Bayreuth/Kemnath
Notarzt muss Krankenhaus aushelfen
Versorgungsengpass nach der Klinik-Fusion in Bayreuth - Der "Hohen Warte" fehlen die Chirurgen
Erst vergangene Woche war die Chirurgie des Bayreuther Krankenhauses "Hohe Warte" ins Klinikum Bayreuth umgezogen. Seither gibt es an der "Hohen Warte" keinen Chirurgen mehr, der im Notfall operieren kann. Am Wochenende hätte die Klinikfusion beinahe ein Menschenleben gefordert.Bei einem Frontalzusammenstoß am Samstag auf der B 303 wurden ein 18-jähriger Führerscheinneuling und sein 17-jähriger Beifahrer aus Marktredwitz schwer verletzt. Der Rettungsdienst brachte die beiden nach der Erstversorgung durch einen Thurnauer Notarzt in das Krankenhaus "Hohe Warte". Nach der Erstuntersuchung musste der Bayreuther Notarzt anrücken und den Verunglückten wegen eines lebensbedrohlichen Lungenrisses behandeln. Erst dann wurde das Unfallopfer in das Klinikum Bayreuth verlegt.
Damit haben sich die schlimmsten Befürchtungen der Bayreuther Notärzte bestätigt. Seit bekannt wurde, dass die chirurgischen Fachkräfte auf Grund der Klinikfusion vom Krankenhaus "Hohe Warte" ins Bayreuther Klinikum verlegt werden, warnten die Notfallmediziner vor eben jener Situation. Die Neurochirurgie ist nämlich nicht mit umgezogen. Nach wie vor werden Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Verletzungen nach der Erstversorgung am Unfallort ins Krankenhaus "Hohe Warte" gebracht. Betroffen davon sind auch Unfallopfer aus den Grenzregionen der Oberpfalz.
Es gibt kaum einen Unfall, bei nicht noch Begleitverletzungen vorhanden sind. Oft sind diese erst nach aufwendigen Computer- Röntgen- oder Ultraschall-Untersuchungen zu diagnostizieren. Bei inneren Verletzungen muss der Patient dann - wie am Samstag - in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, weil es in der "Hohen Warte" keinen geeigneten Chirurgen mehr gibt, der derartige Verletzungen sofort operieren könnte.
Vor kurzem haben die Bayreuther Notärzte auf genau diese Problematik in einem Schreiben an die beiden ärztlichen Klinikdirektoren und den Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH hingewiesen. Krankenhaus-Zweckverbands-Vorsitzender Landrat Dr. Klaus-Günter Dietel wies die Vorwürfe inzwischen als "Medienaufputsch" zurück. Im Krankenhaus "Hohe Warte" gebe es keinerlei Versorgungsengpässe. Auch von Abstimmungsproblemen zwischen dem Klinikum und der "Hohen Warte" könne keine Rede sein.
Nichts gewusst
Recherchen unserer Zeitung kommen aber zu einem anderen Ergebnis: Zwei Notärzte, die in Kemnath im Einsatz sind, und auch Dr. Mathias Kalkum, Leitender Notarzt für den Landkreis Tirschenreuth, bestätigen auf Anfrage übereinstimmend, dass ihnen der Abzug der Notfallmedizin aus der "Hohen Warte" noch nicht bekannt sei. Auch sie würden beispielsweise einen Verunglückten mit Schädel-Hirn-Verletzungen aus dem grenznahen Oberpfälzer Raum nach wie vor in die "Hohe Warte" bringen.
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