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27.05.2005  | Netzcode: 50726025  |  307 Mal gelesen.

"Rock for Life" in vollem Zelt

Erfolgreiche Benefizkonzerte: Vor der Bühne und beim Typisieren stehen die Menschen Schlange

Eschenbach. (jbe) "Justice" hauen in die Gitarren, die Bar ist zum Bersten voll, und Hunderte Menschen drängen sich im Festzelt. Lisa Roith bekommt von alledem nichts mit. Die Bambergerin sitzt in dem kleinen Gebäude nebenan und tut das, wozu Fest, Zelt und Musik eigentlich nur Mittel zum Zweck sind: Sie hilft Leben retten. "Das Beraten ist das A und O", erklärt sie am Stand der DKMS. Doch Lisa Roith verbindet nicht nur das reine Ehrenamt mit der Tätigkeit bei der Stiftung zur Knochenmarkstypisierung.

rock
Auf der Bühne tobte das musikalische Leben, damit Leben gerettet werden können.
Sie ist die Mutter der kleinen Anja, die dem Verein "Hilfe für Anja e.V." den Namen gab und Anstoß zu einer Hilfsaktion war, wie sie die Region bis dahin noch nicht gesehen hatte. Der Andrang ist groß in dem Gebäude, das im Vergleich zum Rest des Festes klein wirkt und doch das ideologische Herzstück der Veranstaltung bildet.

"Wichtig ist, dass die Leute es auch wirklich ernst meinen", erklärt Lisa Roith. Und der Vereinsvorsitzende Michael Sporrer stimmt ihr zu: "Wenn sich jemand typisieren lässt und dann aber nicht bereit ist zu spenden, das ist eine große Enttäuschung." Entsprechend eingehend werden die Gespräche mit dem vornehmlich jungem Publikum geführt, das Schlange steht, um in die Datenbank aufgenommen zu werden. Ist die Einverständniserklärung unterschrieben, geht es hinter die Trennwand, wo eine Blutprobe entnommen wird. "Jeder zwischen 17 und 55 kann spenden", erklärt Roith. Und etwas tadelnd fügt sie an: "Deutschland ist in dieser Beziehung Entwicklungsland."

rock
Neben der Musik gab es auch wichtige Beratung für die Gäste.
Darum ist ihr dringendstes Bedürfnis, Vorurteile abzubauen. "Ich habe schon so manchen Unsinn gehört", erklärt sie. So etwa, dass man durch eine Knochenmarkstransplantation gelähmt werden könnte. In Wirklichkeit ist eine Spende zwar mit etwas unangenehmen Nebenwirkungen verbunden, jedoch relativ ungefährlich. 90 Prozent der Spender geben ihr Knochenmark ambulant durch Seperation aus dem Blutkreislauf ab, wobei ein Medikament verabreicht wird, das kurzzeitig Symptome auslöst, die an eine leichte Grippe erinnern.

Nur noch selten wird die Methode angewandt, bei der unter Vollnarkose mit einem leichten Einstich Rückenmark entnommen wird. "Sieben Millionen Menschen sind mittlerweile weltweit registriert", weiß Lisa Roith. So groß diese Zahl klingen mag, sie ist immer noch zu klein. Denn alle 45 Minuten erkrankt allein in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Sein Leben kann davon abhängen, einen Spender mit exakt dem gleichen Gewebetyp zu finden.

Anja hatte dieses Glück nicht. Gott sei Dank scheint ihr Immunsystem die seltene Immunschwächekrankheit selbst besiegen zu können. "Die Ärzte sprechen von einem Wunder", berichtet die Mutter, warnt aber davor, sich auf der sicheren Seite zu fühlen: "Machen Sie mit. Denn im Prinzip kann es jeden treffen. Und dann sind Sie so dankbar wie wir, wenn sich möglichst viele Menschen für Sie einsetzen."


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