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Von Peter Klewitz  |  16.11.2005  | Netzcode: 10793997  |  764 Mal gelesen.
Regensburg

"Die Kirche ist keine Demokratie"

Regensburger Bischof löst bisherige Laiengremien auf - Gläubige dürfen nur noch Pfarrgemeinderäte wählen

Regensburg. Regensburg. (dpa) Ungeachtet heftiger Kritik hat der Regensburger Bischof Müller den Diözesanrat und die Dekanatsräte in der Diözese abgeschafft. Mit der Vorstellung der künftigen Rätestruktur löste der Oberhirte am Dienstag die bisherigen Gremien auf. Die bisherigen Laiengremien hätten "den Touch der 60er, 70er Jahre" und seien nicht mehr zeitgemäß, erklärte er.

Bischof
Weist Kritik an den Reformen zurück: Bischof Gerhard Ludwig Müller. (Bild: dpa)
Künftig sollen die Gläubigen nur noch ihre lokalen Pfarrgemeinderäte selbst wählen können, die nächste Wahl steht am 12. März 2006 an. "Die Kirche ist keine Demokratie", betonte der 57-Jährige. "Im Unterschied zu politischen Organisationen ist man in der Kirche nicht dabei, weil man gewählt wurde." Jeder sei auf Grund von Taufe und Firmung dazu berufen, in der katholischen Kirche mitzuarbeiten. "Die Kirche ist mehr mit einer Familie zu vergleichen."

Seit Dienstag gehört also der Diözesanrat im Bistum Regensburg der Vergangenheit an. Mit der Verkündigung der Neuordnung für das Laienapostolat hat Bischof Gerhard Ludwig Müller das bislang höchste Laiengremium in der Diözese von einem Tag zum anderen abgeschafft. Müller sieht sich damit voll auf dem Boden des Kirchenrechts. Die neue Satzung tritt zwar erst zum 27. November in Kraft, aber ab Verkündigung sei ihre Ordnung in einer Art Gesetzesschwebe wirksam, erklärte Vizeoffizial Dr. Josef Ammer.

Kardinal Wetter geht im Laienstreit erneut auf Distanz zu Müller


Nach der Abschaffung des Diözesanrates im Bistum Regensburg ist der Münchner Kardinal Friedrich Wetter noch mehr auf Distanz zum Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller gegangen. Er bedauere es, dass Müller bei der Herbstkonferenz der bayerischen Bischöfe in der vergangenen Woche seine Pläne nicht vorgestellt habe, sagte Wetter am Mittwoch. Der Kardinal verwahrte sich dagegen, ihn als Befürworter für die im Alleingang vorgenommenen Veränderungen in Regensburg zu vereinnahmen, sagte Wetters Sprecher.
(dpa)

"Spielchen gespielt"



Der Ortsbischof von Regensburg ließ - ohne Namen zu nennen - keinen Zweifel offen, dass Leute wie der Diözesanratsvorsitzende Fritz Wallner "sich nicht als Dialogpartner empfehlen", weil sie "das Vertrauen missbraucht und Spielchen gespielt" hätten. Andererseits betonte er, die Neuordnung diene der Stärkung der Pfarrgemeinderäte als wichtigster Säule der Teilnahme von Laien am Sendungsauftrag der Kirche. "Der Pfarrgemeinderat ist und bleibt das Beratungsorgan des Pfarrers", sagte der künftige Generalvikar Michael Fuchs.

Ammer erklärte, die gesamte Neuordnung stehe in völliger Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht. Sie sei so etwas wie eine Entrümpelung von Strukturen, die vor 30 Jahren gut gewesen, aber durch die heutige Situation in der Kirche überholt seien. Von effektiverer und modernisierter Arbeit sprach in der Erläuterung der einzelnen Punkte auch Michael Fuchs. Seit Mai war eine Kommission damit beschäftigt, die Arbeit der Laiengremien im Bistum auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Auch in dieser Kommission hätten Laien mitgearbeitet, sagte der Bischof: "Laien mit Kirchenrechts- oder Theologiestudium, die auf die jetzige seelsorgliche Situation des Bistums eingegangen sind".

Müller wies Spekulationen um die Gründe der Neuordnung und eventuelle Widersprüche zu anderen Bistümern zurück: "Die Kirche von Regensburg wird nicht durch die Medien regiert!" Auch Kardinal Friedrich Wetter habe sich durch die Medien fehlinterpretiert gefühlt. In der Freisinger Bischofskonferenz hätten sich alle "entsetzt und empört" über die als Kritik Wetters bezeichnete Stellungnahme gezeigt. Im übrigen, so der Bischof, sei die Kirche eben nicht mit einer politischen Gemeinde vergleichbar. "Es gibt in ihr keinen Gegensatz zwischen Ernennung und Wahl."

Kein Wort des Dankes



Für den gewesenen Diözesanratsvorsitzenden Fritz Wallner ist die Vorgehensweise seines Diözesanhirten "einmalig in der jüngeren Geschichte des deutschen Katholizismus". Die Vermutung liege nahe, dass es diesem fast ausschließlich darum gehe, die erst vor vier Jahren von Bischof Manfred Müller erlassene Neuordnung der Räte auf allen Ebenen einfach zu zerschlagen. "Es schmerzt schon sehr, dass für die Arbeit der letzten 37 Jahre kein einziges Wort des Dankes, der Anerkennung oder wenigstens des Respekts in der Pressemitteilung enthalten ist. Ich kenne viele Pfarrgemeinderats- und Dekanatsratsvorsitzende, die einerseits traurig und andererseits wütend sind, über Verfahrensweisen und Inhalte."

Die Änderungen wurden, das räumten der Bischof und seine Mitarbeiter ein, ohne Beteiligung und Anhörung der betroffenen Gremien vorgenommen - laut Wallner "mangelnde Wertschätzung den Laien gegenüber, auch wenn mit den Lippen immer wieder etwas Gegenteiliges betont wird".

Dokumente zur Neuordnung der Gremien im Internet: www.bistum-regensburg.de

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