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Von (dih)  |  01.04.2006  | Netzcode: 10861906  |  517 Mal gelesen.
Marktredwitz

Nerven schonendes und präzises Arbeiten

Neues Spezialmikroskop am Klinikum erleichtert Operationen bei Prostatakrebs

Marktredwitz. (dih) Das Klinikum Fichtelgebirge setzt weiter auf Innovation. Seit Ende Dezember wird in der Urologischen Klinik eine technische Neuheit, ein "head-mounted microscope" (Varioscop M 5) bei allen großen Prostatakrebsoperationen eingesetzt. Mit Hilfe dieses kopfgetragenen Operationsmikroskops wurden inzwischen 25 Patienten besonders Schließmuskel und Nerven schonend operiert.

Die Urologie im Klinikum Fichtelgebirge ist damit die erste urologische Klinik in Deutschland, die diese technische Innovation bei der Prostatakrebsoperation routinemäßig einsetzt, so Dr. Wolfgang Schafhauser in einem Pressegespräch. Das am Kopf getragene miniaturisierte Operationsmikroskop lässt (stufenlos per Fußschalter) eine 2,9- bis siebenfache Vergrößerung zu.

Laut Dr. Schafhauser kann der Arbeitsabstand stufenlos zwischen 30 und 70 Zentimetern frei gewählt werden, so dass der Operateur in seiner Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. "Durch eine integrierte Lichtquelle hat der Operateur außerdem ein jederzeit taghell und schattenfrei ausgeleuchtetes Operationsfeld, was die Erkennung und Schonung wichtiger Strukturen sehr stark erleichtert." Auf die Frage, warum die hohe optische Auflösung und Vergrößerung gerade bei der Prostatakrebsoperation so wichtig ist, antwortet der Urologe: "Die Prostata liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Harnröhrenschließmuskel und zu den Erektionsnerven. Gleichzeitig ist die Prostatakapsel in diesem Bereich sehr dünn und kann innen schon vom Tumor befallen sein." Um Inkontinenz und Impotenz sowie das Zurücklassen von Tumoren möglichst sicher vermeiden zu können, müsse in dieser Region mit einer Präzision im Bereich von einem Millimeter gearbeitet werden.

Durch ein ausgeklügeltes optisches Linsensystem bekomme man ein "kristallklares, dreidimensionales Bild mit außergewöhnlicher Schärfe". Operationsmikroskope gibt es schon seit Jahren, doch warum wurden diese bislang bei der Prostataoperation nicht verwendet? Dr. Schafhauser: Die bisherigen Operationsmikroskope sind sehr große sperrige Instrumente, die einem normalen Tischmikroskop vergleichbar sind und zwischen Operateur und Operationsfeld aufgebaut werden müssen. Das neue Operationsmikroskop werde sozusagen in Helmform auf dem Kopf getragen "und der Einsatz ist dem einer Brille vergleichbar". Freilich erfordere das Arbeiten mit dem kopfgetragenen Mikroskop eine Gewöhnungsphase. Laut Dr. Schafhauser führt längeres Arbeiten mit dieser stark vergrößernden Sehhilfe zu leichter Übelkeit, Kopf- und Nackenschmerzen und ist sehr anstrengend. "Doch man gewöhnt sich rasch an seinen neuen, stark erweiterten Gesichtssinn." 25 Patienten wurden bereits mit der neuen Methode operiert. Und diese hätten wesentlich schneller wieder die Kontrolle über die Harnblase erreicht. Gekostet hat das Varioskop M 5 rund 30 000 Euro.

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