Hirschau
Hinter jeder Ecke lauert ein Schelm
Zuschauer haben was zu lachen bei Premiere vom "Hirschauer Stückl" - Lustige und listige Streiche
Hirschau. (msc) Die Hirschauer Stückln gibt es ja schon lange. Aber erst jetzt macht sich die Stadt daran und arbeitet die lustigen Streiche und Begebenheiten auf. Dramatisch, kulturell, historisch, kulinarisch, literarisch oder satirisch werden sie durchleuchtet und mit Fantasie und Feuereifer im Freilichtfestspiel "Hirschauer Stückl" nachgespielt (siehe auch Seite 16).
80 Schauspieler, etliche Musikanten, Pferde und Kutsche, Ziege, Kuh und Affe sowie viele Helfer hinter der Bühne machten die bestens besuchte Uraufführung am Freitagabend zum Erfolg. Nur das Wetter spielte nicht so ganz mit. Aber zum Glück musste das Spektakel nicht ins Wasser fallen, auch wenn der Wettergott reichlich davon im Vorprogramm verschüttet hat.Nur ziemlich kalt war's. Nach gut drei Stunden fröstelte es die Besucher schon ganz schön, was wohl der Grund dafür war, dass der Schlussbeifall nicht so temperamentvoll ausfiel, wie es die Schauspieler verdient hätten.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Hans Drexler geht's auch gleich los. Leierkasten, Löschwagen und Leichenzug eröffnen das Spiel, das im Biedermeier angesiedelt ist. Die Zeiten sind beschaulich, behaglich und ziemlich spießig, jeder kennt jeden, alles hat seinen festen Platz und seinen gemütlichen Gang. Bis ein Großstädter nach Hirschau kommt und für einige Unruhe sorgt.
Der Fremde Herr Buche erbt das Anwesen einer verstorbenen Verwandten in Hirschau und will in dem kleinen Städtchen große Projekte realisieren. Mit List und Fantasie widersetzen sich die Hirschauer Bürger. Der Fremde hat eine Tochter namens Annemarie. Die ist dem Papa nachgereist und findet es in dem Landstädtchen viel schöner als in der Großstadt. Und sie verliebt sich in den jungen Bauleiter Sebastian. Intrigen werden gesponnen, Streiche ausgeheckt, eine Liebesgeschichte bahnt sich an.
Diese Rahmenhandlung gibt Raum für die Hirschauer Schelmenstücke: Die eifrige Feuerwehr nimmt anstelle der Löschpumpe die Drehorgel mit zum Einsatz. Herr Buche, der Fremde, macht sich mit Sack und Kerze auf zum Älwertritscherlfangen. Und das Rathaus wird kurzerhand verschoben, weil es nicht am rechten Platz steht.
Alles lassen sie auffahren und aufmarschieren, die Hirschauer. Einen Kutschwagen mit Pferden, eine Kuh und eine Ziege, einen Leichenzug mit gar großartigen Sängerinnen und einer inbrünstigen Blasmusik. Ein fleißiges Heer an Arbeitern hängt an der Leiter wie die sieben Schwaben am Spieß, eine fesche Wirtin schenkt Bier und Obstwasser aus und zum Schluss bringt die Eisenbahn die Urlauber zum Monte-Sandberg.
Viele lustige und gute Ideen stecken in der Inszenierung. Oft brandet Gelächter auf im Publikum. Man kennt die Spieler, die viel Fleiß und Schweiß investiert haben, damit das große Stück von den Stückln gelingen kann. "Man hat sie schon beim Einkaufen erkannt, die, die mitspielen", erzählt ein Zuschauer. "Plötzlich haben ganz viele Hirschauer einen Bart getragen."
Aber Hermann Gebhard steht ganz glatt rasiert in der Pause zwischen den Bier-, Bratwurst- und Brezenbuden. Im stattlichen Gehrock spielt er einen braven Hirschauer Bürger im Theaterstück. Viel Zeit habe er schon investiert. "Aber es macht so viel Spaß mitzumachen und die Leute sind alle unglaublich motiviert. Wenn's wieder wäre, würde ich sehr gerne wieder mitmachen", verrät er noch, dann verschwindet er im Dunkel der Nacht, denn im zweiten Teil muss er noch mal über die Bühne gehen und den Bürgermeister grüßen .
Weitere Aufführungen sind am 27. und 29. Juli sowie am 3., 5. und 6. August, jeweils um 20.30 Uhr. Karten und Infos gibt es unter Telefon 09622/ 718773, Fax: 09622/81715, e-mail: karten@festspielverein-hirschau.de.
Weitere Bilder im Internet unter www.oberpfalznetz.de, Netzcode: 50746232
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