Oberpfalznetz.de > Lokales > Kreis Neustadt/WN > Immer mehr Milchbauern in Nöten

Von (ms)  |  06.08.2005  | Netzcode: 10752841  |  315 Mal gelesen.
Neustadt/WN

Immer mehr Milchbauern in Nöten

Preis rutscht in den Keller - Oberpfalz bundesweit Spitzenreiter beim Kauf der Quoten

Neustadt/WN. (ms) Es ist das Pech der Landwirte: Ausgerechnet eines ihrer Paradeprodukte, die Milch, haben sich die Supermarktketten als Waffe in einer Rabattschlacht um Kunden ausgesucht, die heftiger noch nie tobte. Der Milchpreis rutscht immer tiefer in den Keller und bringt immer mehr Bauern in Bedrängnis.

In einem Interview schilderten Landwirtschaftsdirektor Willibald Götz und Landwirt Alois Lukas aus Weiden die Schwierigkeiten der Milchviehbetriebe. Götz ist Abteilungsleiter Beratung und Bildung sowie für die Ökonomik in der Milchviehhaltung beim Amt für Landwirtschaft und Forsten in Weiden. Lukas ist der Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Weiden. Die MEG hat 677 Mitglieder, die an die Naabtaler Milchwerke liefern.

Welche Bedeutung hat die Milchwirtschaft für die Region?

Alois Lukas: Über 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe haben Milchviehhaltung. Im Landkreis Neustadt und in Weiden gibt es relativ viele Grünlandflächen, deren einzige sinnvolle Verwertung meist die Rinderhaltung ist.

Die Milchbauern bringen ja eine Wertschöpfung. Kann man diese in Euro ausdrücken?

Alois Lukas: Die Landwirte nehmen allein rund 55 Millionen Euro Milchgeld ein. Hinzu kommen rund sieben Millionen Euro aus der Fleischproduktion. Zudem bringen die Kälberaufzucht weitere acht Millionen Euro und die Aufzucht der weiblichen Rinder noch einmal neun bis zehn Millionen Euro. Die Bauern geben das Geld größtenteils wieder in der Region aus. Jeder fünfte, sechste Arbeitsplatz hängt von der Landwirtschaft ab.

Willibald Götz: Nicht zu vergessen Nebenleistungen wie zum Beispiel für die Lederindustrie, die Produktion des wirtschaftseigenen Düngers oder die Landschaftspflege.

Der Milchpreis ist ja ein brisantes Thema. Wie hoch liegt er zurzeit?

Alois Lukas: Wir bekommen 27,50 Cent pro Kilo Milch. Damit kann man nicht zufrieden sein. Der Preis geht laufend zurück. Das ist politisch gewollt. Schuld ist die EU-Politik. Der Preis soll bis 2007 den Interventionspreis von 22 Cent erreichen. Zurzeit liegt dieser bei gut 25 Cent.

Nicht wenige Milchbauern haben doch schon jetzt finanzielle Probleme und können ihre Tilgungen bei den Banken nicht mehr zahlen.

Alois Lukas: Wir bekommen bis 2008 von der EU einen kleinen Preisausgleich von 3,5 Cent pro Kilo Milch für die Preisabsenkung. Ab 2009 kommt eine vierjährige Übergangszeit, dann wird das alles in die Flächenausgleichszahlungen eingerechnet.

Willibald Götz: Wer eine sehr intensive (flächenarme) Milchviehhaltung betreibt, der kann das dann nicht ausgleichen. Wer viel Grünland hat, ist dagegen im Vorteil.

Alois Lukas: Dieser Milchpreis reicht nur für jemand, der seinen Betrieb auslaufen lässt. Aber Investitionen rechnen sich nicht mehr. Immer mehr Landwirte wollen einen Vorschuss auf das Milchgeld haben.

Willibald Götz: Bei vielen Betrieben sind keine Reserven mehr da. Pech im Stall darf da nicht dazukommen.

Welchen Milchpreis bräuchte ein Landwirt, um ein angemessenes Einkommen zu erzielen?

Alois Lukas: Der Preis müsste, ausgehend vom jetzigen Niveau, drei bis acht Cent höher liegen. Die Arbeitszeit ist beim Milchbauern am höchsten. Die Folge ist ein geringer Stundenlohn.

Willibald Götz: Eine angemessene Entlohnung ist momentan nicht gewährleistet. Wenn man von einem Stundenlohn von 12,50 Euro ausgeht, zahlen die Betriebe nach einer Buchführungsauswertung im Durchschnitt gut sieben Cent pro Kilo Milch drauf.

