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Von Hans-Jürgen Krehl  |  14.07.2004  | Netzcode: 10585722  |  485 Mal gelesen.
Windischeschenbach

Oberpfalz schwimmt auf keinem See

Neue Erkenntnisse der Geo-Wissenschaftler - Erdwärme für die Stromgewinnung nutzen

Windischeschenbach. Dass in der Oberpfalz tiefe Löcher gebohrt wurden, ist nicht neu und überdies weithin sichtbar: Der KTB-Bohrturm überragt Windischeschenbach. Dass sich nicht nur unter jenem Turm eine 9100 Meter tiefe Bohrung befindet, sondern in seinem Schatten nur etwa 200 Meter westlich davon auch noch die 4000 Meter tiefe Vorbohrung aus den Jahren 1987 bis 1989, hat die Geowissenschaftler nicht ruhen lassen.

Unter Leitung von Professor Dr. Jörg Erzinger vom Geo-Forschungszentrum Potsdam (GFZ) helfen jetzt der Leiter des Instituts für geowissenschaftliche Aufgaben (GGA) in Hannover, Professor Dr. Hans-Joachim Kümpel, und Professor Serge A. Shapiro von der Freien Universität (FU) Berlin einem "Mangel" am KTB ab. Während der Jahre 2002 und 2003 wurde an der Vorbohrung erst einmal geprüft, wieviel denn überhaupt von dem überraschender Weise in nur Millimeter großen Klüften und Hohlräumen gefundenen "kontinentalen Tiefenwasser" zu fördern ist.

Salziger wie die Nordsee



Über insgesamt zwölf Monate hinweg waren zum Abschluss der Pumptests im Juni 2003 insgesamt 23 000 Kubikmeter dieser ungewöhnlichen Flüssgikeit an die Oberfläche gepumpt worden. Eine beachtliche Menge zwar, beileibe aber kein "See, auf dem die Oberpfalz schwimmt", wie es einmal durch die deutsche Presse geisterte.

Und es ist kein gewöhnliches Wasser: zweimal so salzig wie Nordseewasser, die darin gelösten Gase sprudeln an der Oberfläche aus, wie wenn eine Mineralwasserflasche geöffnet wird. Inzwischen nach allen Vorgaben der Geophysik und Geochemie untersucht, ist das Wasser überdies in knapp 4000 Metern Tiefe 120 Grad heiß. Ebenso wie das 270 Grad heiße Wasser in der Hauptbohrung würde es an der Erdoberfläche schlicht "verkochen".

Millionen Jahre alt



Ein weiteres Faszinosum erläutert Projektleiter Erzinger: "Das Wasser ist zwischen einem und 50 Millionen Jahre alt. Genau weiß man das ebenso wenig, wie es in so große Tiefen gekommen ist.

Die enorm hohen Temperaturen in beiden Bohrungen eröffnen freilich einen erfreulichen Zukunftsaspekt: Die Wärmeenergie könnte genutzt werden zur Stromerzeugung. Mittlerweile aber wird schon länger kein Wasser mehr herausgeholt, jetzt wird unter Leitung von Projektingenieur Miel Kühr bei 95 bar Druck 200 Liter oberpfälzisches Wasser pro Minute in die Vorbohrung hineingepresst. Der Holländer, der das KTB-Projekt schon über Jahre hinweg als Techniker begleitet: "Wir haben gemessen, dass die Wassertemperatur von 115 Grad auf fast 4000 Meter Tiefe auf 57 Grad gesunken ist." Auch dies ist wieder ein Hinweis auf die Nutzung der Wärme im Erdinneren unter der Oberpfalz.

Im Augenblick aber verfolgen die Wissenschaftler ein anderes Ziel. Das seit Mai 2004 unter solch hohem Druck in die unterirdischen Klüfte gepresste Wasser sprengt diese förmlich, weitet sie. Die auf diese Weise erzeugten Erschütterungen dienen der Erdbebenforschung: Was passiert bei oder vor einem Erdbeben in der Tiefe. Angst vor den künstlich erzeugten "Erdbeben" muss freilich kein Oberpfälzer haben. Geophysiker Shapiro: "Das ist allenfalls ein Knistern in 4000 Meter Tiefe."

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