Amberg
Typisch deutsch: Die Blumenkästen
Zwei Lehrer aus China zu Gast in einer Amberger Familie: Spannende Einblicke in fremde Kulturen
Amberg. Am Ende flossen Tränen. Und natürlich reichte die Zeit nicht, um über alles zu plaudern, was Gäste und Gastgeber voneinander wissen wollten: "Ich fand's toll - aber zu kurz", fasst Beate Richter den Teil des Schüleraustauschs zwischen dem Gregor-Mendel-Gymnasium und der Furen High School/ China zusammen, den sie miterlebt hat - als Gastgeberin für die beiden chinesischen Lehrer.
Besucher aus aller Welt sind für Beate Richter nichts Ungewöhnliches: In ihrer Jugend waren die Türen ihres Elternhauses immer weit geöffnet für ausländische Gäste, erzählt die Ambergerin. Sie setzt diese "Tradition" jetzt fort - was dazu führte, dass die Richters eine Woche lang ein wirklich internationales Haus hatten. Neben den beiden Gästen aus Wuxi/China logierte dort zeitgleich auch noch eine GMG-Austauschschülerin aus dem griechischen Trikala.Spannender Alltag
Nicht nur Maria aus Griechenland fand dieses Miteinander "super interessant". Auch Beate Richter benutzt das Attribut "super", wenn sie von ihren Gästen erzählt - und von vielen interessanten Erkenntnissen über die andere Kultur, von Gemeinsamkeiten, aber auch von spannenden Unterschieden im alltäglichen Leben: Gerade dies lässt sich bei einem solchen Austausch ja wunderbar erleben und eröffnet Einblicke, die der normale Tourist nicht erhält.
Reichlich Gesprächsstoff bot etwa die Zusammenstellung und Zubereitung der Speisen: "Obwohl viele Zutaten gleich sind, ist doch der Geschmack völlig anders", so die Erkenntnis der Gastgeberin. So kannten Lehrerin Hong Xu und ihr Kollege Zhuangyan Pan alle Zutaten von Beate Richters Spaghetti à la Bolognese - doch in China entsteht daraus ein völlig anderes Gericht. Eigentlich isst man dort alles in gekochter oder gebratener Form: "Auch das Frühstück ist immer warm", erfuhr Beate Richter von den Lehrern - die sich aber trotzdem für die ihnen angebotenen Salate und frisches Obst begeisterten. Besonders die Süßkirschen der Region hätten die Gäste und ihre Gastfamilie "gleich kiloweise verspeist".
Keine Berührungsängste
Kulinarische Berührungsängste kannten die Besucher nicht, freut sich die Gastgeberin: "Alles wurde interessiert betrachtet und probiert - nur mit Käse konnten sich die beiden Gäste nicht recht anfreunden." Gerne nahmen die Chinesen die Einladung zu einer kompletten Hausbesichtigung an. Besonders interessant fanden sie dabei den Wasch-, Heizungs- und Aufbewahrungskeller: "Etwas Ähnliches gibt es in China wohl nicht", so Beate Richters Eindruck. Bei einem Stadtspaziergang bestaunten Hong Xu und Zhuangyan Pan die vielen Brot- und Wurstsorten und waren erstaunt über die Auswahl an asiatischen Lebensmitteln und Dekorationsartikeln in einem Asia-Laden. Mit Hilfe eines Stadtplans durchstreiften die beiden auch gern auf eigene Faust die Innenstadt, um sich selbst ein Bild vom Leben in Deutschland zu machen. Eine dabei gewonnene Erkenntnis: In China ist es nicht üblich, Fenster mit Blumenkästen zu schmücken - ein Anblick, der wie viele andere deshalb auch im Bild festgehalten wurde.
Grüne Überraschungen
"Mr. Pan", wie er wegen seines für deutsche Zungen doch sehr schwierigen Vornamens liebevoll genannt wurde, fielen auch ungemähte Grünflächen am Wegesrand auf. "Dass es tatsächlich weder eine moralische noch sonstige Verpflichtung zur Pflege dieser Rasenflächen gibt, manche sogar mit Absicht so bleiben, um eine naturnahe Wiese zu haben, überraschte die Gäste sehr", erzählt Beate Richter. In Wuxi sei immer jemand dafür verantwortlich, den Rasen zu schneiden - oder er tue dies aus ganz freien Stücken.
Die Ruhe genossen
Abends genossen die Lehrer die angenehme Kühle und Ruhe rund um ihr Domizil am Ammerthaler Weg, denn zu Hause in Wuxi kühlt es bei hoher Luftfeuchtigkeit auch nachts nie richtig ab. Gegen die Vier-Millionen-Stadt Wuxi sei Amberg "sehr ruhig", zitiert Beate Richter ihre Gäste: Das sei den beiden gleich aufgefallen. Trotzdem ließen es sich die Lehrer nicht nehmen, am ausgelassenen Treiben anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft im Club Habana teilzunehmen. "Dort erlebten sie wohl das erste Mal Deutsche ganz außer Rand und Band", schmunzelt die Gastgeberin.
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