Weiden
Moderlieschen statt Koi-Karpfen
Simone Schaller liebt ihren natürlichen Garten - Auftakt der NT-Sommerserie
Weiden. (ps) Es ist ein bisschen wie im Wald - und das mitten in der Stadt. Unter Kiefern, Hainbuchen und Eiche wachsen Heidel- und Preiselbeeren. Bei den Walderdbeeren stibitzt man gerne mal ein süßes Früchtchen. Im Weiher daneben ziehen Moderlieschen und Rotfedern ihre Kreise. Exoten wie Koi-Karpfen kommen Simone Schaller nicht ins Wasser. Sie legt Wert auf einen naturnahen Garten.
"Wäldchen" und Weiher
"Kiefern, Hainbuchen und Eiche haben wir vor 20 Jahren stehen lassen, als die Umlegung für das Baugebiet erfolgt ist. Vor neun Jahren haben wir gebaut und das Haus einfach etwas höher reingesetzt, weil das Grundwasser hier ziemlich hoch steht." Aus Holzpalisaden gefertigte Treppenstufen führen vom tiefergelegenen Wald- und Weiherbereich auf die Terrasse, die zum Großteil im Schatten liegt. Für die Kakteen, die neben Kräutern, Zinnien und einem Rosenhochstämmchen hier ihr Sommerquartier gefunden haben, nicht ganz ideal. Angenehm allerdings für die Bewohner, die hier an heißen Sommertagen von natürlichem Blattwerk beschirmt werden.
Der Arbeitsaufwand in einem natürlichen Garten hält sich zwar in Grenzen. "Aber etwas Pflege muss schon sein", sagt Simone Schaller. "Viele Pflanzen haben sich von selbst angesiedelt, wie Vergissmeinnicht, Habichtskraut, das große Weidenröschen und der Wachtelweizen, ein Halbschmarotzer, der auf den Wurzeln von Fichten wächst. Manches davon wuchert richtig und muss dann ausgezupft werden." Das fällt der Landschaftsgärtnerin allerdings schwer. "Außer ich finde jemanden, der mir die Pflanzen abnimmt. Es tut mir leid, wenn ich sie einfach wegwerfen soll."
Im Frühjahr setzen Azaleen und Rhododendren leuchtende Farbtupfer in den zahlreichen Grünschattierungen unter den Bäumen. Beim NT-Besuch trug der Fingerhut noch weiße, rosa und violette Blüten. Neben dem satten Grün von Farnwedeln und Hostas reckt der Rittersporn seine blauen Kerzen in die Höhe.
"Naturschutz ist wichtig", betont die 50-Jährige. "Wir streuen zum Beispiel das Schnittgut zwischen die Sträucher und Bäume. Das ist gut für den Zaunkönig." Der lebt tatsächlich im Garten der Familie Schaller, ebenso wie Amseln, Kleiber und - im Winter - der Fichtenkreuzschnabel. Ab und zu lässt sich sogar ein Grünspecht blicken. "An zwei bis drei Stellen lassen wir immer Brennesseln stehen für den Kleinen Fuchs." Der Schmetterling legt auf der Unterseite der Blätter seine Eier ab. Erdbienen fühlen sich hier ebenso wohl wie Libellen. Die werden vom Gartenteich angelockt.
Nein, für Modetrends im Garten hat Simone Schaller nichts übrig. Deshalb schwimmen bei ihr auch keine japanischen Koi-Karpfen oder Goldfische im Weiher, sondern heimische Moderlieschen und zwei Rotfedern. "Die waren Beifang von einem Freund beim Abfischen. Wir hatten auch mal Bitterlinge, aber die brauchen Teichmuscheln zur Vermehrung, und das hat bei uns nicht funktioniert, als der Weiher neu angelegt war. Inzwischen würde es vielleicht klappen." Wasserhahnenfuß, Fieberklee, Tannenwedel, Pfeilkraut und eine Seerose wachsen im Wasser.
Ägyptische Minze für Tee
Ab und an findet sich auch eine Rarität im Garten. "Eine seltene Sauerklee-Art, die habe ich bei einem Spezialversand bestellt." Leckerer Tee lässt sich aus der behaarten ägyptischen Minze aufbrühen, die ziemlich wuchert. "Für Fans von gepflegten Gärten wirkt unserer wie eine Wildnis", weiß Simone Schaller. Für sie und ihren Mann ist er "ein Paradies." Das gilt übrigens auch für einige Wühlmäuse. Denen will die Landschaftsgärtnerin jetzt mit Hasendraht als Wurzelschutz den Aufenthalt im Garten vergällen. "Von Gift halte ich nichts. Notfalls muss man sich eben tolerieren."
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