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Von Bianca Viehauser  |  28.08.2004  | Netzcode: 10606536  |  112 Mal gelesen.
Kreuth

Entweder du hasst sie oder liebst sie

Tourneestart von "Böhse Onkelz" heute in Kreuth - Interview mit Tournee-Manager Hess

Kreuth. 10 000 Fans werden heute Abend in der Kreuther Ostbayernhalle der umstrittenen deutschen Rockband "Böhse Onkelz" einen fulminanten Empfang bereiten. Thomas Hess ist der Tournee-Manager und seit knapp zwei Wochen mit der Vorproduktion auf Gut Matheshof in Kreuth.

Die Musiker, Stefan Weidner (Bass), Kevin Russel (Gesang), "Gonzo" Matthias Röhr (Gitarre) und Pe Schorowsky (Drums) bereiten sich seit einer Woche auf den heutigen Tournee-Start vor. Es wird die vorerst letzte Tour der Combo sein - und alle 24 Konzerte sind ausverkauft, denn die "Onkelz" haben beschlossen, sich zu trennen.

Thomas Hess sorgt seit zwölf Jahren dafür, dass auf Tour Alles glatt läuft. Er überwachte auch die Vorproduktion mit Bühnen-, Licht- und Tonaufbau in Kreuth. Der AZ stand er Rede und Antwort.



Hess: Nach fast 25 Jahren geht jede Ehe mal in die Brüche. Ich hoffe, dass sie wieder zusammenkommen.

Wie lange steht die Trennung schon fest?

Hess: Seit etwa einem halben, dreiviertel Jahr. In der Phase des neuen Albums hat man den Entschluss gefasst, dass es das letzte Live-Album sein wird. Natürlich werden aus dem Material, das noch da ist, neue Sachen gemischt, eine DVD wird noch rauskommen und es gibt einen zweiten Teil des Onkelz-Buches "Danke für nichts".

Managen Sie auch Tourneen von anderen Bands?

Hess: In den verschiedensten Positionen, zum Beispiel DJ Bobo oder Saxon, und große Festivals wie das Wacken-Open Air. Im Jahr sind es so zwischen 120 und 150 Veranstaltungen, auch Marathonlauf und Basketball-Turnier - Alles was eben anfällt.

Was haben Sie als nächstes vor?

Hess: Ich bin jetzt schon im nächsten Projekt für die Onkelz: Wir planen ein Abschlusskonzert mit zwei großen Shows am Lausnitzring. Die ersten zwölfeinhalb Jahre Bandgeschichte wird die erste Show, die anderen zwölfeinhalb Jahre die zweite Show sein. Das Open Air ist zugleich 25-jähriges Band-Jubiläum und Abschlusskonzert im Live-Breich.

Was unterscheidet "Adios" von den anderen Alben?

Hess: In Teilen ist es musikalisch gereifter und anspruchsvoller, weniger Keyboard-lastig. Die typischen Onkelz-Rhythmen sind aber dabei - es ist eben Geschmackssache.

Haben Sie einen Lieblingssong oder ein Lieblingsalbum? Hess: "Lieber stehend sterben" ist mein Lieblingssong, weil es eigentlich mein Lebensmotto ist, und der Satz von mir stammt. Meine Lieblingsalben sind "Heilige Lieder" und die "Schwarz in Weiß" - erinnert mich an Vieles, das waren die Anfänge.

Können Sie die Musik von den Onkelz noch hören?

Hess: Ja klar, immer mal wieder, aber nicht andauernd - vor allem zu den gegebenen Anlässen.

Die komplette Tour ist ausverkauft - ohne Werbung! Was unterscheidet die Onkelz-Fans von anderen?

Hess: Das macht die Geschichte der Onkelz aus. Entweder du hasst die Band oder du liebst die Band. Das hat die Gemeinschaft der Fans immer weiter zusammengeschweißt. Wir wollen hoffen, dass der "Mythos Onkelz" noch lange weiterlebt.

Warum macht ihr eure Vorproduktion immer gerade in Kreuth?

Hess: Wir kommen jetzt das dritte Mal hierher. Die Gastfreundschaft und herzliche Aufnahme der Mitarbeiter des Gut Matheshof haben wir immer sehr geschätzt. Man kann sagen, dass wir nirgendwo in Deutschland so herzlich und willkommen aufgenommen werden. Mit einigen Leuten hier verbinden uns mittlerweile Freundschaften, die von den Onkelz unabhängig sind. Durch die abgeschiedene und ruhige Lage können wir ohne Störungen unsere Vorproduktion durchziehen. Für mich ist es hier wunderbar zu produzieren. Trotz der Abgeschiedenheit haben wir Techniker und alles, was wir brauchen. Die Anlage an sich ist super. Gerade für mich, da ich ab und zu auch gerne mal reite und vom Gaul falle.

Was macht die Arbeit eines Tourneemanagers aus?

Hess: Um so ein Projekt wie die Onkelz-Tour zu planen, sind wir zweieinhalb Jahre am Arbeiten. Das fängt bei uns an bei der Hallenbuchung bis zum Kartenverkauf - alles was dazu gehört. Vom Truck bis zum Tour-Bus läuft alles über meinen Tisch.

Wieviele Leute arbeiten an der Tour mit? Andere Zahlen?

Hess: Zwischen 120 und 300 Leute, zehn Trucks, neun Nightliner (Schlafbusse), es sind circa 120 bis 150 Tonnen Gesamtvolumen, die jeden Tag bewegt werden.

Welche Sonderwünsche und Spleens haben Rockstars?

Hess: Da sind die Onkelz ziemlich pflegeleicht. Es gibt andere in dem Geschäft, die mehr einen an der Klatsche haben.


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