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Von (upl)  |  07.02.2006  | Netzcode: 10827334  |  306 Mal gelesen.
Amberg/Weiden

Bauernverband will Tests abwarten

Bezirkspräsident Franz Kustner für "Ko-Existenz" beim Gen-Mais-Anbau - Saatguthersteller sollen haften

Amberg/Weiden. (upl) Der Oberpfälzer Bauernverbandspräsident Franz Kustner plädiert im Streit um den Anbau von Gen-Mais für mehr Sachlichkeit . "Stimmungsmache hilft uns jetzt nicht weiter", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Anbau auf 100 Quadratmetern Grund der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Almesbach bei Weiden befürwortet er.

Kustner
Ein Bett im Maisfeld für Franz Kustner: Der BBV-Bezirkspräsident wirbt für mehr Sachlichkeit im Gen-Mais-Streit. (Bildmontage. Originale: dpa/Unger)
"Wir sollten abwarten, was solche Tests bringen." Wie berichtet, sollen in Almesbach ab Ende April die Eigenschaften einer Maissorte untersucht werden, die das so genannte "Bt-Toxin" selbst produziert kann und dadurch gegen den Maiszünsler, einen Insektenschädling, resistent ist. "Die Landesanstalt macht das gut", sagt Kustner, der die Region als CSU-Abgeordneter im bayerischen Landtag vertritt.

"Die Versuchsflächen sind klein parzelliert, benachbarte Maisäcker sind weiter weg, als die Gen-Mais-Pollen fliegen können." Durch die staatlichen Versuche erhielten die Landwirte und auch die Verbraucher einen "neutralen Zugang" zu allen relevanten Informationen. "Wir können noch nicht sagen was letztendlich herauskommt", mahnt Kustner zur Geduld.

Er könne sich durchaus vorstellen, dass der Anbau eines Maises, der von sich aus gegen den Maiszünsler resistent ist, umweltfreundlicher sei, als etwa der chemische Kampf gegen den Schädling. "Da bin ich gespannt was rauskommt. Das möchte ich wissen", sagt der Politiker, der in Ehenfeld bei Hirschau (Kreis Amberg-Sulzbach) selbst einen Hof betreibt.

Allerdings rät er seinen Berufskollegen zur Zeit noch ab, Gen-Mais anzubauen. Er verweist auf ein "dreijähriges Memorandum", auf das sich der Bayerische Bauernverband (BBV) festgelegt habe. Drei Jahre lang sollen die staatlichen Versuche noch abgewartet werden, heißt es darin. In dieser Zeit, so hofft Kustner, werde wohl auch die Haftungsfrage für etwaige Schäden, die durch den Gen-Mais-Anbau entstehen, geklärt.

Strafzahlungen drohen



Bislang gelte hier eine gesamtschuldnerische Haftung von Saatgutherstellern, Landwirten und Verarbeitern. "Dieses Risiko muss beim Hersteller liegen", fordert der Bauern-Vertreter und drückt aufs Tempo: Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) müsse das deutsche Gentechnik-Gesetz in den nächsten Wochen an das EU-Recht anpassen. Deutschland drohen andernfalls Strafzahlungen von rund 800 000 Euro pro Tag.

Langfristig setzt der BBV auf eine "Ko-Existenz" zwischen konventionellen und gentechnisch veränderten Sorten. "So lange man unterscheiden kann, ist das in Ordnung", sagt Kustner. Er plädiert mit Nachdruck für eine Kennzeichnungspflicht. Und auch den Initiativen für "gentechnikfreie Zonen" zeigt er sich nicht abgeneigt. "Der Bauernverband unterstützt das auf lokaler Ebene", sagt er.

Der bayerische Landwirtschaftminister Josef Miller (CSU) hatte der Forderung von Grünen und SPD vergangene Woche im Landtag eine Absage erteilt, den ganzen Freistaat Bayern zur "gentechnikfreien Zone" zu erklären. Aufgrund geltenden EU-Rechts gehe es beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht mehr um das "Ob", sondern nur noch um das "Wie", hatte der Minister erklärt.

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