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Von und Jürgen Herda  |  10.01.2005  | Netzcode: 10661829  |  300 Mal gelesen.
Amberg

Wenn der Papa vergeblich klingelt

Konfliktlösung mit "Mediation": Damit der Streit nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird

Amberg. Die Familienidylle geht schnell in die Brüche - besonders in Zeiten wie diesen, in denen der soziale Druck durch steigende Arbeitslosigkeit und grassierende Armut steigt. Was hinter Ambergs Fassaden geschieht, bekommt Ingrid Fillenberg in ihrer täglichen Praxis hautnah mit: "Das reicht von Sprachlosigkeit bis zur offenen Gewalt."

Die diplomierte Ehe-, Familien-, und Lebensberaterin hilft auch in Fällen, in denen nur noch die Trennung abzuwickeln ist: seit einem halben Jahr als Familien-Mediatorin. "Eine bei uns leider noch unbekannte Technik, die viel Zeit und Geld sparen helfen könnte", meint Elisabeth Jurklies von den Alleinerziehenden Müttern und Vätern. In ihrer Selbsthilfegruppe sind es vor allem die Neulinge, die noch oft unter dem Scheidungskrieg sowohl psychisch als auch finanziell leiden.

Den Konflikt runter holen



"Für uns ist es wichtig, den Konflikt auf eine Ebene herunterzuholen", assistiert Interessenskollegin Birgit Wittmann, "auf der wieder normal kommuniziert werden kann. Dazu kann eine Mediation beitragen." Ein Grund dafür, warum die beiden Gruppensprecherinnen die Werbetrommel für Fillenberg rühren. "Mediation ist keine Beratung, keine Therapie und keine Rechtsberatung", grenzt Fillenberg ihre am ISKA-Institut von FH-Professor Roland Proksch erworbene Zusatzqualifikation ab. Fünf Schritte charakterisieren das Verfahren:

Die Klärung der Motivation und Freiwilligkeit

Gemeinsam werden die zu klärenden Fragen besprochen

In einem Brainstorming werden Lösungsansätze erarbeitet

Man einigt sich auf beiderseits akzeptable Regelungen und

hält diese in einem verbindlichen Vertrag fest.

"Voraussetzung für diese Form des Konfliktmanagements ist neben der Freiwilligkeit eine gewisse emotionale Distanz vom ehemaligen Partner. Wenn ständig tiefe Verletzungen wieder aufbrechen, sollte das vorher in einer Beratung aufgearbeitet werden", rät Fillenberg. "In einer Mediation geht es nüchtern wie bei einer Geschäftsbesprechung zu. Meine Rolle dabei ist es, die beiden Parteien dazu zu bewegen, sich zuzuhören. Oft klären sich schon allein dadurch Missverständnisse auf."

Wieder mehr Gewalt



Auch Selbsthilfe-Profi Jurklies kennt die Situation, wenn der hinein interpretierte Vorwurf jedes Gespräch zunichte macht: "Wenn eine Frau davon ausgeht, dass der Vater den Kleinen nur deshalb abholen will, um sie zu ärgern, dann ist ein nervtötender Konflikt auf dem Rücken des Kindes vorprogrammiert. Umgekehrt glauben Väter oft, dass ihre Ex-Frauen sie einfach beschwindeln, wenn sie zweimal hintereinander vergeblich klingeln, weil das Kind angeblich schon wieder krank ist." Bei der Mediation hören die Kontrahenten vor neutraler Kulisse genauer hin - und bemerken nicht selten erstmals, dass es dem anderen tatsächlich um das Wohl der Kinder geht. "Dann sind wir auf dem besten Weg, Lösungen zu finden, die für alle Betroffenen etwas bringen."

Anders als bei der Beratung soll die Mediation nicht die emotionale Seite des Konflikts neu aufrühren, sondern sachliche Wege raus aus der Betroffenheitsfalle aufzeigen: "Wenn die Verletzungen zu groß sind oder Gewalt im Spiel ist, sollte man es erst mit Beratung oder Therapie versuchen", schlägt Fillenberg vor.


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