Welchen Rat geben Sie einem jungen Landwirt?

Willibald Götz: Grundsätzlich hat er nur Zukunft, wenn er kostengünstig produziert. Das heißt, er muss so günstig wie möglich bauen und so effizient wie möglich füttern. Und er muss den Aufwand in der Außenwirtschaft senken. Für manchen ist trotzdem auch der Zu- und Nebenerwerb notwendig.

Alois Lukas: Schon jetzt sind 60 Prozent der Landwirte im Landkreis Neustadt und in Weiden im Nebenerwerb tätig. Aber angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation findet auch der Landwirt keinen Arbeitsplatz.

Ein anderes Thema ist die Milchquote. Was besagt diese?

Alois Lukas: Die Quote ist nichts anderes als die abgabefreie Liefermenge. Wenn der Bauer mehr Milch liefert, muss er eine Superabgabe bezahlen. Diese liegt zurzeit höher als der Milchpreis.

Warum liefern dann Landwirte mehr, wenn sie dafür bestraft werden?

Alois Lukas: Die Lieferung lässt sich ein ganzes Jahr hinweg nicht genau auf das Kilo hinsteuern. Die Kuh kann man nicht abstellen wie eine Maschine. Mancher Landwirt zockt. Eine leichte Überlieferung kann durchaus sinnvoll sein.

Die Oberpfalz ist bundesweit Spitzenreiter beim Kauf der Milchquoten. Woran liegt das?

Alois Lukas: In den letzten Jahren sind sehr viele Laufställe gebaut worden. Viele Bauern haben ihre Tierbestände verdoppelt.

Willibald Götz: Es sind auch noch Leistungsreserven vorhanden. Es wird in den Bereich Kuhkomfort und Fütterungstechnik investiert. Das führt zu einer innerbetrieblichen Leistungssteigerung pro Kuh. Dann braucht der Bauer Quote. Da die Nachfrage da ist, steigt der Preis.

Am 1. April lag bei uns der Quotenpreis pro Liter Lieferrecht bei 53 Cent, am 1. Juli bei 55 Cent. Nächster Börsentermin ist am 2. November. Geht der Preis dann noch weiter in die Höhe?

Alois Lukas: Aus der Erfahrung der letzten Jahre ist zu befürchten, dass der Preis nochmals steigt. Der Landwirt hat bis zu diesem Zeitpunkt die Abrechnung der Molkerei bekommen, auf der sich die Superabgabe bemerkbar macht. Er braucht unbedingt Quote.

Wie viel Quote hat ein Landwirt?

Alois Lukas: Ein Durchschnittsbetrieb verfügt bei uns über eine Quote von 130 000 Kilo. Damit liegen wir auch im bayerischen Schnitt.

Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen

Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.

Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.


Gestern, Seite 2

Luhe-Wildenau

Angst vor üblen Gerüchen

Marktrat will keine Biogasanlage zur Verarbeitung von Lebensmittelabfällen im Gewerbegebiet

Der Marktgemeinderat erteilte einer geplanten Biogasanlage eine Abfuhr. Einstimmig beschlossen das Gremium und Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Preißer, dem Projekt zur Verarbeitung von Lebensmittelabfällen im Gewerbegebiet "Obere Tratt" das Einvernehmen zu verweigern. mehr...
Zum Artikel: Auch Nummer 75 erfolgreich

Filchendorf

Auch Nummer 75 erfolgreich

Filchendorfer Brandschützer kennen sich mit Knoten und Stichen aus

Um den Nachwuchs bei der Feuerwehr brauchen sich die Filchendorfer keine Sorgen zu machen. Nach mehrwöchigem Üben legten zwei weitere Gruppen die Prüfung für das Leistungsabzeichen erfolgreich ab. Laut der Landkreisstatistik unterzogen sich die Filchendorfer Brandschützer zum 75. Mal diesem Test. mehr...
Zum Artikel: Ausflug in die Welt der Kacheln

Flossenbürg

Ausflug in die Welt der Kacheln

Richard Schedl stellt am Pfingstsonntag Heft zu Kachelfunden vor - Museumssaison startet

Leicht lässt es sich nicht lesen, viel Interessantes ist aber schon zu erfahren. Richard Schedl stellt am Sonntag das Heft "Kachelfunde aus der Burg Flossenbürg" vor. Es enthält einen Aufsatz von Dr. Werner Endres zu Ausgrabungsergebnissen aus dem Jahr 2005. Verbunden ist die Präsentation mit dem Auftakt zur Museumssaison 2012. mehr...

