Regensburg/Kohlberg
Empörung und Buhrufe vor Regensburger Bischofssitz
Kohlberger demonstrierten gestern abend vor dem Dom - Regionaldekane sollten Schlagenhaufer und Trimpl in letzter Minute umstimmen
Regensburg/Kohlberg. "Wir sind Kirche, wir sind Kirche", so der Ruf von rund 250 Demonstranten gestern abend vor dem Bischöflichen Ordinariat in Regensburg. Empört über das Vorgehen von Bischof Gerhard Müller gegen die Pfarrer Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl forderten sie die sofortige Rücknahme der angedrohten Strafmaßnahmen.
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| Karrikaturist Gerhard Schmidt (links) und Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus Kohlberg mit der Anstoß erregenden Karikatur aus dem Blatt "Pipeline". (Bild: dpa) |
"Der soll rauskommen, der Feigling!" Dann stimmte das rebellische Gottesvolk ein Kirchenlied an: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen...." Vorher hatten die Demonstranten, von denen etwa 200 mit vier Bussen aus Kohlberg angereist waren, sich vor dem Dom mit Transparenten aufgestellt. Nach Sepp Stahl vom Aktionskreis Regensburg und Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Oliver Heumann meldete sich auch Pfarrer Andreas Schlagenhaufer zu Wort und warf der bischöflichen Pressestelle Falschdarstellungen und Verschweigen von Fakten vor.
Der Grund für die Demo, bei der Töne angeschlagen wurden, wie sie das Ordinariat bisher wohl noch nicht auf offener Straße zu hören bekommen hat: Des Bischofs Ultimatum war abgelaufen. Die Pfarrer Schlagenhaufer und Trimpl hatten sich nicht vom "Aktionskreis Regensburg" (AKR) distanziert, wie ihr Oberhirte verlangt hatte.
"Da ein Verstreichenlassen dieser Chance durch die beiden Mitbrüder eine klare Gehorsamsverweigerung darstellt, die zu Konsequenzen zwingt, bitte ich Sie, heute Nachmittag bei dem zu Ihrer Region gehörigen Mitbruder vorstellig zu werden und im persönlichen Gespräch noch einmal eindringlich zu versuchen, ihn zum noch möglichen Einlenken zu bewegen", schrieb Bischof Gerhard Ludwig an die beiden Regionaldekane. In einem weiteren Fax an den Weihejahrgang 1969 bat der Bischof auch die Studienkollegen der beiden Priester, "das Ihnen Mögliche zu tun".
Gerhard Pausch hatte denn auch in seiner Weidener Pfarrei Herz Jesu ein etwa halbstündiges Gespräch mit Andreas Schlagenhaufer an. Ergebnis: unbekannt. Mehrere Mitbrüder aus Schlagenhaufers Weihejahrgang 1969 stärkten dem "Rebellen" angeblich den Rücken. Aus dem AKR will Schlagenhaufer nicht austreten: "Da sehe ich keinen Weg. Ich müsste die letzten 30 Jahre streichen - der Kreis hat uns sehr viel bedeutet." Im Übrigen nähmen sowohl er als auch Pfarrer Trimpl jedes Gesprächsangebot wahr. Es tue ihm leid, wenn der Bischof sich beleidigt fühle. Heute entscheidet eine Ordinariatskonferenz über die nächsten Schritte.
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