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Von Uli Piehler  |  02.12.2004  | Netzcode: 10647830  |  770 Mal gelesen.
Plauen/Eger

Streit um das "Tal der Tränen"

Eklat bei Foto-Ausstellung zum Thema Kinderprostitution in Tschechien - Polizei wiegelt ab

Plauen/Eger. Dicke Luft im Plauener Kulturzentrum: Am Rande der Eröffnung einer Foto-Ausstellung über Kinderprostitution im tschechischen Grenzgebiet kommt es zu einem Eklat zwischen deutschen Sozialarbeitern und Vertretern der tschechischen Polizei.

karo
Auf dem Podium (v.l.) Andrea Sachs (Stadt Plauen), Helga Kuhn (Unicef), Cathrin Schauer (Karo), Fotografin Sabine Sauer-Hetzer, Ludmilla Irmscher und Cornelia Endreß (beide Karo). (Bilder: Piehler)
"Tal der Tränen - Impressionen aus einer tschechischen Grenzregion" ist die Ausstellung überschrieben, die seit Mittwoch im Alten Malzhaus in Plauen zu sehen ist. Sabine Sauer-Hetzer vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" zeigt Fotos, die sie im Sommer 2000 verdeckt vom Egerer Straßenstrich geschossen hat.

Keine Beweise



"Diese Bilder sind eine Beleidigung für uns Tschechen", entfährt es dem Egerer Polizeidirektor Jaroslav Kerbic, der extra zur Ausstellungs-Eröffnung angereist ist. "Sie könnten an jeder Straßenecke einer beliebigen Stadt in Europa aufgenommen worden sein." Zu sehen sind Buben, die auf einem Bürgersteig herumlungern. Der jüngste, etwa fünf Jahre alt, hält eine Sektflasche in der Hand. Zu sehen sind nicht viel ältere Mädchen in adretten Kleidchen, wie sie am Straßenrand stehen. Beweise für Kinderprostitution?

"Es war unheimlich schwierig, in diesem Mileau zu fotografieren", sagt Sabine Sauer-Hetzer. Die Kinder und ihre Hintermänner sollten so wenig wie möglich davon mitbekommen. Eine Woche lang ging das gut. "Dann hatte sich herumgesprochen, dass da jemand Fotos macht." Die Reporterin beteuert: "Das, was ich gesehen habe, war erschreckend."

Karo
Zeichen setzen im Kampf gegen AIDS: Im Plauener Malzhaus zündeten Mitarbeiter des Projekts Karo Kerzen an.
Vor einem Jahr hatte ein Buch von Cathrin Schauer für Aufsehen gesorgt. Darin berichtet die Streetworkerin im deutsch-tschechischen Rotlicht-Mileau von einer massenhaften Kinderprostitution rund um Eger. Die Freier kämen aus ganz Deutschland, oftmals gewaltbereit und pervers. "Viele Männer betrachten das Gebiet als rechtsfreien Raum. Sie verlangen nach ungeschütztem Sex", sagt Schauer: "Die Kinderprostitution hat sich in den vergangenen Monaten in den Untergrund verlagert. Abgenommen hat sie nach unserem Eindruck nicht."

Den Saal verlassen



Der Egerer Polizeidirektor schüttelt den Kopf. "Es gibt ein paar Einzelfälle", kontert er. "Von massenhafter Kinderprostitution kann keine Rede sein." Seit dem Jahr 2000 habe seine Behörde lediglich sieben Fälle registriert. Während das Galli Theater aus Erfurt eine auf den Straßenstrich zugeschnittene Version des Märchens vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf aufführt, verlässt Kerbic den Saal.

Cathrin Schauer: "Kinder auf dem Strich - Bericht von der deutsch-tschechischen Grenze"

; Verlag Horlemann, 136 Seiten, ISBN 3-89502-174-1, 9,90 Euro. ( Buch bei Amazon.de bestellen )

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