Bogen-Oberalteich
Rebellion am Tabernakel
Suspendierter Pfarrer Trimpl feierte gestern Gottesdienst
(dpa/hfz) Der bei seinem Dienstvorgesetzten, dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, in Ungnade gefallene Pfarrer Hans Trimpl hat trotz eines durch die Diözese ausgesprochenen Verbots am Donnerstagabend einen Gottesdienst vor vollbesetztem Haus abgehalten, ohne in seiner Predigt auf den aktuellen Konflikt mit dem Bistum einzugehen. Er wurde auch in keiner Weise an der Ausübung seines Amtes gehindert. Der vom Bischof eingesetzte Administrator Pater Kilian Saum hat vor der Messe mit Trimpl gesprochen, einen Eklat aber vermieden. Am Gottesdienst selbst, zu dem ihn Trimpl einlud, nahm er nicht teil. Nichts erinnerte am Donnerstagabend im ehemaligen Benediktinerkloster in Bogen-Oberalteich daran, dass ein erbitterter Kirchenstreit auf den Höhepunkt zusteuert. Während in der prachtvollen Barockkirche St. Peter und Paul Gymnasiasten mit ihrem Religionslehrer einen Gottesdienst feierten, nahm im benachbarten Pfarrhaus der suspendierte Priester Hans Trimpl bereits am Nachmittag seine Arbeit wieder auf.Trotz eines ausdrücklichen Verbotes durch den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller lud der 60-Jährige am Donnerstagabend die Gläubigen zu einer Eucharistiefeier ein. Trimpl sieht sich nach den Vorschriften des kirchlichen Gesetzbuches "Codex Iuris Canonici" weiter als rechtmäßigen Pfarrer an. Das Kirchenrecht sieht nämlich vor, dass Beschwerden gegen Strafdekrete eine aufschiebende Wirkung haben. Dadurch gibt es mittlerweile zwischen Trimpl und der Bistumsleitung einen permanenten Schriftwechsel von Anträgen, Beschwerden und Zurückweisungen.
Am Donnerstag ging der Schlagabtausch in die nächste Runde: Nach Angaben seines Beraters, des Regensburger Theologieprofessors August Jilek, verfasste Trimpl eine neue Beschwerde und faxte diese nach Regensburg. "Damit ist die alte Rechtslage wieder hergestellt", sagte Jilek. Trimpl sei wieder Priester in Oberalteich. Bei der von Jilek und Trimpl erwarteten erneuten Ablehnung wollen die beiden den Vatikan einschalten. Der Geistliche will so lange Ortspfarrer in Niederbayern bleiben, bis eine Entscheidung aus Rom vorliegt.
Auf Polizei verzichtet
Die Bistumsleitung wusste offenbar zunächst nicht, wie sie auf den Sonderweg Trimpls reagieren soll. "Die Kirche ist kein Staat, der die Polizei aufmarschieren lässt", sagte Bistumssprecher Philip Hockerts. Trimpls Vorgehen verglich der Pressesprecher allerdings mit einem "Amokläufer". Auch mit dem von Müller eingesetzten Pfarradministrator Pater Kilian Saum kam es zu keiner direkten Auseinandersetzung. Der Ordensbruder ließ sich nur im Auto an dem Pfarrhaus vorbeifahren, das Gebäude betrat er nicht. Trimpl hatte angekündigt, ihn sonst als Hausherr des Pfarramtes verweisen zu wollen.
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