Zuhörer restlos mit der erfrischenden Fassung altehrwürdiger Fugenkunst.

Jazz und Ragtimes



Das dritte Set setzte die Saxofone in den Rahmen, für den sie bestimmt sind: Jazz und Ragtimes von Scott Joplin und Charles Mingus passten nur zu gut in den Sommergarten. Auch die Bearbeitung von Piazzollas Tangos sprach die Hörer mit ihrer Farbigkeit und viel Sentiment an. Kunststückchen, Mätzchen und Tricks sorgten immer wieder für Lacher und bescherten manch neue Hörerfahrung.

Zu bestaunen war durchgehend die Meisterschaft der Bläser, alle Absolventen der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler, sowie ihre grenzenlose Spielleidenschaft und Fantasie, die besonders bei den für das Ensemble maßgeschneiderten Kompositionen Christian Raakes, dem "Teutonentanz" und "Quack", zu genießen waren. Von den drei Zugaben kamen besonders die explosiven Beispiele kubanischer Lebensfreude bestens an.

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