Auerbach
"Etwas zu viel an Zufällen"
Landesbund für Vogelschutz sucht nach Gegnern von Auerochsen und Wildpferden
Auerbach. (srz) Dass Auerbach im Stadtwappen den Kopf eines Auerochsen führt, weist darauf hin, dass dieses Tier früher eine wichtige Rolle spielte. Darauf macht der Landesbund für Vogelschutz (LBV) aufmerksam. Er betreut die auf Leonie weidenden Heckrinder, die den Auerochsen nachgezüchtet wurden und für das dortige Naturschutzgebiet wichtige Aufgaben wahrnehmen.
"Ohne Auerochsen würde das Gebiet längst verbuschen und damit als Biotop für zahlreiche Bodenbrüter und Amphibien sowie viele Pflanzenarten ausfallen", unterstreicht Karl Kirchdörfer (Amberg) namens des LBV. In Tümpeln gebe es wichtige Bestände an Laubfröschen, Teich- und Kammmolchen oder der Gelbbauchunke. Man finde seltene Heuschreckenarten oder auch Blumen wie die Küchenschelle auf dem Gelände. Durch das Abweiden entstünden strukturreiche Kleinbiotope, anders als wenn ganze Landstriche ständig gemäht werden würden.So gebe es durch Trittschäden Möglichkeiten der Besiedelung mit Pionierpflanzen, andererseits Flächen, die nur selten aufgesucht und nur in Notzeiten abgeweidet werden. Da die Flächen nicht gedüngt werden, müsse auf eine sich gut entwickelnde Weidefläche besonderes Augenmerk gelegt werden. Gute Ergebnisse würden erzielt, wenn Pferde und Rinder gemeinsam die Weidegründe nutzen, weil sie unterschiedliche Nährstoffansprüche haben. "Deshalb ist es sehr schade, dass es derzeit auf Leonie keine Pferde gibt", bedauert Kirchdörfer. Vor dem Eingreifen des Menschen tummelten sich hier über viele Jahrtausende sowohl Auerochsen als auch Pferde.
Seit Erfindung der Feuerwaffen hätten Großtiere keine Chance mehr in freier Wildbahn. Selbst auf dem Gelände der Grubenfelder Leonie, das dem LBV gehört, und das sich zum Naturschutzgebiet entwickelt hat, gebe es offensichtlich Menschen, die sich an den Tieren im umzäunten Gelände störten. Das LBV-Projekt auf Leonie sei inzwischen bundesweit bekannt und anerkannt. Ohne Auerochsen und Pferde wäre das Freihalten des Geländes und damit die Erhaltung der Lebensgrundlagen vieler Arten der Schöpfung dort kaum möglich.
Beim LBV grübelt man, wer Interesse daran haben könnte, dass die Tiere von der Weide verschwinden: "Binnen zwei Wochen drei tote Pferde, eine tote Kuh, eine unter merkwürdigen Umständen entlaufene Kuh sowie mehrere Manipulationen am Elektrozaun - das sind etwas viele Zu- oder Unglücksfälle", urteilt Karl Kirchdörfer.
Unterdessen sind die weltweit äußerst seltenen Urwildpferde vom Eigentümer, dem Zoo in München, aus Sicherheitsgründen von Leonie entfernt worden. Sie waren eine echte Attraktion für Auerbach. Der Beweis waren die sehr gut besuchten Führungen von Bernhard Moos, die Gäste auch aus entfernten Regionen anzog. Auch der LBV gab mehrere junge Heckrinder an ein Naturschutzgebiet im Saarland ab. "Der begeisterte Empfang, der den Tieren im Saarland von der Bevölkerung bereitet wurde, lässt für die Zukunft hoffen, aber auch neidisch auf Regionen blicken, die offensichtlich für Naturschutz begeisterungsfähiger sind", so der LBV-Sprecher.
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