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Von Hans-Jürgen Krehl  |  08.05.2004  | Netzcode: 10554681  |  691 Mal gelesen.
Bayreuth

Statt Romantik viel Arbeit

Workshop über den Jahrtausende alten Baustoff Lehm

Bayreuth. Der Lehm, ein Baustoff mit Jahrtausende alter Tradition, ist wieder ins Blickfeld ökologisch interessierter Häuslebauer gerückt. Ein Workshop im Umweltschutzinformationszentrum Lindenhof südlich von Bayreuth bot jetzt Gelegenheit, sich zusammen mit Experten über den Werkstoff Lehm und seine vielfältige Verwendung zu informieren.

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Faszinierend für den ökologisch orientierten Bauwilligen ist sicher die romantisch verbrämte Idee, sich sein neues Zuhause aus dem zu bauen, was aus der Baugrube gebaggert wird. Schnell wird klar, dass dies gar nicht so abwegig ist - aber alles andere als romantisch.

Nicht jeder Lehm passt



Zum einen ist das, was aus der Baugrube kommt, zwar oft Lehm, kann aber in den seltensten Fällen so verwendet werden, wie das Material "ansteht". Nicht nur, dass der Aushub durch unterschiedlichste Beimischungen wie Sand, Stroh oder Holzschnitzel in einen Zustand gebracht werden muss, der ihm jene Funktionen verleiht, die er als Baustoff haben muss: Stabil, wetterfest, dauerhaft und wärmedämmend. Schließlich soll er darüber hinaus weder hart, noch zäh oder gar trocken sein.

Ein Lied davon kann Burkhardt Niepelt singen. Und der ist immerhin Architekt und Baubiologe. Da er als sozusagen Studierter potentiellen Kunden seine Dienste nicht ausschließlich auf theoretischer Basis anbieten will, hat Niepelt alles ausprobiert - von Hand und an seinem eigenen Haus. "Zeit, Zeit und nochmals Zeit!", das ist es, was der Bauherr nach diesen Erfahrungen investieren muss.

Niepelt: "Lange bevor der Bau überhaupt beginnt, muss in unterschiedlichsten Tests herausgefunden werden, ob der vorliegende "Lehm" geeignet ist. Als Putz zum Beispiel, oder als - eigenhändig "gebackener" - Ziegel oder mit selbst hergestellter Schalung im Ständer- oder Fachwerkbau Stück für Stück hochgezogen werden kann. Dass es geht, das kann der Baubiologe zwar überzeugend vermitteln, vergisst aber nicht: "Noch viel mehr als beim konventionellen Bauen muss man sich auf immer neue Situationen einstellen. Und scheuen Sie sich nicht, auf weiterführende Lektüre über baubiologische Hintergründe zurückzugreifen!"

Familie nicht vergessen



Dazu war sich selbst der Studierte nicht zu schade. Und abgesehen davon, dass er in seinem Lehmhaus mittlerweile selbst wohnt, gibt ein abschließender Rat den Blick frei auf den bereits angesprochenen Faktor Zeit: "Vergessen Sie über dem Bau ihres Lehmhauses die Familie nicht - und Muskeln brauchen Sie auch!" Das Material ist das selbe, doch Peter Gmeiner aus Störnstein (Landkreis Neustadt/WN), seit fünf Jahren im Lehmbau aktiv, geht das Öko-Thema gewissermaßen von der Seite des Praktikers an. Das ist nicht nur auf unternehmerische Kalkulation und vermehrten Einsatz von herkömmlicher Bautechnik zurückzuführen. Weitgehend, aber nicht grundsätzlich, rät Gmeiner vom "baustelleneigenen" Lehm ab. Er bringt als Unternehmer das, wenngleich baubiologisch gleichwertige, Rohmaterial mit und führt dafür überzeugende Kostenrechnungen vor.

Freilich sind auch dem Oberpfälzer traditionelle Lehmbautechniken wie Stampflehm und Lehmschüttungen beileibe nicht fremd. Zwei unterschiedliche Philosophien also, das Jahrtausende alte Material einem nach gesunder Bauweise strebenden Häuslebauer nahe zubringen. Imponierend und überzeugend, die raumklimatischen Vorteile beider Richtungen und die Vielfalt individueller Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten.

Faszinierend auch der Gedanke, so manche "Styroporburg" heutiger Tage einzutauschen gegen ein Haus, dessen Bestandteile schon Tausenden von Generationen zuverlässige und dauerhafte Baustoffe waren, oft auch der einzige. Schließlich werden auch in unserer Zeit in Deutschland zwei Millionen Lehmhäuser bewohnt. Romantik also darf, Zeit muss sein und Technik schadet nicht. Und keines allein führt zum Ziel - dem Haus aus Lehm.

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