Lauf
"Es war wie ein Schneeballsystem"
Kein Spaß mit "Fun-Arena": Falsche Verträge und gefälschte Unterschriften - Polizei ermittelt
Lauf. "Wir haben ihn im November kennen gelernt und er hat uns erst einmal um 400 000 Euro erleichtert." Klaus Maier ist Prokurist bei der Firma "Emore" in Nürnberg. Sein Tagesgeschäft sind derzeit "Fun-Arenen" und der Versuch, den Schaden zu begrenzen, den ein Geschäftsmann aus Lauf angerichtet hat.
"Er war im eigenen System gefangen", versucht Maier zu erklären, was schief gegangen ist. Es geht um Helmut Krönert. Der 56-Jährige "schenkte" fast 100 Kommunen in Bayern eine so genannte "Fun-Arena". Ein Mini-Stadion mit einem Spezialbelag auf dem sogar Schlittschuh gelaufen werden konnte. Seine Idee: Leasingfirmen kaufen die Arenen und bekommen von den Gemeinden die monatliche Rate. Aus den Werbeeinnahmen für die Stadien sollten die Gemeinden das Geld zurückbekommen. Fast zweieinhalb Jahre ging das gut."Es war wie ein Schneeballsystem", beschreibt Maier. Denn das Geld das an die Gemeinden zurückfloss, kam nicht aus der Werbung, sondern aus dem Verkauf neuer Anlagen. Im Oktober geriet es ins Stocken, viele Gemeinden kündigten die Leasingverträge. Denn in den Geschäftsbedingungen der meisten Vereinbarungen ist ein Passus enthalten, der ein sofortiges Kündigungsrecht einräumt, sobald Zahlungen ausbleiben. Allerdings hat Krönert vermutlich den Leasingfirmen Verträge mit geänderten AGB's gegeben, die eine wasserdichte Finanzierung vorgaukeln.
Im Dezember nahm sich die Polizei in Schwabach der Sache an. Die Gemeinde Johanniskirchen aus Niederbayern hatte Anzeige erstattet. Es waren Verträge mit gefälschten Unterschriften aufgetaucht. "Wir ermitteln wegen Betrugs und Urkundenfälschung", meint Polizeisprecher Peter Grimm. "Der Schaden wird von uns auf rund fünf Millionen Euro beziffert." Der Geschäftsmann zeigt sich kooperativ, legte am Donnerstag ein umfassendes Geständnis ab.
"Die Idee wäre ja gut gewesen", ist sich der Bürgermeister von Wiesau (Kreis Tirschenreuth), Toni Dutz, sicher. Doch wie bei vier anderen Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth, fünf im Landkreis Neustadt/Waldnaab und weiteren in der Oberpfalz blieben irgendwann die Zahlungen aus. Rechtsanwälte wurden eingeschalten. Problem sind die Leasingfirmen. Sie bestehen auf Erfüllung der Verträge. Immerhin haben sie Ausfälle im sechsstelligen Bereich monatlich.
Einer der größten Leasingpartner ist "VHF Mobil Leas" in Köln. "Sollten die Verträge gekündigt sein, werden wir die Anlagen wohl anderweitig vermarkten. Den Schaden stellen wir natürlich den Leasingnehmern in Rechnung", erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Leasingnehmer sind die Kommunen. Und die haben jetzt Angst, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben. Helfen will hier auch die Firma "Emore". Nächste Woche starten sie ein Internetportal, auf dem die Gemeinden Hilfe bekommen und über den Sachstand informiert werden. "Allerdings ist es ein unwahrscheinlich kompliziertes Thema", so Maier. Noch kein Rechtsanwalt hätte sich zu einer Aussage hinreißen lassen, wer nun für den Schaden aufkommt.
Und die Idee der Fun-Arena? Die wird es auch weiterhin geben. Maier: "Emore" hat die Marken- und Patentrechte erworben und versucht die Anlagen wieder zu vermarkten. Auch im Interesse der Betriebe, die die Arenen herstellten und vor dem Ruin stehen. "Doch zuerst müssen wir das Produkt von dem Fall Krönert trennen."




































































































