Weiden
Das tägliche Magazin
Prof. Dr. Glotz bei Verlegertagung: "Ich glaube an die Zukunft der Zeitung"
Weiden. Er werde keine Sonntagspredigt halten, warnte Prof. Dr. Peter Glotz die Verleger der bayerischen Tageszeitungen. In der Tat: der Politiker und Kommunikationswissenschaftler brachte Wahrheiten ungeschminkt auf den Punkt, um am Schluss aber doch Mut zu verbreiten: "Ich glaube an die Zukunft der Zeitung."
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| Prof. Dr. Peter Glotz brachte die Probleme der Tageszeitungen auf den Punkt. (Bild: Wilck) |
Interpretativen Journalismus: Das bedeute vor allem mehr Hintergrundberichte. Die Zeitung müsse sich zu einem "täglichen Magazin" entwickeln.
Verdichtung: Der Weg gehe in Richtung Kompakt-Zeitung. Übersichtlichkeit und ein Farbleitsystem seien notwendig. Glotz: "Die Leute sind schnell geschnittene TV-Nachrichen gewohnt."
Erklär-Zeitung: Es gebe immer wieder Situationen, in denen die Zeitung mehr Hintergründe liefern könne als jedes andere Medium.
Publikationen als Distributionskanal: Sie müssten zur dritten Säule der Verlage werden. Als Beispiele nannte Glotz das Anbieten von Rabatten und eigenen Buchtiteln.
Der Medienexperte folgerte, dass das Medium Tageszeitung gerettet werden könne, "wenn man sich unternehmerisch und journalistisch anstrengt". Er schrieb den Verlegern ins Stammbuch: "Ich glaube an die Zukunft der Zeitung: Dort, wo neue Geschäftsmodelle entwickelt werden und nicht fauler Traditionalismus herrscht."
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| Gesten- und geistreicher Redner: Peter Glotz. (Bild: Wilck) |
Internet immer wichtiger
Die Zahlen, die Glotz aus einer Studie seiner Universität präsentierte, machten den Gästen eindringlich klar, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Der Anteil der 17- bis 29-Jährigen, die in Deutschland täglich zur Zeitung greifen, ist in den letzten Jahren von 72 auf 51 Prozent gesunken.
Es werden heute eine Million Tageszeitungen weniger verkauft als noch 1990. Das Internet spiele eine zunehmende Rolle. Glotz: "Es gibt zwei Tendenzen: Die Online-Nutzung steigt, und es gibt einen Teil von jungen Leuten, die keine Zeitung mehr nutzen wollen."
Bei Anzeigen kooperieren
Der Online-Werbemarkt stellt dabei nach Aussage von Glotz keine Gefahr dar: "Aber auch das könnte sich ändern." Vor allem im Stellen- und Automarkt hat das Internet eine wachsende Bedeutung, was in erster Linie den großen Zeitungen wirtschaftlich zu schaffen mache. Die gelockerte Fusionskontrolle bewertete der Professor dabei als "in der Tat richtig": Besonders im Anzeigenbereich seien Kooperationen der Verlage sinnvoll.
































