Regensburg
"Nur Gott ist absolut"
Drewermann appelliert an Mündigkeit der Christen
Der Theologe, Psychotherapeut und Schriftsteller, dem die katholische Kirche 1991 seinen Lehrauftrag in Paderborn entzog und 1992 mit Predigtverbot, kirchlichen Strafverfahren und schließlich Suspendierung vom Priesteramt belegte, war zu Gast in Regensburg und sprach in der evangelischen St.-Oswald-Kirche vor einem knapp 200-köpfigen Auditorium. Im Kurzinterview mit unserer Zeitung kritisierte er den "absoluten Anspruch" der katholischen Kirche. Drewermanns Credo lautet anders. "Jeder muss aus den immer zu engen Bedingungen herauskommen, um Gott zu finden", sagt er. Und: "Jeder, der mündig wird, weiß, dass die Zugehörigkeit zu einer Konfession relativ ist."
Hier liege der Hauptwiderspruch der katholischen Konfession zur Theologie der Reformation, die nur Gott als absolut anerkenne. "Der Hauptmann im Evangelium, die Ehebrecherin sind wichtiger als die Hohepriester - so war das jedenfalls einmal." Eine neue Gerechtigkeit müsse die gängigen Perspektiven umkehren, müsse danach fragen: "Wie werde ich gerecht gegenüber demjenigen, der nicht weiter weiß?"
"Unevangelisch"
Auch wenn Drewermanns Besuch in Regensburg schon längere Zeit feststand, passte er für die Veranstalter gut zur "atemberaubenden Aktualität" im Bistum, wie Dr. Magdalene Bußmann formulierte. Das Vorstandsmitglied der "Leserinitiative Publik e.V." bedauerte, dass Bischof Gerhard Ludwig Müller "in der Manier eines absoluten Fürsten sämtliche Mitwirkungsrechte der Laien auszuhebeln" versuche. Diese Haltung "vermögen wir nicht zu teilen", sagte sie und nannte Müllers Verhalten "unevangelisch und unjesuanisch".
Eugen Drewermann erteilt dem häufig von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gebrauchten Argument "Wir haben keine Alternative" eine klare Absage. "Eine Gesellschaft, die sich nur auf Maximierung des Gewinns auslegt, kann nicht menschlich sein." Drewermanns Botschaft ist so schlicht wie das Evangelium, aus dem er sie zieht. Die Welt müsse aus der Perspektive derer gesehen werden, die "am Boden liegen und hinter Zäunen leben - in der Not kann man nicht warten!"
Geschenk für sich
Jesu Botschaft sei deshalb eine heilende, eine psychotherapeutische Botschaft. "Die Reichen und Mächtigen kämen mit Moses allein ganz gut aus", stellte Drewermann eine Gesellschaftshaltung der vorchristlichen Zeit gegenüber. Erst dieser Tage wurde bei seinem TV-Auftritt "Menschen bei Maischberger" bekannt, dass er aus der katholischen Kirche ausgetreten sei. Er habe sich damit an seinem 65. Geburtstag, dem 20. Juni, ein "Geschenk der Freiheit an mich selber" gemacht.






























