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Von Thomas Amann  |  30.05.2006  | Netzcode: 10883102  |  81 Mal gelesen.
Amberg

Flucht vor dem Zorn des Diktators

Regimekritischer Cartoonist und Held von Weißrussland hofft in Amberg auf politisches Asyl

Amberg. Er ist mit Sicherheit der bekannteste Asylbewerber, den Amberg jemals hatte. In seiner Heimat Weißrussland gilt er als Held, weil er sich mit im Internet veröffentlichten satirischen Cartoons über den diktatorischen Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko lustig gemacht hatte und letzten Endes aus Furcht vor dessen Rache fliehen musste.

Die Geschichte von Oleg Minichs Flucht ist spannend wie ein Kriminalroman und wurde schon von mehreren Medien in Europa, unter anderem der ARD, berichtet. Jetzt ist der 42-jährige Hobby-Cartoonist zusammen mit seiner Ehefrau Galina im Zuge des Asylverfahrens in Amberg gelandet - zunächst das glückliche Ende seiner dramatischen Flucht vor einer mindestens fünfjährigen Gefängnisstrafe wegen Beleidigung des Staatspräsidenten. Die Minichs fühlen sich sicher hier, haben keine Furcht, dass die racheerfüllte Faust des weißrussischen Präsidenten und des nach ihren Aussagen mitinvolvierten KGB sie hier treffen könnte.

Doch nach mittlerweile fast vier Monaten in Deutschland ist das Glück im freien Westen von Enttäuschung getrübt. Oleg Minich und seine Frau wissen immer noch nicht, ob ihrem Antrag auf politisches Asyl stattgegeben wird. Das zuständige Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Zirndorf hat noch keine Entscheidung getroffen.

Das ist ein Zustand, den die Minichs nicht verstehen können. Dass so ein Verfahren mit den notwendigen Überprüfungen eine gewisse Zeit braucht, ist den beiden durchaus klar - allerdings sollte das nach ihrer Ansicht in einem Vierteljahr doch langsam erledigt sein. Die "Ungeduld" von Oleg Minich und seiner Frau hat natürlich einen Grund. Der Hobby-Cartoonist, der seine meist rund zweiminütigen Spott-Filme über die weißrussische Regierung und ihr Oberhaupt sehr professionell umsetzt - insgesamt 32 hat er bisher im Internet veröffentlicht -, würde gerne wieder arbeiten, und zwar uneingeschränkt. Das erlauben ihm derzeit nach eigener Auskunft die Auflagen des noch laufenden Asylverfahrens nicht. Minich darf weder arbeiten noch den Landkreis verlassen - dabei würde er gerne neue Kontakte in Deutschland und dem angrenzenden Ausland knüpfen, um einerseits in seinem Beruf als Computer-Programmierer und andererseits eben als Cartoonist weiter tätig sein zu können.

Vor allem aus seinem Heimatland erreichen ihn nach eigener Schilderung seit Wochen immer wieder Aufrufe und Bitten, doch weiterzumachen, auch vom "Exil" aus weiter freche Cartoons ins Internet zu stellen und so den Protest gegen den diktatorischen Präsidenten weiter zu unterstützen. Minich gilt mittlerweile als einer der Helden des Widerstands, der der Bewegung mit seinem Vorbild und seiner Arbeit Rückhalt gibt. Tatsächlich wurde seine Internetseite seit Beginn vor rund eineinhalb Jahren laut Zählwerk mittlerweile über 6,5 Millionen Mal angeschaut; in den vergangenen Monaten vor der erst Mitte März stattgefundenen Präsidenten-Neuwahl waren es teilweise bis zu 30 000 Besuche täglich.

Klar, dass Oleg Minich bei so viel Zuspruch seine Landsleute weiter unterstützten, sie nicht im Stich lassen und möglichst schnell weiter veröffentlichen will. Das kann er wohl nur, wenn sein Asylverfahren schnell abgeschlossen und er ohne Einschränkungen als politisch Verfolgter mit Aufenthalts- und Arbeitsrecht anerkannt wird. Das ist Minichs dringender Wunsch an die deutschen Behörden und auch an die Politik (siehe Kasten).


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