Grafenwöhr
NPD-Zentrale in der Tennishalle?
Rechtsradikale Partei hat Interesse - Unternehmer will leer stehende Immobilie abstoßen
Grafenwöhr. (rgr) Wolfgang Jürgens (66) glaubt, er hätte den Vertrag schon so gut wie in der Tasche. Die Tennishalle beim Waldbad soll neues Hauptquartier des NPD-Landesverbandes Bayern werden. Die rechtsradikale Partei allerdings dementiert: "Wir wollen uns die Immobilie ansehen, aber entschieden ist noch nichts", betonte ein Sprecher am Mittwoch.
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| Hier ist es noch eine Bildmontage: Gibt es bald regelmäßig Nazis vor und in der Tennishalle in Grafenwöhr? (Bilder: rgr, dpa, Montage: üd) |
Der Unternehmer Wolfgang Jürgens hatte die Tennis- und Squash-Halle im November 1996 für 1,3 Millionen Mark ersteigert, nachdem vorher schon reihenweise Versteigerungstermine gescheitert waren. Jetzt will er sie abstoßen. Nach seinen Angaben gibt es ein Schreiben von der NPD über einen Mietkauf. Darauf fehle nur noch die Unterschrift - "reine Formsache", ist er sich sicher. Die Tennishalle sei günstig gelegen, ein "Platz zum Treffen in der Mitte Deutschlands".
Für die NPD sieht die Sache ein bisschen anders aus. Pressesprecher Günter Kursawe bestätigte das Interesse "an einer Immobilie mit vier Tennisplätzen". Gesehen habe er sie noch nicht. "Es werden Gespräche mit dem Inhaber geführt", erklärte Sascha Rossmüller, der Landesgeschäftsführer der NPD Bayern in Rain (bei Straubing). Es werde überlegt, die Anlage durch Anmietung oder durch einen Mietkauf zu nutzen. "Aber das Ergebnis ist noch offen", erklärte das Mitglied des Parteivorstandes. "Es steht auch noch kein Besichtigungstermin fest", so Rossmüller.
Bürgermeister Helmuth Wächter wusste bis Mittwoch nichts von einem Vertrag zwischen Wolfgang Jürgens und der NPD. "Die Tennishalle ist nur für Sport- und Freizeitnutzung zugelassen", stellte er klar. Der Bereich dort sei im Flächennutzungsplan als Freizeit- und Erholungsfläche eingetragen, ergänzte Willi Keck, der Geschäftsleiter der Stadt.
"Der Eigentümer kann zivilrechtlich die Tennishalle verkaufen an wen er will", erklärte Dr. Alfred Scheidler, Jurist am Landratsamt Neustadt/WN. "Wenn die Tennishalle als solche genutzt wird, kann keiner was machen." Sollte sie jedoch als Parteizentrum oder für Kundgebungen vorgesehen sein, müsse erst eine Nutzungsänderung genehmigt werden. Seine Behörde werde das baurechtlich objektiv beurteilen.
Wolfgang Jürgens wollte 1996 ein Trainingszentrum aufbauen und seine Tochter Jenny - ein hoffnungsvolles Talent - als große Spielerin herausbringen. Die junge Frau zog sich eine Wirbelsäulenverletzung zu und gab den Sport auf. Die hochtrabenden Pläne scheiterten. Das Objekt stand von Anfang an meistens leer und verkam. Auch ein Sturm richtete erheblichen Schaden an; ein Teil der Außenverkleidung wird seitdem zusätzlich abgestützt. 2003 musste der Kaufmann nach eigenem Bekunden weitere 220 000 Mark in Reparaturen stecken.
Weil die Grafenwöhrer kein Interesse am Tennisspielen zeigten, will Jürgens die Halle abstoßen. Er habe bisher nur draufgezahlt, gesteht er. Käufer oder Mietinteressent könnte jetzt die NPD sein.
Vor knapp einem Jahr sollte das Sportzentrum neu belebt werden. Ronny Kubasch aus Starnberg sowie Mario Bergmann und Sandra Bank aus Dresden sollten sich um die Tennishalle mit Sauna und dazugehörender Gastwirtschaft kümmern. Geplant war außerdem ein Internet-Caf© mit Billard- und Dartspiel als Attraktion für die Jugend. Aber das Gastspiel dauerte nur ein paar Monate. Für Jürgens ist das Objekt "von vorn bis hinten ein Flop". Die Unterhaltskosten für das Grundstück seien für die Katz'. "Deshalb muss ich es weg haben."
Hintergrund
Der Unternehmer Wolfgang Jürgens mit zweitem Wohnsitz am Ammersee besitzt außer der Grafenwöhrer Tennishalle noch ein Unternehmen mit einer Vollschaumproduktion (Matratzen) in der Schweiz und eine Firma zur Projektierung von Ressorthotels in Dresden; Jürgens Tochter Jenny ist die Inhaberin einer Internet-Firma. Laut seinen Angaben hätte er bereits einen Käufer für die Wohnung in dem Komplex gefunden.
170.000 Euro seien ihm geboten worden. Auch ein polnischer Spediteur wollte die Hallen als Umschlagplatz nutzen. Jürgens geht davon aus, dass ihm die Halle mindestens 300.000 Euro bringt. Von der Stadt Grafenwöhr habe er sich "verarscht gefühlt", als ihm Bürgermeister Helmuth Wächter 100.000 Euro bot.
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