Weiherhammer

Beim Lied "Himmel auf" Open Air

Bayern 3 schenkt über 400 Fans im Innovision Center Konzert der Pop-Rock-Band "Silbermond"

Evi und Edeltraud aus Hohenburg haben ihre Freikarten direkt bei Bayern 3 gewonnen. Eigentlich war es Evi, die beim Sender angerufen hatte. "Die wollten wissen, was sich der Gitarrist von 'Silbermond' von seiner ersten Gage gekauft hat, und das hab ich gewusst." Da muss man wirklich Hardcore-Fan sein. "Eine Portion Eis hat er sich gekauft." mehr...
Zum Artikel: Digitale Welt im Klassenzimmer

Grafenwöhr

Digitale Welt im Klassenzimmer

Elternbeirat ermöglicht den Kauf eines ersten Whiteboards für die Grafenwöhrer Schule

Interaktive Whiteboards halten zunehmend Einzug in den Schulen. Diese digitalen Tafeln können den Unterricht bereichern und neue Möglichkeiten eröffnen. Durch Spendengelder des Elternbeirats der Grafenwöhrer Grund- und Mittelschule und unter Mitfinanzierung der Stadt konnte ein sogenanntes Whiteboard der Schule übergeben werden. mehr...
Donnerstag, Seite 2
Zum Artikel: Spintler Druck

Eschenbach

Chöre lassen die Puppen tanzen

Frühjahrskonzert der Musikschule bietet stimmungsvolle Höhepunkte aus 14 Musicals

Ein erwartungsfrohes Publikum strömte in das Frühjahrskonzert der Musikschule: Die Welt des Musicals lockte zahlreiche Besucher. Vorsitzender Günther Dilling und Schulleiter Joachim Steppert freuten sich im Gymnasium über eine volle Aula. Sie begrüßten als besondere Gäste Vinzenz Dachauer, den Vorsitzenden des Stadtverbands, und seinen Stellvertreter Dieter Kies und bedauerten das Fehlen von offiziellen Vertretern der Stadt. mehr...
Zum Artikel: Dank für Motivation und Treue

Grafenwöhr/Vilseck

Dank für Motivation und Treue

Kommandeur Oberst James E. Saenz ehrt langjährige Mitarbeiter der US-Armee

"Die zivile Arbeitnehmerschaft ist das Rückgrat unserer Garnison. Ohne Sie, Ihre Bemühungen, Arbeitsmoral und Engagement könnten wir die ausgezeichnete Unterstützung gegenüber unseren Soldaten, Zivilangehörigen und Familien nicht leisten, für die unsere Garnison weltweit bekannt ist." Das betonte der Kommandeur der Garnison Grafenwöhr, Oberst James E. Saenz, bei der Auszeichnungsfeier für 125 Mitarbeiter der US-Armee. mehr...
Zum Artikel: Einmalig in ganz Bayern

Pressath

Einmalig in ganz Bayern

Kreideablagerungen und Kiefernwälder bei Hessenreuth idealer Lebensraum für Moose und Flechten

Die unbekannte Welt der Moose und Flechten war das Ziel einer Wanderung des Vereins "Unser Hessenreuther Wald" und des Geoparks Bayern-Böhmen. In seiner Einführung erklärte Exkursionsleiter Professor Eduard Hertel von der Universität Bayreuth, dass der Hessenreuther Wald auf Kreide aufgebaut sei. mehr...
Zum Artikel: Gute Brotzeiten, gute Musik

Etzenricht

Gute Brotzeiten, gute Musik

Oberpfälzer Abend konkurriert mit König Fußball

Der Termin für den ersten Oberpfälzer Abend der Etzenrichter Jungen Union war schon lange fix. Keiner ahnte damals bei der Absprache, dass dieses Datum für Fußballfans so bedeutend sein würde. JU-Vorsitzender Simon Kleber wagte es trotzdem, ein Alternativprogramm anzubieten. mehr...
Zum Artikel: Helmut Meindl führt weiter Regie

Moosbach

Helmut Meindl führt weiter Regie

Theaterfreunde wählen neuen Vorstand - Einige Veränderungen im Gremium

Neuwahlen standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Theaterfreunde im Gasthaus Ulrich in Burgtreswitz. Vorsitzender bleibt Helmut Meindl und Stellvertreter Norbert Schmid. Neue Schriftführerin ist Anita Sachs. mehr...