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Von Peter Klewitz  |  08.06.2004  | Netzcode: 10568477  |  555 Mal gelesen.
Regensburg/Kohlberg

Empörung und Buhrufe vor Regensburger Bischofssitz

Kohlberger demonstrierten gestern abend vor dem Dom - Regionaldekane sollten Schlagenhaufer und Trimpl in letzter Minute umstimmen

Regensburg/Kohlberg. "Wir sind Kirche, wir sind Kirche", so der Ruf von rund 250 Demonstranten gestern abend vor dem Bischöflichen Ordinariat in Regensburg. Empört über das Vorgehen von Bischof Gerhard Müller gegen die Pfarrer Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl forderten sie die sofortige Rücknahme der angedrohten Strafmaßnahmen.

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Karrikaturist Gerhard Schmidt (links) und Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus Kohlberg mit der Anstoß erregenden Karikatur aus dem Blatt "Pipeline". (Bild: dpa)
Dann überreichten sie Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner und Personalreferent Dr. Franz Frühmorgen eine entsprechende Resolution. Als Gegenfurtner das Papier mit den Worten entgegennahm "Ich hoffe, dass die beiden Priester einlenken", wurde er ausgebuht. "Frechheit, Unverschämtheit", tönte es aus den Reihen der Demonstranten. Mehrere Stimmen riefen nach dem Bischof.

"Der soll rauskommen, der Feigling!" Dann stimmte das rebellische Gottesvolk ein Kirchenlied an: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen...." Vorher hatten die Demonstranten, von denen etwa 200 mit vier Bussen aus Kohlberg angereist waren, sich vor dem Dom mit Transparenten aufgestellt. Nach Sepp Stahl vom Aktionskreis Regensburg und Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Oliver Heumann meldete sich auch Pfarrer Andreas Schlagenhaufer zu Wort und warf der bischöflichen Pressestelle Falschdarstellungen und Verschweigen von Fakten vor.

Der Grund für die Demo, bei der Töne angeschlagen wurden, wie sie das Ordinariat bisher wohl noch nicht auf offener Straße zu hören bekommen hat: Des Bischofs Ultimatum war abgelaufen. Die Pfarrer Schlagenhaufer und Trimpl hatten sich nicht vom "Aktionskreis Regensburg" (AKR) distanziert, wie ihr Oberhirte verlangt hatte.

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Gläubige vor dem Dom mit ihren Transparenten. Wegen des Streits mit zwei kirchenkritischen Priestern haben am rund 250 Gläubige vor dem Regensburger Dom gegen die Linie von Bischof Gerhard Ludwig Müller demonstriert. (Bild: dpa)
Gestern Nachmittag forderte Gerhard Ludwig Müller die beiden Regionaldekanen Gerhard Pausch (Weiden) und Jakob Hofmann (Straubing) sowie dem Weihejahrgang der beiden Priester auf: Sie sollen die Mitbrüder zum Einlenken bewegen. "Bis zum 7. Juni 2004 mittags war von den beiden Pfarrern keine Austrittserklärung aus dem Aktionskreis Regensburg und keine Entschuldigung für ihr kirchenschädigendes Verhalten im Ordinariat eingegangen", teilte die bischöfliche Pressestelle gestern kurz nach 16 Uhr mit.

"Da ein Verstreichenlassen dieser Chance durch die beiden Mitbrüder eine klare Gehorsamsverweigerung darstellt, die zu Konsequenzen zwingt, bitte ich Sie, heute Nachmittag bei dem zu Ihrer Region gehörigen Mitbruder vorstellig zu werden und im persönlichen Gespräch noch einmal eindringlich zu versuchen, ihn zum noch möglichen Einlenken zu bewegen", schrieb Bischof Gerhard Ludwig an die beiden Regionaldekane. In einem weiteren Fax an den Weihejahrgang 1969 bat der Bischof auch die Studienkollegen der beiden Priester, "das Ihnen Mögliche zu tun".

Gerhard Pausch hatte denn auch in seiner Weidener Pfarrei Herz Jesu ein etwa halbstündiges Gespräch mit Andreas Schlagenhaufer an. Ergebnis: unbekannt. Mehrere Mitbrüder aus Schlagenhaufers Weihejahrgang 1969 stärkten dem "Rebellen" angeblich den Rücken. Aus dem AKR will Schlagenhaufer nicht austreten: "Da sehe ich keinen Weg. Ich müsste die letzten 30 Jahre streichen - der Kreis hat uns sehr viel bedeutet." Im Übrigen nähmen sowohl er als auch Pfarrer Trimpl jedes Gesprächsangebot wahr. Es tue ihm leid, wenn der Bischof sich beleidigt fühle. Heute entscheidet eine Ordinariatskonferenz über die nächsten Schritte.

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