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Von Bianca Viehauser  |  30.08.2004  | Netzcode: 10607036  |  61 Mal gelesen.
Kreuth

"Böhse Onkelz": Mythos und Magie

Deutsche Rockband startet letzte Tournee in Ostbayernhalle - Party und weinende Fans

Kreuth. 10 300 begeisterte Fans, ein sich bewegender Teppich aus Armen und Köpfen, der Übergang von Zuschauertribüne und Arena verschwimmt - die Ostbayernhalle ist der Hexenkessel, die "Böhsen Onkelz" die Magier.

Die Stimmung ist unbeschreiblich am Samstag Abend. Konzerte der deutschen Rockband "Böhse Onkelz" knallen immer, sind immer laut und immer faszinierend. Aber keiner der vergangenen drei Auftritte in Kreuth war besser.

In der Ostbayernhalle starteten Stefan, Gonzo, Kevin und Pe die vorerst letzte Tour mit 24 Konzerten, die alle seit Wochen ausverkauft sind. Die Band hat beschlossen, sich nach einem Abschluss-Open Air im Juni nächsten Jahres zu trennen. Der "Mythos Onkelz" war nie stärker als jetzt - an was es liegt, keine Ahnung! Natürlich, alle wollten sie ihre Stars auf der letzten Tour noch einmal so richtig feiern, sie noch einmal hochleben lassen. Aber während des Konzerts keine Spur von Traurigkeit oder Abschied - die Onkelz wären nicht die Onkelz, wenn sie auf die Tränendrüse gedrückt und das Ganze als Abschieds-Herz-Schmerz verkauft hätten. Wie Frontman Stefan Weidner schon sagte: "Wir sind heute hier zum Feiern, traurig sein können wir auch später."

Die Rock-Combo besteht seit 24 Jahren, die Formation hat sich seither nie verändert. "Die Fantastischen Vier", wie sie sich selbst gerne nennen, gelten als Rebellen des Musikbusiness. Ihre gnadenlosen Songtexte richten sich gegen Kommerz, Scheinheiligkeit, Lügen und Doppelmoral, was sie nicht bei allen beliebt macht. Vieles wurde den Onkelz angedichtet und untergeschoben, doch die Musiker machten ihren Weg und sammelten eine goldene Schallplatte nach der anderen. Ende Juli schoss ihr neues Album "Adios" von 0 auf Platz 1 der Media Control Charts.

Fest in der Hand der Fans war Kreuth seit Freitagabend: Sie übernachteten in den zum Gut Matheshof gehörenden Ferienwohnungen oder veranstalteten Camping-Sessions auf dem Parkplatz gegenüber der Halle. Am Samstagnachmittag gegen zwei Uhr waren die beiden Großparkplätze gerammelt voll, Gesänge allenthalben und gute Laune. 16.45 Uhr Einlass und schon gings los.

Eine überdimensional große Hand, aus deren Fingerspitzen Feuerfontänen sprühten, bewegte sich über der Bühne in Richtung Hallendach, dazu erklang ein lautes Donnergrollen, die Vorhänge fielen und gaben den Blick auf eine atemberaubende Bühnenkulisse frei.

"Ich will lieber stehend sterben als kniend leben" schreit Kevin Russel ins Mikro. 11 000 Kehlen schreien mit, und schnell wird klar, warum die Onkelz-Fans als der deutsche "Background-Chor" schlechthin gelten. Neben dem schwer tätowierten Kevin, der die langen blonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen hat, steht Stefan Weidner, Bassist und Kopf der Band, ebenfalls an beiden Armen tätowiert und begrüßt die Fans: "Es freut mich, dass ihr diesen Arsch der Welt gefunden habt."

Rechts und links der Bühne ziehen riesengroße Videoleinwände alle Blicke auf sich, im Rücken der Band eine gigantisch-pompöse Lightshow und aus den Boxen jagen 250000 Watt.

Songs, die richtig schrubben, mit bösen und gemeinen Texten und Balladen, die vielen aus der Seele sprechen - das sind die Onkelz und dafür lieben sie ihre Fans.

Das Konzert besticht durch eine bunt gemischte Setlist mit alten und neuen Klassikern wie "Ich bin in Dir", "Wieder mal 'nen Tag verschenkt", "Terpentin", "Nichts ist für die Ewigkeit", "Nur die Besten sterben jung".

Der Zugabenteil sollte wohl etwas ganz Besonderes werden und so greift "Pyro-Mane", der Typ, der sich die Spezialeffekte ausdenkt, noch mal tief in die Trickkiste. Bei dem Song "Feuer" steht die ganz Bühne in Flammen und meterhohe Feuerfontänen schießen immer wieder aus den beiden äußeren Bühnentürmen. "Auf gute Freunde", "Kirche", die Fußballhymne "Mexico" und der neue Titel "Ihr hättet es wissen müssen" vervollständigen die Zugabe. Sehr emotional - die Fans hätten es wissen müssen, weinen aber trotzdem zuhauf - eben zum letzten Mal in Kreuth.

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