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Von (cog)  |  31.03.2004  | Netzcode: 10537468  |  456 Mal gelesen.
Sulzbach-Rosenberg

Einfühlsam und überzeugend interpretiert

Gelungenes Passionskonzert der Christuskirchen-Kantorei - Spenden für Erhalt der Hößler-Orgel dringend nötig

Auch in diesem Jahr gab die Kantorei der Christuskirche unter der Leitung von Dekanatskantor Gerd Hennecke wieder ein sehr stimmungsvolles Passionskonzert. Auf dem Programm standen Motetten und Madrigale von Orlando di Lasso aus dem 16. bis Max Reger aus dem 20. Jahrhundert.

Dekan Karlhermann Schötz stellte in seiner Ansprache die Musik in einen Zusammenhang mit der Passion Christi. Die Motetten führten den Blick vom Anfang des Lebens Jesu bis zu seinem Kreuzestod und ließen das Leid eindringlich nachfühlen. Dann las er in der Fassung von Walter Jens Jesu Gebet im Garten Gethsemane und die Kreuzigung vor.

Hennecke hatte teilweise selten gesungene Werke von weniger bekannten Komponisten ausgewählt. Die Kantorei zeigte sich der faszinierenden Vielstimmigkeit durchwegs souverän gewachsen. Die Stimmen rankten sich harmonisch umeinander, die Einsätze waren präzise, die Sänger artikulierten so klar, dass man jedes Wort verstehen konnte.

Innere Überzeugung



Vielleicht noch wichtiger als die technische Perfektion ist bei einem Passionskonzert der Ausdruck, die innere Überzeugung. Die Sänger waren mit Herzblut dabei und legten ihr ganzes Empfinden einfühlsam und überzeugend in den Gesang.

Bei der Motette von Johann Kuhnau (1660-1722) über Christi einsames Gebet im Garten Gethsemane vermittelten sie abgrundtiefe Traurigkeit. Gänsehaut überlief die Zuhörer bei der Zeile "immolari vobis", "ich werde für euch geopfert".

Eine besondere Herausforderung für die Kantorei waren zwei Madrigale von Johann Hermann Schein (1586-1630), deren Dramatik und Chromatik verblüffend modern waren. "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten" bot schwierige Koloraturen und Tempowechsel, die die Kantorei mit großer Sangesfreude meisterte. Insbesondere bei diesem überaus anspruchsvollen Stück zeigte sich wieder einmal das hohe Niveau der Sulzbacher Kantorei.

Hennecke spielte auf der Hößler-Orgel Werke der barocken Komponisten Johann Pachelbel und Johann Gottfried Walther sowie die "Toccata primi toni" des zeitgenössischen Einar Trärup Sark (*1921), ein modernes Stück, mit dem er die üblichen Hörgewohnheiten herausforderte. Trotz seines gekonnten Spiels wurde deutlich, dass die Pfeifen schlecht ansprechen und die Orgel verstimmt ist.

Die Zuhörer dankten Sängern und Organisten mit lebhaftem Beifall für dieses rundum gelungene Konzert.

Der Eintritt zu diesem Konzert war frei, am Ausgang wurde aber um Spenden für die Sanierung der historischen Hößler-Orgel in der Spitalkirche gebeten. Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer erläuterte die große kunst- und musikgeschichtliche Bedeutung dieses Instruments.

Einzige Barockorgel



Die Orgel wurde 1743 von dem Orgelbauer Elias Hößler und seinem Schwiegersohn Heinrich Blum für die alte gotische Spitalkirche am Rosenbach gebaut. Es ist die einzige fast original erhaltene Barockorgel im Stadtgebiet. 1804 wurde sie in die heutige Spitalkirche, das ehemalige Kapuziner-Hospiz, verlegt.

Seitdem wurde die Orgel im 19. Jahrhundert mehrmals repariert und einmal umgebaut. Zuletzt erfolgte in den 70er Jahren eine umfassende Renovierung, die aber nicht sachgerecht durchgeführt wurde. Im Zuge der Sanierung der Spitalkirche wurde die Orgelempore abgebrochen und die Orgel in der feuchten Nordwestecke der Kirche aufgestellt.

Das führte zu starkem Schimmelbefall an den Holzpfeifen, außerdem bohrt in der Windlade der Holzwurm. Erste Rettungsmaßnahmen sind deshalb noch in diesem Jahr unumgänglich, und im nächsten Jahr müsste sich eine umfassende Restaurierung anschließen.

Dr. Lommer bat die zahlreichen Konzertbesucher um ihre Hilfe: "Auch in Zeiten knapper Mittel können wir unsere Geschichte und unsere Kultur nicht sang- und klanglos untergehen lassen, denn das würde bedeuten, unserer Zukunft den Boden unter den Füßen wegzuziehen!"


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