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Von (ms)  |  06.08.2005  | Netzcode: 10752841  |  242 Mal gelesen.
Neustadt/WN

Immer mehr Milchbauern in Nöten

Preis rutscht in den Keller - Oberpfalz bundesweit Spitzenreiter beim Kauf der Quoten

Neustadt/WN. (ms) Es ist das Pech der Landwirte: Ausgerechnet eines ihrer Paradeprodukte, die Milch, haben sich die Supermarktketten als Waffe in einer Rabattschlacht um Kunden ausgesucht, die heftiger noch nie tobte. Der Milchpreis rutscht immer tiefer in den Keller und bringt immer mehr Bauern in Bedrängnis.

In einem Interview schilderten Landwirtschaftsdirektor Willibald Götz und Landwirt Alois Lukas aus Weiden die Schwierigkeiten der Milchviehbetriebe. Götz ist Abteilungsleiter Beratung und Bildung sowie für die Ökonomik in der Milchviehhaltung beim Amt für Landwirtschaft und Forsten in Weiden. Lukas ist der Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Weiden. Die MEG hat 677 Mitglieder, die an die Naabtaler Milchwerke liefern.

Welche Bedeutung hat die Milchwirtschaft für die Region?

Alois Lukas: Über 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe haben Milchviehhaltung. Im Landkreis Neustadt und in Weiden gibt es relativ viele Grünlandflächen, deren einzige sinnvolle Verwertung meist die Rinderhaltung ist.

Die Milchbauern bringen ja eine Wertschöpfung. Kann man diese in Euro ausdrücken?

Alois Lukas: Die Landwirte nehmen allein rund 55 Millionen Euro Milchgeld ein. Hinzu kommen rund sieben Millionen Euro aus der Fleischproduktion. Zudem bringen die Kälberaufzucht weitere acht Millionen Euro und die Aufzucht der weiblichen Rinder noch einmal neun bis zehn Millionen Euro. Die Bauern geben das Geld größtenteils wieder in der Region aus. Jeder fünfte, sechste Arbeitsplatz hängt von der Landwirtschaft ab.

Willibald Götz: Nicht zu vergessen Nebenleistungen wie zum Beispiel für die Lederindustrie, die Produktion des wirtschaftseigenen Düngers oder die Landschaftspflege.

Der Milchpreis ist ja ein brisantes Thema. Wie hoch liegt er zurzeit?

Alois Lukas: Wir bekommen 27,50 Cent pro Kilo Milch. Damit kann man nicht zufrieden sein. Der Preis geht laufend zurück. Das ist politisch gewollt. Schuld ist die EU-Politik. Der Preis soll bis 2007 den Interventionspreis von 22 Cent erreichen. Zurzeit liegt dieser bei gut 25 Cent.

Nicht wenige Milchbauern haben doch schon jetzt finanzielle Probleme und können ihre Tilgungen bei den Banken nicht mehr zahlen.

Alois Lukas: Wir bekommen bis 2008 von der EU einen kleinen Preisausgleich von 3,5 Cent pro Kilo Milch für die Preisabsenkung. Ab 2009 kommt eine vierjährige Übergangszeit, dann wird das alles in die Flächenausgleichszahlungen eingerechnet.

Willibald Götz: Wer eine sehr intensive (flächenarme) Milchviehhaltung betreibt, der kann das dann nicht ausgleichen. Wer viel Grünland hat, ist dagegen im Vorteil.

Alois Lukas: Dieser Milchpreis reicht nur für jemand, der seinen Betrieb auslaufen lässt. Aber Investitionen rechnen sich nicht mehr. Immer mehr Landwirte wollen einen Vorschuss auf das Milchgeld haben.

Willibald Götz: Bei vielen Betrieben sind keine Reserven mehr da. Pech im Stall darf da nicht dazukommen.

Welchen Milchpreis bräuchte ein Landwirt, um ein angemessenes Einkommen zu erzielen?

Alois Lukas: Der Preis müsste, ausgehend vom jetzigen Niveau, drei bis acht Cent höher liegen. Die Arbeitszeit ist beim Milchbauern am höchsten. Die Folge ist ein geringer Stundenlohn.

Willibald Götz: Eine angemessene Entlohnung ist momentan nicht gewährleistet. Wenn man von einem Stundenlohn von 12,50 Euro ausgeht, zahlen die Betriebe nach einer Buchführungsauswertung im Durchschnitt gut sieben Cent pro Kilo Milch drauf.

Welchen Rat geben Sie einem jungen Landwirt?

Willibald Götz: Grundsätzlich hat er nur Zukunft, wenn er kostengünstig produziert. Das heißt, er muss so günstig wie möglich bauen und so effizient wie möglich füttern. Und er muss den Aufwand in der Außenwirtschaft senken. Für manchen ist trotzdem auch der Zu- und Nebenerwerb notwendig.

Alois Lukas: Schon jetzt sind 60 Prozent der Landwirte im Landkreis Neustadt und in Weiden im Nebenerwerb tätig. Aber angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation findet auch der Landwirt keinen Arbeitsplatz.

Ein anderes Thema ist die Milchquote. Was besagt diese?

Alois Lukas: Die Quote ist nichts anderes als die abgabefreie Liefermenge. Wenn der Bauer mehr Milch liefert, muss er eine Superabgabe bezahlen. Diese liegt zurzeit höher als der Milchpreis.

Warum liefern dann Landwirte mehr, wenn sie dafür bestraft werden?

Alois Lukas: Die Lieferung lässt sich ein ganzes Jahr hinweg nicht genau auf das Kilo hinsteuern. Die Kuh kann man nicht abstellen wie eine Maschine. Mancher Landwirt zockt. Eine leichte Überlieferung kann durchaus sinnvoll sein.

Die Oberpfalz ist bundesweit Spitzenreiter beim Kauf der Milchquoten. Woran liegt das?

Alois Lukas: In den letzten Jahren sind sehr viele Laufställe gebaut worden. Viele Bauern haben ihre Tierbestände verdoppelt.

Willibald Götz: Es sind auch noch Leistungsreserven vorhanden. Es wird in den Bereich Kuhkomfort und Fütterungstechnik investiert. Das führt zu einer innerbetrieblichen Leistungssteigerung pro Kuh. Dann braucht der Bauer Quote. Da die Nachfrage da ist, steigt der Preis.

Am 1. April lag bei uns der Quotenpreis pro Liter Lieferrecht bei 53 Cent, am 1. Juli bei 55 Cent. Nächster Börsentermin ist am 2. November. Geht der Preis dann noch weiter in die Höhe?

Alois Lukas: Aus der Erfahrung der letzten Jahre ist zu befürchten, dass der Preis nochmals steigt. Der Landwirt hat bis zu diesem Zeitpunkt die Abrechnung der Molkerei bekommen, auf der sich die Superabgabe bemerkbar macht. Er braucht unbedingt Quote.

Wie viel Quote hat ein Landwirt?

Alois Lukas: Ein Durchschnittsbetrieb verfügt bei uns über eine Quote von 130 000 Kilo. Damit liegen wir auch im bayerischen Schnitt.


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