Auerbach
"Gutes Gefühl, helfen zu können"
Bernhard Wallner aus Auerbach spendet Stammzellen für ein an Leukämie erkranktes Mädchen
Auerbach. Im Grunde ist Bernhard Wallner ein Lebensretter, auch wenn er gar nicht viel Aufhebens drum machen will: Er hat Stammzellen für ein zweijähriges Mädchen aus den USA gespendet. Ob die Behandlung tatsächlich erfolgreich war, erfährt er in einigen Wochen. Denn drei Monate nach der Spende - sie war bei Bernhard Wallner am 26. Mai - wird einem mitgeteilt, ob der Organismus des Kranken die Zellen angenommen hat.
Begonnen hat alles vor dreieinhalb Jahren recht familiär. Michael Sporrer, Vorsitzender des Vereins "Hilfe für Anja", der einen Knochenmarkspender für ein kleines Mädchen aus Bamberg sucht, hatte eine Typisierung in Kirchenthumbach organisiert und die Verwandtschaft dazu eingeladen.Bei der Typisierung wird eine kleine Menge Blut abgenommen. Wenige Tropfen reichen für eine Analyse, ob die Gewebemerkmale von Patient und potenziellem Spender übereinstimmen. Bernhard Wallner - er ist ein Cousin von Michael Sporrer - ließ sich damals testen.
Hausarzt, dann Klinik
Eine Zeitlang passierte nichts, Dann meldete sich im im Februar diesen Jahres die "Deutsche Knochenmarkspenderdatei" (DKMS). Bernhard Wallner erfuhr, dass seine Merkmale eventuell auf einen Kranken zutreffen. Nach weiteren Untersuchungen beim Hausarzt stand drei Wochen später fest: Alles passt.
Übrigens wäre in diesem Fall auch der Zwillingsbruder von Bernhard Wallner als Spender in Frage gekommen. Bei ihm fiel die Übereinstimmung nur minimal geringer aus. Doch Bernhard Wallner zögerte keinen Augenblick, sich selbst der Hauptuntersuchung im Städtischen Klinikum in Nürnberg zu stellen.
Hier erfuhr er, dass ein zweijähriges Mädchen aus Amerika die Empfängerin seiner Stammzellen sein sollte. "Mehr dürfen die dort nicht sagen, und ich wollte auch gar nicht mehr wissen", erklärt der Familienvater. "Es spielt ja im Grunde keine Rolle, für wen man spendet."
Und kam vor dem Eingriff nicht etwas Unsicherheit oder Angst auf? "Nein", meint Bernhard Wallner, "die Freude, dass man helfen kann, hat überwogen. Und man muss da auch gar kein mulmiges Gefühl haben", befindet er im Rückblick. Er entschied sich für das Herausfiltern der Stammzellen aus dem Blut.
Bei der anderen Variante, der Entnahme von Knochenmark mit einer Injektionsnadel aus dem hinteren Beckenknochen unter Vollnarkose, wäre er eine Woche krankgeschrieben worden. Und das wollte Wallner nicht, der gerade zu diesem Zeitpunkt eine neue Arbeitsstelle angetreten hatte.
"Es tut nicht weh"
Vor der Spende erhielt er einige Tage lang Medikamente, die die Produktion der Stammzellen anregen. Der Vorgang, sie aus dem Blut zu filtern, dauerte etwa viereinhalb Stunden. "Es tut nicht weh", sagt er, "man ist lediglich hinterher etwas groggy. Und das wird aufgewogen durch das gute Gefühl, dass man jemanden vielleicht hat helfen können." "Es war auch etwas Besonderes, weil es ein Kind war, das die Hilfe brauchte", ergänzt Bernhard Wallners Frau Martina.
Ein Kurier brachte die Stammzellen auf dem schnellsten Weg zu der kleinen Patientin in die USA. Bernhard Wallner ist jetzt in der DKMS zwei Jahre lang für die Spende an andere Kranke gesperrt. Eine Vorsichtsmaßnahme, um der kleinen Amerikanerin noch einmal Stammzellen abgeben zu können, wenn bei ihr Schwierigkeiten auftreten sollten.
Am liebsten ohne Rummel
Nach zwei Jahren könnten Spender und Empfänger die Adresse des Gegenübers von der DKMS erfahren und Kontakt aufnehmen, wenn sie es wollten. Bernhard Wallner glaubt nicht, dass er das tun wird. Ihm ist es lieber, wenn kein großer Rummel gemacht wird; auch ein Bild von sich in der Zeitung wollte er nicht sehen.
Über den Blumenstrauß, den die DKMS zwei Tage nach der Spende durch Fleurop bringen ließ, hat er sich zwar gefreut, aber den kleinen Fresskorb, der einige Wochen später kam, fand er schon übertrieben: "Das hätte nicht sein müssen, die hätten das Geld lieber für die Kosten der Typisierungen nehmen sollen."
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