Regensburg
"Mein Bruder war Sophie ähnlich"
Zeitzeugin Anneliese Knoop-Graf mit dem Bischof bei "Sophie Scholl" im Kino
Die Zeitzeugin Anneliese Knoop-Graf sitzt neben dem Bischof der Diözese Regensburg an einem ungewöhnlichen Ort im Gespräch vor der Leinwand eines Regensburger Kinos, in dem bald darauf ein bereits jetzt hoch gelobter Film läuft. Dr. Gerhard Ludwig Müller hat zur Vorpremiere von "Sophie Scholl - die letzten Tage" eingeladen. Thematisch einordnen will der Oberhirte der Diözese das Werk vor dessen bundesweitem Start. Seine Gesprächspartnerin kennt den Film. Sie hat bei den Vorarbeiten und der Recherche dazu mitgewirkt. Und sie kannte Sophie Scholl. "Mein Bruder Willi war in vielem Sophie ähnlich", sagt sie. Auch Willi Graf habe nicht viel gesprochen, sei sehr ernsthaft gewesen. Dass er die Schwester, die ihn in München besuchte, nicht in seine Widerstandsaktivitäten, das Flugblätterdrucken und -verteilen, einweihte, rettete Anneliese das Leben, als die Mitglieder der "Weißen Rose" festgenommen wurden.
Begonnen hatte Willis Widerstand schon viel früher. "Wir lebten in Saarbrücken in einem streng katholischen Elternhaus", erzählt Anneliese Knoop-Graf dem Bischof und seinen Gästen im Kino. Für die Grafs verkörperten die Nazis das Böse - und Willi stellte sich von vorneherein dagegen. Der Medizinstudent erlebte Schreckliches an der Ostfront, wurde 1942 zu einer Studentenkompanie in München beurlaubt und traf dort Hans Scholl. "Die beiden müssen sich wohl erkannt haben!" kommentiert Anneliese Knoop-Graf diese Begegnung. 60 Jahre später brachte die Zeitzeugin während der Vorbereitungen zum Film mehrere Tage in der Zelle zu, in der Sophie Scholl inhaftiert war. "Zum ersten Mal verwendet ein Film Gestapo-Protokolle zu Dialogen, in denen die Gedanken Sophie Scholls klargestellt werden", sagt Anneliese Knoop-Graf. Sie lobt die "außergewöhnlich gut ausgewählte Schauspielerin", die dem sehr nahe komme, wie sie selbst Sophie Scholl erlebt habe.
Für Bischof Gerhard Ludwig ist der Widerstand der jungen Leute jener Tage ein Beispiel mutigen Eintretens für eine christliche Gesinnung. Gott mehr zu gehorchen als den Menschen: Diese Einstellung, die auch Willi Grafs Schwester ihrem Bruder zuordnet, "der sein Christsein lebte und nicht mit Worten verschönte" - sieht der Diözesanhirte gleichfalls in Domprediger Johann Maier verkörpert. Am 24. April werden die Gebeine des von den Nazis ermordeten Geistlichen auf Veranlassung des Bischofs aus dem Grab in Marklkofen in den Dom umgebettet.































