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Von (upl/rg)  |  20.01.2006  | Netzcode: 10819788  |  278 Mal gelesen.
Weiden

Gen-Versuch auf dem Greuthacker

In Almesbach soll heuer gentechnisch veränderter Mais auf Insektenresistenz getestet werden

Weiden. (upl/rg) Die Gen-Mais-Welle schwappt auf die nördliche Oberpfalz über. Nachdem vor vier Jahren in der Nähe von Donaustauf (Kreis Regensburg) gentechnisch veränderte Zuckerrüben auf Herbizidtoleranz getestet wurde, soll in diesem Frühjahr am Stadtrand von Weiden Gen-Mais zu Versuchszwecken ausgesät werden.

Gen-Mais
Der Anbau von genmanipuliertem Mais ruft immer wieder Umweltschützer wie die Aktivisten von Greenpeace auf den Plan, die Protestaktionen veranstalten. (Archivbild: dpa)
Die Fläche mit der Schlagbezeichnung "Greuthacker", die die landwirtschaftliche Versuchsanstalt Almesbach bestellt, ist nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zwar nur 100 Quadratmeter groß, trotzdem befürchten Umweltschützer gravierende Auswirkungen auf die Pflanzenwelt in der Umgebung.

Wie im Standortregister für die Freisetzung und den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen verzeichnet, soll bei dem Versuch in Weiden erprobt werden, wie resistent die Maissorte "Zea mays" gegen Insektenbefall ist.

Völlig überrascht



Helmut Konrad, Leiter der landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalt Almesbach, zeigte sich überrascht. "Uns hat bisher niemand informiert", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Bei solchen "brisanten Sachen" sei dies normalerweise üblich. ÖDP und Grüne protestierten umgehend. Die Aussaat führe "zu unabsehbaren und nicht rückholbaren Folgen", erklärte ÖDP-Landesgeschäftsführer Urban Mangold. Der Versuch stelle "eine existenzielle Bedrohung aller verantwortlich produzierenden Landwirte und Imker" dar. Damit ist sich die konservative Umweltpartei fast einig mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Maria Scharfenberg (Regensburg) und dem CSU-Landtagsabgeordneten und Bauernverbandsfunktionär Franz Kustner aus Hirschau (Kreis Amberg-Sulzbach).

Kustner sagte, der Bauernverband und auch die CSU lehnten solche Versuche ab, solange die Auswirkungen nicht erforscht und die Haftungsfrage für mögliche Folgeschäden nicht geklärt sei. Er setzt auf eine europäische Lösung des Problems und hofft auf die österreichische EU-Präsidentschaft. Österreich hat sich im Kampf gegen Gentechnik in der Landwirtschaft bereits profiliert. Niederbayern ist laut Standortregister das Zentrum der Gen-Versuche. "Bezogen auf die alten Bundesländer ist Osterhofen im Landkreis Deggendorf der Ort mit der größten Gen-Mais-Anbaufläche. Dort werden in diesem Jahr über 180 000 Quadratmeter mit genmanipuliertem Saatgut des Monsanto-Konzerns belegt", sagte ÖDP-Geschäftsführer Mangold.

"Notbremse ziehen"



Auch in Künzing und Aholming, beide Gemeinden liegen ebenfalls im Landkreis Deggendorf, soll heuer großflächig Gen-Mais angebaut werden. Mangold appelliert an die Politiker, "jetzt endlich die Notbremse zu ziehen" und der Staatsregierung sowie Agrarminister Horst Seehofer ins Gewissen zu reden. "Nicht nur die Biobauern und Imker, sondern auch viele gentechnik-kritische, konventionell wirtschaftenden Landwirte stehen vor der Vernichtung ihrer Existenz."

Die ÖDP will noch im Januar eine landesweite Petitionsaktion zur aktuellen Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms starten. Der Entwurf der Staatsregierung, der ab März in den Landtagsausschüssen behandelt wird, soll "um das landesplanerische Ziel einer gentechnikfreien Produktionsweise in Bayern ergänzt werden", fordert ÖDP-Landesgeschäftsführer Urban Mangold.

Gen-Mais
Maisfelder prägen das Bild der Oberpfälzer Landschaft im Sommer - bald möglichweise hier und da gesprenkelt mit grellen Protest- und Warnschildern. (Bild: Popp)

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