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12.06.2006  | Netzcode: 10887845  |  78 Mal gelesen.
Nürnberg

Antisemiten klar im Abseits

1200 Menschen demonstrieren gegen Ahmadinedschad

Nürnberg. (dpa/AFP) Freunde Israels und deutsche Juden haben am Sonntag im Vorfeld des WM-Spiels Mexiko - Iran in Nürnberg gegen die Politik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad protestiert. Mehrere Redner forderten ein Einreiseverbot für den iranischen Staatschef. Sie erklärten, für Holocaust-Leugner gebe es keinen Platz in Deutschland.

Die rund 1200 Demonstranten hatten den Kundgebungsplatz im Westen der Nürnberger Altstadt in ein Meer aus weiß-blauen israelischen Fahnen getaucht. Auf Transparenten hieß es unter anderem "Die Rote Karte für Ahmadinedschad" und "Viva Israel - Es lebe die Freiheit". Der Protest verlief friedlich. Zu der Kundgebung hatten zahlreiche jüdische Organisationen aufgerufen, darunter auch die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg.

Nicht gegen die Fans



Innenminister Günther Beckstein (CSU) warb bei der Kundgebung für ein entschlossenes Vorgehen gegen Antisemitismus. "Führen wir in aller Deutlichkeit vor Augen, dass Bayern und Deutschland ebenso wie die gesamte westliche Welt fest an der Seite des Staates Israel und der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger stehen", sagte Beckstein. Dabei betonte er, der Protest richte sich nicht gegen das iranische Volk, sondern allein gegen die "unerträglichen verbalen Attacken" von Ahmadinedschad.

Weiter sagte Beckstein: "Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ahmadinedschad ist bei uns nicht willkommen. Allein sein Diplomatenpass wird ihn vor einer sofortigen Festnahme schützen." Mit seinem Leugnen des Holocausts und des Existenzrechts Israels stelle er sich außerhalb der zivilisierten Welt. "So sehr wir die iranischen Besucher und ihre Nationalelf willkommen heißen, so sehr müssen wir umgekehrt auch sagen, wie sehr wir Ahmadinedschad verachten", unterstrich der CSU-Politiker. Der Vorsitzende der Vereinigten Israel Aktion, Michel Friedman, sprach sich energisch für ein Einreiseverbot für Ahmadinedschad aus. Komme es dennoch zum Besuch, dürfe man mit ihm nicht anders verfahren werden wie mit einem Neonnazi, der die Vernichtung von Millionen von Juden während der Nazi-Zeit leugne. "Wir haben gelernt: Wehret den Anfängen, und Ahmadinedschad ist weit über die Anfänge hinausgangen. Deshalb dürfen wir dem Hitler des 21. Jahrhunderts nicht mit einem diplomatischen Schmusekurs begegnen", forderte Friedman.

Vizepräsident im Stadion



Schon der Deutschlandbesuch von Ahmadinedschads Stellvertreter, Mohammed Aliabadi (50), anlässlich der WM sei eine "Schande für Deutschland", hieß es. Zwar wurde Irans Vizepräsident am Sonntag zum Spiel seiner Mannschaft gegen Mexiko ins Nürnberger Franken-Stadion zugelassen. Deutsche Regierungsvertreter wollten jedoch nicht mit ihm sprechen. Wie jeder gewöhnliche Iraner musste Aliabadi vor der Einreise einen Visumantrag stellen. Und Regierungssprecher Thomas Steg legte ihm kaum kaschiert nahe, sich verbal zurückzuhalten: Steg äußerte bereits am Freitag die Erwartung, dass sich Aliabadi in Deutschland nicht zu politischen Themen auslässt.


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